Olten
Finanzielle Zukunftsängste: Die Kitas warten auf Hilfe der Stadt Olten

Ab Montag können Tagesstätten wieder Kinder empfangen. Die Freude am Wiedersehen ist getrübt wegen finanziellen Zukunftsängsten.

Jocelyn Daloz
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Sechs Wochen lang mussten Kinder zuhause bleiben. (Archivbild)

Sechs Wochen lang mussten Kinder zuhause bleiben. (Archivbild)

Hansruedi Aeschbacher

Der Vereinvorstandspräsident der Kinderkrippe Olten, Franco Giori, spricht Klartext: «Die bisherigen Unterstützungen durch den Kanton decken unsere Verluste nicht.» Der Verein betreibt die zwei Kinderkrippen Sonnhalde und Hagmatt. Seit dem Lockdown beschäftigen sich die Kinderbetreuenden nur noch mit jenen Kindern, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten. Mit den restlichen Kindern fällt auch die Haupteinnahmequelle des Vereines weg.

Schon seit Anfang des Notstands bekräftigten Betreiber von Kindertagesstätten ihr Unverständnis für den Entscheid des Regierungsrates, ihre Institutionen zu schliessen. Wo sie doch eine wichtige Dienstleistung erbringen für jene Eltern, die in der Pflege arbeiten und diese Massnahme über die Empfehlungen des Bundes hinaus reichen.

Kitas fahren Verluste von über 200'000 Franken ein

Corina Dreier von der Kita easy-kid-care in Olten SüdWest sagte schon vor einem Monat gegenüber dieser Zeitung, dass sie die Schliessung von Institutionen kaum sinnvoll fände, wo doch sogar der Leiter Abteilung Übertragbare Krankheiten des Bundes Daniel Koch schon immer versicherte, dass Kinder nur minimal als Träger und Verbreiter des Virus infrage kämen. Jann Bernhard, von der Sternekita in Trimbach und Wangen bei Olten, sagt seinerseits: «Wir betreiben weitere Kitas im Kanton Aargau, welche immer geöffnet waren. Weder beim Personal noch bei den Kindern hatten wir Coronavirus-Fälle.»

Die Kindertagesstätten in der Stadt Olten haben ihre Verluste auf 204'000 Franken für die ersten vier Wochen berechnet. «Rund ein Viertel davon stammt von uns. Mittlerweile stehen wir sechs Wochen im Lockdown», sagt Franco Giori. In dieser Berechnung sind bereits die bisherigen Entlastungen mit einberechnet: Die Kurzarbeitsbeiträge des Bundes und die 500'000 Franken Soforthilfe, die der Kanton am 7. April sprach. Unterdessen hat die Regierung vergangenen Dienstag verkündet, eine weitere halbe Million Franken als Überbrückungskredite zur Verfügung zu stellen. Doch auch dies dürfte gemäss Giori wenig helfen, müssten diese Beiträge doch wieder zurückbezahlt werden. Auch könnten die Kitas nicht einschätzen, wie viele Eltern ihre Kinder am Montag in die Krippen bringen werden, sagt Giori weiter, der auch anmerkt, dass er sich von den kantonalen Behörden etwas «in der Luft hängen gelassen fühlt».

Stadt Olten will Kitas entgegenkommen

Der Kanton hat in seiner Mitteilung zu den Sofort- und Überbrückungshilfe betont, dass er die Gemeinden in die Verantwortung nimmt. Deshalb hoffen die Kitas auf die Stadt Olten. Der für die Kitas zuständige Mitarbeiter Jan Rechsteiner anerkennt, dass die Situation schwierig sei und die Verluste, welche die Kitas der Stadt vorgewiesen haben, hoch sind. Der Stadtrat wird kommenden Montag einen Entscheid fällen, ob die Stadt finanziell unter die Arme greift. Rechsteiner betont auch: «Wir wollen nicht, dass eine Kita zumachen muss. Wir würdigen und anerkennen ihre Arbeit.» Franco Giori meint aber, dass selbst die Beträge, die er sich von der Stadt erhofft, nicht ausreichen werden, um das Loch zu stopfen.

Wer sich weniger Sorgen macht, ist Eveline Erne vom Gemeinnütziger Frauenverein Olten, der zwei Horte und eine Kita in Olten betreibt.«Ich habe Vertrauen in die verschiedenen Parteien, dass gute und tragfähige Lösungen gefunden werden. Bashing bringt nichts, ich bin überzeugt, dass die Stadt alle Kitas erhalten will.» Im Gegensatz zur Kita Lilly & Lars, die wegen unklarer Kommunikation des Kantons auf eine Stellungnahme verzichtete, ist Erne der Meinung, dass die vorgegebenen Massnahmen durch die Behörden klar sind. Dass die Planung schrittweise vorangeht, sei ebenfalls verständlich. «Diese Situation hat niemand vorausgesehen. Weder Kanton, Bund, oder die Stadt hatten einen fixfertigen Plan.»

Sämtliche Kitas haben angegeben, weiterhin verschärfte Hygienemassnahmen vorzunehmen und die Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit und des Kantons einhalten zu wollen. Der Kontakt mit Eltern wird eingeschränkt, das Reinigen der Räume verschärft, Kinder im Idealfall in Kleingruppen unterteilt. Die Betreuungspersonen werden «grossen Wert darauf legen, den Empfang der Kinder gut und schön zu gestalten», sagt Corina Dreier von easy-kid-care. «Die Kinder werden sich riesig freuen, ihre Freunde wiederzusehen – denn diese Kontakte fehlten ihnen.»