Gibt’s für das «Haus der Museen», welches nach einem über sechs Millionen Franken schweren Umbau im Herbst dieses Jahres eröffnet werden soll, so etwas wie ein Pendant an der Kirchgasse? Im «Haus der Kultur» nämlich? Genau dies zu prüfen verlangt ein Ende März eingereichtes Postulat vom Oltner Stadtrat. Absender des Vorstosses: die Fraktion SP/Junge SP.

Zwei unter gleichem Dach

Was ist unter dem Begriff «Haus der Kultur» zu verstehen? Gemäss den Postulanten ist damit das Zusammenwirken von Kunstmuseum, Stadtbibliothek und einem sich im Erdgeschoss befindlichen Kulturcafé gemeint. Und zwar in der Gebäudehülle des einstigen Naturmuseums, dem jetzigen Kunstmuseum und einem allfälligen «kleinen Anbau auf der Nordseite des Gebäudes», wie die Postulanten weiter erklären.
Für Stadtpräsident Martin Wey ist die Idee nicht grundsätzlich neu. Er hegt dafür sogar eine gewisse Sympathie. «In der Exekutive haben wir uns auch mit diesem Szenario befasst», sagt er auf Anfrage.

Im Februar letzten Jahres hatte sich der Stadtrat allerdings noch dafür ausgesprochen, das Kunstmuseum im Hübelischulhaus anzusiedeln, inklusive Anpassung der Liegenschaft (wir berichteten). Grundsätzlich ist dieser Entscheid denn auch nicht vom Tisch. Allerdings lagen damals auch nicht alle heute bekannten Fakten auf dem Tisch. Es gab da in der jüngsten Vergangenheit urplötzlich Aspekte, die vorher nicht im Blickfeld waren. Eine vertiefte Analyse zu den Entwicklungsmöglichkeiten der Stadtbibliothek förderte nämlich wenig Erfreuliches zutage. Weder Standort noch Mehrstöckigkeit des Gebäudes seien als gute Voraussetzung für eine Zukunft als «allgemeine öffentliche Bibliothek» zu betrachten, hatte es in einer von der Stadt in Auftrag gegebenen Studie geheissen (wir berichteten).

Die im Zug dieser Erkenntnis geprüfte Idee, Jugend- und Stadtbibliothek im Parterre des Stadthauses zusammenzuführen, scheiterte an den dortigen Platzverhältnissen. Was nun also? Da käme das Duo «Kunstmuseum und Stadtbibliothek» vielleicht gar nicht so ungelegen.

Warten bis ins Jahr 2024?

Zusätzlich kompromittierend: Das Hübelischulhaus steht erst zur Verfügung, wenn das neue Schulhaus im Kleinholz bezugsbereit ist. «Und das wird in den Jahren 2023/2024 der Fall sein», wie Wey vorauszuschauen wagt. Zudem ist die Substanz der Baute in einem sehr schlechten Zustand, was immer wieder nach unvorhergesehen Krediten verlangt. Erst eben hat der Stadtrat einen solchen über 36 000 Franken bewilligt, weil im Rahmen einer Sichtkontrolle erkannt wurde: Ein Stahlträger weist ungewöhnliche Korrosion auf. Eine genaue Situationsanalyse war erst nach Erstellung des Fassadengerüstes möglich. Das hinzugezogene Statikbüro hatte darin festgehalten, dass Sofortmassnahmen erforderlich seien, da sonst Gefahr in Verzug sei und ein grösserer Schadenfall durch herunterfallende Bauteile nicht ausgeschlossen werden könne. Deshalb geht der Stadtpräsident davon aus, dass noch in diesem Jahr dieses Thema Fahrt aufnehmen und einer Lösung zugeführt wird.

Gewerbliche Nutzung

Abgesehen vom möglichen «Haus der Kultur»: Die bürgerliche Politik möchte den Gebäudekomplex entlang der Kirchgasse am ehesten gewerblich genutzt sehen, wie Wey vermutet. «Allenfalls bevorzugen sie sogar den Verkauf an einen privaten Unternehmer.» Aber wie man sehe, halte da die Linke entschlossen dagegen. «Die Idee mit der Verquickung von Kunstmuseum und Stadtbibliothek hat durchaus ihren Reiz», so Wey.

