Zur Eröffnung der 19. Tanztage am Mittwochabend, notabene dem 19. November, war die Tanzcompagnie «Flamencos en route» in der Schützi zu Gast. «Mit einem wehmütigen und einem zwinkernden Auge schaue ich zurück und alte Bilder und gefühlvolle Momente steigen in meiner Erinnerung auf», meinte die Choreografin Brigitta Luisa Merki im Rückblick auf ihre 30 jährige intensive Tanzerfahrung in all ihren Nuancen. Viele Tanzpreise hat sie im Laufe ihrer Tätigkeit erhalten, unter anderem auch den berühmten Hans-Reinhart-Ring. Mit der Produktion «Flamencos en route ... y qué màs! Perlas peregrinas» erlebte das Oltner Publikum in der ausverkauftem Schützi Tanz, Musik und Gesang. Die Darbietungen gingen unter die Haut und hielten einem bis zum letzten Ton, bis zur letzten Bewegung in Atem.

Grandios: Tradition und Moderne

Die Gitarristen Juan Gomez Agarada und Pascual de Lorca, mit Fredrik Gille, Perkussion, präsentierten Musik, Klangbilder voller Dynamik, untermalten aber auch zärtlichere im klassischen Flamenco angesiedelte Tanzbilder. Das Grandiose war, eben auch solche, in denen man den zeitgenössischen Tanz nachvollziehen konnte. Die beiden so unterschiedlich zu erlebenden Tanzausrichtungen flossen in einer Selbstverständlichkeit ineinander über, in einer Vitalität und Sensibilität, die zu erleben einmalig war. Ein prägender Höhepunkt war auch der Gesang mit Rocio Soto, Pedro Obregon und Karima Nayt. Für den Tanz waren Carmen Iglesias Siles, Raquel La Madrid, Carmen Angulo, Karima Nayt Abdelaziz, Eloy Aguilar, Jose und Ricardo Moro verantwortlich. Man erlebte eine Tanzcompagnie von unglaublicher Qualität, die den Flamenco zu einem dynamischen, berührenden Erlebnis machte, die aber auch die feinen formalen Bewegungsabläufe hinüberbrachte, mit zeitgenössischen Strukturen spielend und immer wieder in den Flamenco eintauchend.

Fantastische Bilder

Der Zuschauer erlebte einen Tanzabend voller fantastischer Bilder: Tanguillos aus Cadiz und einer Farruca mit Schleppenkleid getanzt bis hin zu einem faszinierenden Gesangsduett mit arabischen Wurzeln und dem berühmten Flamencogesang. «Las musas de Don Juan» zeigte Tanzformationen von alten Traditionen geprägt, Don Juans Tanzkraft faszinierte und liess einen keinen Augenblick los, bis man in den fremden Gesang von Karima Nayt eintauchte, der von zarter Melancholie geprägt war. Auch die anderen Bilder begeisterten: «Don Quijote y Sancho Panza» oder «Nanas Wiegenlieder», symbolisierten tanzende Mütter, die ihr Tuch in den Armen trugen wie ein kleines Kind, zärtlich und in sich geschlossen, um dann plötzlich wieder beschwingt und voller Leichtigkeit auszubrechen. Das «Trio infernal» fesselte mit komplexen Rhythmen und dem perfekten Zusammenspiel des musikalischen Trios, das sich aus dem Perkussionisten, einem Tänzer und einer Sängerin zusammensetzte. «Tangos, Tangos», begleitet vom Gesang der Karima Nayt, zauberte zum Schluss wieder eine andere
Atmosphäre in den Raum; dies in einer Intensität, in der man die ganze Kraft des Lebens spürte.

Brigitta Luisa Merkis Choreografie vermittelte bis in alle Einzelheiten hinein Flamenco; mit modernen Bildern und mit traditionellen, nie aber im trennenden Sinne. Dies alles in einer Selbstverständlichkeit zu erleben, die fesselte und nachvollziehbar machte, dass das Traditionelle keine Berührungsängste mit dem modernen Zeitgenössischen haben muss, sondern durch die Begegnung zu einer grandiosen Aussage wird. Eine solche Choreografie – ein Meisterwerk. Der Zuschauer stieg ein in die vitalen packenden Tanzpassagen mit dem berühmten Flamencoschritt, dem heftigen Klopfen und Markieren, dem temperamentvollen Bewegungsablauf im Drehen und kreisrundem Schwingen. Packend, wenn urplötzlich feinere Tanzabläufe hinein- kamen, so als möchte man aufzeigen, dass das Zeitgenössische immer Teil des Traditionellen ist.

Genuss der Dynamik

Man genoss die Dynamik und Struktur der Auftritte, die atemberaubende Steigerung, das Dunkle und Geheimnisvolle, aber auch das Magische, das dieser Choreografie anhaftete. Jedes Solo wurde in dieser einmaligen Präzision zu einem Kunstwerk.

Brigitta Luisa Merki schuf so eine völlig neue Welt im Präsentieren von Flamenco. Dieser Tanzabend im Zeichen des Flamencos bleibt darum unvergesslich.