Industriewerk
Fit für Gotthardtunnel: SBB lassen in Olten Wagen aufrüsten

Die SBB machen ihr Rollmaterial fit für den Gotthard-Basistunnel. Brandschutz und Innenraumklima stehen dabei im Vordergrund. Die Wagen sind insgesamt für 12 Tage im Oltner SBB-Industriewerk.

Urs Amacher
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Ein Mitarbeiter der Abteilung Flottentechnik beim SBB-Industriewerk montiert einen Feuermelder in die Decke des Eisenbahnwagens.

Ein Mitarbeiter der Abteilung Flottentechnik beim SBB-Industriewerk montiert einen Feuermelder in die Decke des Eisenbahnwagens.

urs amacher

Die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels rückt näher. Nach dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2016 werden Passagiere und Güter durch den längsten Eisenbahntunnel der Welt sausen. Der Gotthard-Basistunnels (GBT) ist mit seinen 57 Kilometern nochmals 20 Kilometer länger als der Lötschberg-Basistunnel. Das bedeutet, dass auch das Rollmaterial der SBB höhere Anforderungen erfüllen muss. Das SBB-Industriewerke Olten öffnete kürzlich die Türen um zu zeigen, wie ihre Techniker die Lokomotiven und Bahnwagen fit für den GBT machen.

Das SBB-Industriewerk ist generell zuständig für die Revisionen und Reparaturen an den Reisezugwagen. Im Hinblick auf die Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels sind aktuell rund vierzig Mitarbeiter damit beschäftigt, das Rollmaterial aufzurüsten. Die Räder der Eisenbahnwagen und Loks sind bereits fit für die hohen Geschwindigkeiten. Es gilt deshalb vor allem, die höheren Vorgaben zum Brandschutz und zum Innenraumklima zu erfüllen.

Hürden nehmen

Die Ertüchtigung der SBB-Flotte ist in einem grösseren Zusammenhang zu sehen. Peter Jedelhauser, der Leiter der Projektorganisation für die Gotthard-Nordsüdachse, zeigte einige Hürden auf, die bis zur Aufnahme des kommerziellen Betriebs noch zu nehmen sind. Beispielsweise müssen alle Lokomotiven mit der neuesten Generation der Führerstandssignalisation ETCS ausgerüstet sein.

Mit diesem Zugsicherungssystem werden bereits der Lötschberg-Basistunnel und die Neubaustrecke Mattstetten–Rothrist mit 200 Stundenkilometern befahren. Die Betriebszentrale Süd in Pollegio, welche die Strecke Arth-Goldau bis Chiasso elektronisch steuert, ist bereits in Betrieb. Zudem gilt es, das Personal – immerhin rund 3900 Personen – entsprechend zu schulen.

Kühl durch den Gotthard

Im Innern des Tunnels herrschen Temperaturen über 30 Grad Celsius, lokal sogar bis 40 Grad. Desgleichen kann die Luftfeuchtigkeit knapp 100 Prozent erreichen. Deshalb muss bei den Lokomotiven die Klimaanlage im Führerstand grössere Leistungen bringen, erklärte Jens-Erik Galdiks, Flottentechnikleiter bei SBB Cargo. Und er versichert: «Bei den technischen Anpassungen unserer 180 Streckenloks, sei es die Zugsicherung oder die Klimatisierung, sind wir im Zeitplan.» Auch die Fahrgäste werden von besseren Klimageräten profitieren.

Bei Zuggeschwindigkeiten bis 200 Stundenkilometern und einer Tunnellänge von 57 Kilometern müssen die SBB der Gefahr eines Brandes mit zusätzlichen Vorsichtsmassnahmen begegnen. Das Industriewerk Olten rüstet deshalb die Wagen mit Brandmeldeanlagen aus, erläuterte Yves Marclay, Technikleiter für die internationale SBB-Personenverkehrsflotte. In der Decke des Fahrgastraums und des WCs werden Rauchmelder und Temperaturmessgeräte installiert.

Damit man Täuschungsalarme vermeidet, müssen zwei Brandmelder ansprechen. Um das Ausbreiten eines Brandes zu verhüten, bauen die Oltner Techniker neue Schaum-Handfeuerlöscher und schotten die Wagen mit automatisch schliessenden Brandabschnittstüren voneinander ab. Ein Feueralarm wird direkt dem Lokführer angezeigt, sodass er den Zug noch vor dem Tunnelportal oder an einer der Nothaltestellen in Sedrun oder Faido anhalten und evakuieren kann.

Spezielle Sicherung

Fatal wäre, wenn durch ein Feuer die Steuerung des Zuges ausfallen würde. Um das Funktionieren der elektrischen und elektronischen Anlagen (Server) zu gewährleisten, sind deshalb die Schaltschränke speziell gesichert. Sie werden nun sowohl mit optischen Rauchmeldern als auch mit optisch-thermischen Meldern ausgerüstet. Zusätzlich wird eine Brandbekämpfungseinrichtung in die Schaltschränke eingebaut. Bei einem Alarm versprühen Löschpatronen ein Aerosol (einen Nebel) aus Kaliumchlorid. Durch eine besondere chemische Reaktion wird das Feuer erstickt, ohne dass in der Umgebung der Sauerstoff verloren geht. Das Löschaerosol ist weder giftig noch gesundheitsschädigend. Und nachdem der Brand gelöscht ist, bleibt nur ein feines Pulver übrig, das abgesaugt werden kann.

Die SBB pflegen auch die Details. Bei der laufenden Ertüchtigung der Wagen werden die Piktogramme erneuert, sodass die Zeichen für die Fluchtrichtung oder die Standorte der Feuerlöscher auch im Dunkeln leuchten. Alles in allem bleiben die Wagen für 12 Tage im Oltner SBB-Industriewerk.

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