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Fitness für jedermann, jederzeit: Der Vita-Parcours wird 50

Die bekannteste Outdoor-Sportanlage feiert ihren 50. Geburtstag. Wir haben die Vita-Parcours in der Region Olten unter die Lupe genommen und getestet.

Sarah Kunz
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Silvia Emmenegger, Rolf Arber und Denise Bader (v.l.) nutzen die Vita-Parcours regelmässig.

Silvia Emmenegger, Rolf Arber und Denise Bader (v.l.) nutzen die Vita-Parcours regelmässig.

Sarah Kunz

Wer kennt ihn nicht, den Vita-Parcours? Er ist wie ein Fitnessstudio, das rund um die Uhr geöffnet hat und dazu auch noch gratis ist. Die Übungen werden ohne Zusatzgewicht absolviert und wechseln zwischen Beweglichkeit und Geschicklichkeit, Kraft sowie Ausdauer ab. Zudem sind die Freiluft-Strecken in den Schweizer Wäldern situiert und die umliegenden Bäume schenken während der Anstrengung kühlenden Schatten. Die Übungen sind auf einer Tafel grafisch dargestellt, dies teilweise sogar in mehreren Varianten.

50 Jahre Vita-Parcours: Die Geschichte

Vor genau 50 Jahren entstand in Zürich der erste Vita-Parcours der Schweiz. Die Männer des Turnvereins Wollishofen waren die Vorreiter der heutigen Anlagen, indem sie herumliegende Bäume und Rundhölzer als Turngeräte nutzten. Mit der Vita-Versicherung konnte kurz nach diesem zündenden Einfall ein Sponsor gefunden werden, welcher der Outdoor-Sportanlage sogleich den Namen gab. So wurde im Wald bei Zürich-Fluntern der erste offizielle Vita-Parcours eröffnet.

1993 wurde dann die Stiftung Vita-Parcours gegründet, die seither für die strategische Leitung und Weiterentwicklung verantwortlich ist. Mit dem weiteren Sponsor, der Zürich Versicherungsgesellschaft, wurde der offizielle Name der Anlagen im Jahr 2008 auf Zürich Vita-Parcours erweitert. Seither stellt sie die finanziellen Mittel für die Dienstleistungen sowie das Tafel- und Wegweisungsmaterial zur Verfügung.

Den operativen Betrieb sowie die Qualitätssicherung gewährleistet die schweizerische Gesundheitsstiftung Radix. Das Konzept wurde über die Jahre überarbeitet, die Nutzungsmöglichkeiten erweitert, die Übungen überdacht. So entstanden die Strecken, wie wir sie heute kennen.

Auch die nötigen Hilfsmittel sind sogleich vorhanden. Nicht selten werden diese Sportgeräte aber zweckentfremdet: Kinder hüpfen über die Baumstämme, Spaziergänger schwingen aus Spass kurz an den Ringen. So ist der Vita-Parcours nicht nur für Hardcore-Sportler ein beliebtes Ausflugsziel, sondern für Vorbeigehende auch eine willkommene und freudige Abwechslung.

In diesem Jahr feiert der Vita-Parcours das 50-Jahre-Jubiläum. Rund 507 Anlagen gibt es heute, die in Schweizer Wäldern zu Sport und Spass einladen. Nicht gross verändert hat sich derweil das Konzept: Auf einer angelegten Strecke im Wald absolvieren Sportbegeisterte 15 Stationen mit einer Auswahl aus insgesamt 43 Übungen. Gelb markiert Übungen für Beweglichkeit und Geschicklichkeit, rot steht für Kraft und mit blau sind diejenigen Übungen gekennzeichnet, die Ausdauer fördern.

Die Parcours sind vermessen nach Länge, Steigung sowie Leistungskilometer. Am Ende jeder Anlage gibt eine letzte Tafel Auskunft über den Kalorienverbrauch und die Ausdauerfähigkeit. Dank der grafischen Darstellungen und der ausführlichen Beschreibungen der zu absolvierenden Übungen ist die Anlage eigentlich «tubelisicher» und für jedermann ein sportliches Erlebnis.