Für Urs Knapp (FDP), Chef der grössten bürgerlichen Fraktion im Gemeindeparlament, steht solches aus seiner persönlichen Warte nur bedingt im Vordergrund, wie er auf Anfrage sagt. «Die Grenzen der Nutzung werden unter anderem durch die Schutzvorschriften für die Gebäude gesetzt», sagt er auf die entsprechende Frage. «Das Haus, in dem das Kunstmuseum untergebracht ist, ist meines Wissens nicht schutzwürdig. Eine Idee: Man reisst das baufällige Haus ab, nutzt den Platz als Vergrösserung der Begegnungszone und überbaut dafür Teile des heute wenig attraktiven Munzingerplatzes mit einem attraktiven Gebäude in einer Public Private Partnership-Initiative», so Knapp. Die Vorteile: Olten erhalte eine wirklich grosszügige, zusammenhängende Begegnungszone von Kirchgasse und Museen, der heutige ‹Hinterhof› Munzingerplatz werde aufgewertet und die Verkehrsträger könnte man unter dem Boden platzieren.

Schutzwürdiges Naturmuseum

Tönt beim ersten Anhören verlockend. Und das Gebäude Naturmuseum, Oltens erstes eigentliches Schulhaus? «Das ist schutzwürdig», sagt Knapp. «Dort könnte ich mir eine grosse Food Hall vorstellen, wo regionale Anbieter und Gastronomen ihre Produkte und Dienstleistungen offerieren können. Eine Art permanentes Street Food Festival. Die oberen Stockwerke wären interessant für Wohnungen.»

Andere Fragestellung notwendig

Aus Knapps persönlicher Sicht geht der Vorstoss von SP/Junger SP von einer «falschen Fragestellung aus», wie er sagt. «Er diskutiert nur die Hülle und nicht die Inhalte.» Entscheidend seien vielmehr Fragen wie «Welche Stadtbibliothek braucht Olten? Welches Kunstmuseum braucht Olten?» Beide Einrichtungen benötigen nach Knapps Einschätzung «überzeugende Konzepte bezüglich Inhalt und Standort», um als Leuchttürme auf die ganze Stadt ausstrahlen zu können.

Zudem fordert Knapp, dass Olten seine kulturellen Aktivitäten nicht nur auf der linken Aareseite fokussiert. «Vielmehr wäre es wichtig, dass auch die rechte Aareseite noch stärker aufgewertet würde; als Standort einer Stadtbibliothek und auch als Standort eines Kunstmuseums.» Der Fraktionschef hat gar eine Vorstellung, wo dies geschehen könnte: «Die Häuser am Bifangplatz, wo sich heute das Cultibo befindet, würden sich, nach einem Neubau in Kooperation mit einem privaten Investor, als Standort eignen.» In den oberen Stockwerken könnte dieser, nach Knapp, etwa Wohnungen realisieren und das ganze Vorhaben so entscheidend mitfinanzieren. «Mit einer solchen Überbauung würde der Bifangplatz klar aufgewertet und ein starker Anziehungspunkt auf der rechten Stadtseite entstehen», bilanziert der Fraktionschef, der sich im Übrigen auch eine Erweiterung der Stadttheater Olten AG zu einer Kultur Olten AG denken kann. Die Sportpark Olten AG könnte dabei organisatorisches Modell sein.

Zerrinnt die Zeit?

Ideen mit einer langen Vorlaufzeit. Zeit, welche die Stadt womöglich gar nicht hat. Die Fraktion SP/Junge SP jedenfalls hat ihren Vorstoss unter anderem damit begründet, dass eine städtebaulich sinnvolle und nachhaltig private Nutzung der Liegenschaften Kirchgasse fraglich sei, nachdem die Nutzung andere Gebäude an der Kirchgasse schon Schwierigkeiten bereite und die Neugestaltung des Kunstmuseums schon längst als 2. Etappe der Neukonzeption vorgesehen sei. «Der Bedarf an Verkaufsflächen wird sicher nicht zunehmen. Aus städtebaulicher Sicht ist die Kirchgasse der ideale Ort für Gebäude mit öffentlicher Nutzung», so die Postulanten.