Voll beladen mit Werbesäcken tummeln sich einige hundert Oberstufenschüler am ersten Ausstellungstag der Berufsinformationsmesse (BIM) in und vor der Stadthalle. Die Freude steht ihnen klar ins Gesicht geschrieben. Kein Wunder: Das ganze Areal wird während der dreitägigen Messe dank kleiner Werkstätten, Simulatoren, Give-aways und Wettbewerbe zu einer Art Vergnügungsinfopark. So weiss jedes Unternehmen beziehungsweise Berufsfeld, sich den jungen Vertretern der geburtsschwachen Jahrgänge von der besten Seite zu präsentieren.

In Berufswahl bestärkt
«Es ist mega interessant, verschiedene Berufsbilder zu sehen», so die 14-jährige Melina aus Olten. Sie habe sich zwar schon vor der Messe für eine kaufmännische Lehre interessiert, aber nun bestätige sich ihre Wahl. «Die Frau beim Stand für die Kauffrau-Lehre war so freundlich und hat sehr spannend von den Tätigkeiten der Kaufleute erzählt.» Drei weiteren Schülerinnen zwischen 13 und 15 Jahren geht es ähnlich. Bereits vor der Messe seien sie sich schon ganz sicher gewesen, dass sie eine Lehre als Fachfrau Betreuung machen wollen. Trotzdem haben sie Spass an der Ausstellung: «Die BIM ist sehr interessant, da wir auch einmal in andere Berufe hineinschauen können. Zudem wurde unser Berufsentschluss weiter bestärkt.»

Wettbewerbe besonders beliebt

Andere Schüler finden hingegen durch die BIM sogar zu einem neuen Traumberuf. Wie der 13-jährige Dario aus Aarau. Fasziniert berührt er die Einzelteile des Motors eines ausgestellten Autos. Daran will er offensichtlich mal werkeln: «Vorher wollte ich Metallbauarbeiter werden, aber jetzt weiss ich: Ich werde mal Automechaniker», ist er überzeugt. Wie der Lehralltag dann wirklich aussehen wird, erfährt er aber nicht. Das ist ja aber auch nicht wichtig – bei diesen Motoren.

Dass die Schülerinnen und Schüler beziehungsweise künftigen Lernenden an der Messe nicht erleben, wie der Alltag in den entsprechenden Berufsfeldern aussieht, scheint Nebensache zu sein. Oberstufenlehrerin Simone Lienhard aus Dulliken, die mit zwei Klassen an der Veranstaltung teilnimmt, hat jedenfalls diese Erwartungen an die Messe nicht: «Klar erleben die Schüler nicht den Berufsalltag, aber es ist für sie ein guter Einstieg in die Berufswahl.» Jeder Stand biete interessante Sachen an. «Den Schülerinnen und Schülern gefällts. Vor allem die Wettbewerbe.»

Viele Berufe auf einem Fleck
Die BIM wird von vielen also als Orientierungshilfe im Berufe-Dschungel empfunden. Sandra Moser und Nadja Signoretti, beide Lehrerinnen der Kreisschule Thal in Balsthal, finden das Angebot der Messe gut: «Toll ist, dass es so viele verschiedene Berufe auf einem so kleinen Raum zu entdecken gibt.» Sicher könne die Messe die Berufswahl erleichtern. Sinnvoll sei sie aber nur mit zusätzlichen Berufsvorbereitungen.

Neben dem Postbote-Töff-Simulator und der Glace-Degustation bei den medizinischen – sic!– Berufen konnten Interessierte beispielsweise beim Schreiner-Stand Holzelemente sägen, schleifen und lackieren. Dort sind vor allem Jungen anzutreffen. «Den Schreiner-Beruf üben vorwiegend Männer aus. Nur 10 Prozent der Lernenden sind Frauen – es werden aber immer mehr», so Schreinerei-Inhaber Martin Schaerer aus Obergösgen, der den Stand mit vier Lehrlingen betreut.

Frauen ja, aber nicht um jedem Preis
Um den Frauenanteil in der Schreiner-Kategorie zu erhöhen, setzt Schaerer aber keine speziellen Anreize. «Frauen sind bei uns erwünscht, solange sie die gleich gute Arbeit wie die Männer leisten», so der Schreinermeister, der auch Lehrtöchter in seinem Betrieb ausbildet. «Wir müssen den Erwartungen unserer Kunden gerecht werden. Das heisst beispielsweise, eine 200 Kilo schwere Platte muss man zu zweit anheben können.» Gewisse körperliche Voraussetzungen müsse man deshalb schon mitbringen.

Der Schreiner-Stand an der BIM erfreut sich grosser Beliebtheit. Konzentriert schleifen Jungen an einem kleinen Holzteil in Form des Apple-Logos. Wie man eine 200-Kilo-Platte anhebt, werden sie wohl zu einem anderen Zeitpunkt herausfinden.