Trägerschaft pflegt Anlagen

Damit die einzelnen Anlagen in den verschiedenen Gemeinden stets in einem guten Zustand vorzufinden sind, kümmert sich eine Trägerschaft um den Unterhalt. In 80 Prozent der Fälle sind dies die Einwohnergemeinden, aber auch Privatorganisationen wie Turnvereine oder Fussballklubs sowie Tourismusorganisationen können als Trägerschaft für den Vita-Parcours in den jeweiligen Gemeinden tätig sein.

Sie sind verantwortlich für den Bau, den Unterhalt und die Erneuerung ihrer Anlagen. Dazu gehören beispielsweise ein umfassender Service im Frühjahr und regelmässige Kontrollgänge über das ganze Jahr hindurch. Allfällige Reparaturen der Geräte, die Reinigung der Tafeln, der Unterhalt der Wege oder das Schneiden der Sträucher gehören ebenfalls zu den Aufgaben der Trägerschaft.

Das heisst auch, dass sie für die baulichen Massnahmen an den Geräten und Wegen sowie für die Materialkosten aufkommen müssen. Das Tafel- und Wegweisungsmaterial wird den Trägerschaften aber durch das Sponsoring der Zürich Versicherungsgesellschaft zur Verfügung gestellt.

Für alle schnell erreichbar

Denise Bader gehört zu den regelmässigen Benutzern der Vita-Parcours. Da sie mobil lebt, kennt sie viele Anlagen in der gesamten Schweiz. «Teilweise richte ich sogar meine Zeltplätze danach», sagt sie lachend. Mindestens ein Mal pro Woche absolviere sie diese und konzentriere sich dabei hauptsächlich auf Kräftigung. «Der Sport in Kombination mit der Natur ist für mich auch Psychohygiene», so Bader. «Dabei kann ich den Kopf leeren.»

Auch Rolf Arber und Partnerin Silvia Emmenegger schätzen die schönen Wege der Anlagen und dass diese rund um die Uhr jedem zur Verfügung stehen. «Am Montag gehe ich in die Bikeschule, am Dienstag ist die Laufgruppe Niederamt und am Mittwoch besuchen wir das ‹Fitout› in Olten», erzählt Arber. «Da bleibt teilweise kaum Zeit für etwas anderes.» Emmenegger fügt aber an: «Für den Vita-Parcours findet sich immer irgendwie Zeit, selbst wenn wir ihn nur ablaufen, ohne die Posten zu machen.» Schliesslich befände sich einer direkt vor ihrer Haustüre.

Auch Cori Wiederkehr, Geschäftsinhaberin des «Fitness for Women» in Olten, ist ein grosser Fan der Outdoor-Anlagen: «Den Vita kann man für jedes Fitnesslevel nutzen, weil man selbst entscheiden kann, wie man ihn absolviert.» So könne man entweder gemütlich spazieren oder schnell laufen. Auch die Übungen können je nach Fitnessgrad leichter oder härter absolviert werden. «Manchmal sprinte ich, manchmal jogge ich, zwischendurch hüpfe ich auch und ziehe die Knie hoch», beschreibt Wiederkehr ihren eigenen Vita-Parcours-Ablauf. «Mit der Abwechslung bleibt auch die Motivation.»

Die Fitness-Instruktorin bindet die Anlagen auch aktiv in den Trainingsplan ihrer Kunden ein. «Nach richtiger Einführung und anfänglicher Begleitung können die Kunden auch alleine hingehen», sagt sie. «Wichtig ist auf jeden Fall, dass man sich bewegt», so die 35-Jährige.

Wiederkehr kennt die Parcours schon seit ihrer Kindheit: «Das erste Mal auf einem Vita-Parcours war ich mit meinem Vater, als ich zehn Jahre alt war.» Damals sei sie jedoch nur zum Spass dort gewesen und hat sich von ihrem Vater die Übungen zeigen lassen. Obwohl sie eher «herumgeturnt» sei, habe ihr der Ausflug viel Spass gemacht. «Mit der Zeit haben sich die Übungen verändert», erinnert sich Wiederkehr. «Manche, an die ich mich noch erinnern kann, gibt es gar nicht mehr.»

Die Posten seien aber noch mit demselben Nutzen, möglichst alle Muskelgruppen werden trainiert. «Die Aspekte Beweglichkeit und Koordination kamen später hinzu, der Fokus liegt nicht mehr nur bei Kraft- und Ausdauertraining», sagt Wiederkehr. «Dies ist ein guter Hinweis dafür, dass der Vita-Parcours mit der Zeit geht.»

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