Olten
Filmemacher Peter Bolliger: «Mein grosses Vergnügen ist das Fantasieren»

Der 47-jährige Oltner Peter Bolliger gab vor einem Jahr seine sichere Arbeitsstelle auf und gründete eine Filmwerkstatt. Demnächst will er in der Region den Krimi «Todesfall» drehen. Im Frühling 2014 soll der Film im Kino laufen.

Philipp Kissling
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Peter Bolliger

Peter Bolliger

Philipp Kissling

Bei den Sälifelsen stürzt in einer regnerischen Novembernacht Bauer Franz Marti vom Mühletal ab und stirbt. Die Polizei geht von Unfall oder Selbstmord aus und legt den Fall bald ad acta. Beim Chefredaktor der lokalen Zeitung indes sträuben sich die Nackenhaare. Er erinnert sich an einen ähnlichen, ungelösten Fall, der über zwei Jahrzehnte zurückliegt. Ob es einen Zusammenhang mit dem Schicksal des 69-jährigen Franz Marti gibt?

Peter Bolliger wird die Auflösung liefern, denn er hat die Geschichte erfunden. In 15 bis 20 Drehtagen soll daraus ein Krimi von rund 80 Minuten Länge werden. Es ist das erste Spielfilmprojekt, seit Bolliger «Peter’s Filmwerkstatt» gegründet hat. Vor einem Jahr gab der 47-jährige Oltner die Stelle als Dispoleiter Nonfood bei Coop in Wangen nach 21 Jahren auf und nahm eine halbjährige Auszeit, in der er den Start in die Selbstständigkeit vorbereitete.

Seit April ist er mit seiner Filmwerkstatt parat. Imagefilme für Unternehmen und Institutionen könnten dereinst das Kerngeschäft bilden. «Meine Filmwerkstatt ist auch eine Chance für die Firmen der Region, hier zu guten Konditionen etwas machen zu können», macht Bolliger gleich Werbung in eigener Sache.

Als Einmannbetrieb ist er entsprechend einfach strukturiert. Interessenten präsentiert er schon bald nach der Kontaktaufnahme ein mögliches Drehbuch. Er legt Wert darauf, dass er nicht langweilige PR-Filme herstellt, sondern die Geschichte und Eigenheiten eines Unternehmens stets einfliessen lässt.

Die ersten Monate seien vielversprechend verlaufen. Bolliger hat vorsichtig budgetiert und jahrelang darauf hingearbeitet, um sich für den Aufbau genug Zeit nehmen zu können. «Wirtschaftlich gesehen werden erst 2014 und 2015 entscheidend sein, dann müssen die Zahlen stimmen», rechnet er.

Der gelernte Maschinenschlosser kam einst über Texte zum bewegten Bild. «Ich schrieb Geschichten und Gedichte für Anlässe», blickt er zurück, «Poetry Slam würde man dem heute wohl sagen.» Und irgendwann war da die Idee, die Geschichten in Filme zu betten. Das war vor 27 Jahren. Dem ersten Streifen lag eine Bieridee zugrunde. Bolliger schmunzelt: «Er hiess ‹Graf Engelbergs Erbe› und war auf schauspielerisch und technisch tiefem Niveau.» Aber er und seine Freunde hatten grossen Spass, also machten sie weiter.

Weil die Beteiligten aus Olten, Trimbach und Dulliken stammten, arbeiteten sie später unter dem Namen OL-DU-TRI Film & Sound Production. Mit «Der Poet» (2001, 880 Zuschauer) trafen sie den Nerv des Publikums derart, dass er sogar länger als die vorgesehenen zehn Tage im Kino gezeigt wurde. «Der Schattenmann» (2007, 400 Zuschauer) war dann eher schwere Kost, entsprechend kritisch war das Echo der Kinogänger.

Die Story von «Todesfall» hat das Potenzial, an vergangene Erfolge anzuknüpfen. Im Idealfall, so Peter Bolliger, vergesse das Publikum, dass die Schauplätze vor der Haustür liegen und es die Gesichter der Darstellerinnen und Darsteller möglicherweise kennt. Ob dem so ist, wird der Regisseur an den Kinoabenden sehr genau beobachten. Bolliger: «Ich bin jeweils bei jeder Vorführung anwesend, um die Gesichter der Zuschauer zu studieren, und registriere, wie konzentriert sie im Film drin sind.»

Bis es so weit ist, steht noch viel Arbeit an, denn erst heute Sonntag fällt der eigentliche Startschuss. Bolliger hat die 15 potenziellen Schauspieler zu sich nach Hause eingeladen, um ihnen das Drehbuch vorzustellen und die Zeitaufwandrechnung vorzulegen. Die Zusage vorausgesetzt, übersetzt jeder für sich die Dialoge in seine Sprache, danach kann es langsam, aber sicher losgehen. Als Drehorte sind Olten und das Gebiet Rothacker in Walterswil vorgesehen. Gemacht wird, was umsetzbar ist, will heissen bezahlbar. Bolliger spricht von einem Nullfrankenfilm, möchte aber 20 000 bis 25 000 Franken sammeln für das Projekt; das Geld soll mittels Crowdfunding und Sponsoren zusammenkommen.

Beim heutigen Zusammentreffen steht das Drehbuch erstmals auf dem Prüfstand. Kann es sein, dass die Schauspieler es verreissen? «Ja, absolut», sagt Peter Bolliger, «Kritik ist auch ihre Aufgabe.» Bolliger indes ist erfahren genug, um die eigene Arbeit einschätzen zu können. Einen Verriss befürchtet er nicht, Anregungen, die die Geschichte besser machten, seien jedoch stets erwünscht.

Am Anfang eines Bolliger-Drehbuchs steht viel Denkarbeit. Im Kopf spinnt er die Idee weiter bis zur fertigen Geschichte. In dieser Phase geht er oft spazieren und lässt mögliche Schauplätze auf sich wirken. Es ist eine Zeit, die er sehr geniesst: «Mein grosses Vergnügen ist das Fantasieren», erklärt er mit leuchtenden Augen. Erst nach diesem Prozess setzt er sich hin und beginnt zu schreiben. Einmal drin, steigert er sich in einen «Flow» und ist kaum zu bremsen. Die Überarbeitung des Materials ist dann eine Fleissarbeit. Danach hat sich der Autor so intensiv mit dem Stoff befasst, dass er den Film bereits vor Drehbeginn vor seinem geistigen Auge Szene für Szene ablaufen lassen kann.

Die rasante Entwicklung der Technik kommt «kleinen» Filmemachern entgegen. «Gute Technik ist zahlbar geworden», sagt Peter Bolliger, der stets in Neuerungen investierte und bereits seit 1998 digital arbeitet. Sein Krimi, so ist er überzeugt, werde den Vergleich mit grösseren Produktionen nicht scheuen müssen. Die Qualität von «Todesfall» werde durchaus an «Dinu», den am letzten Sonntag im Schweizer Fernsehen gezeigten Schwingerfilm, herankommen.

15 Darsteller plus Statisten werden an «Todesfall» beteiligt sein und die Geschichte aus drei Sichtweisen erzählen. Eingebettet in mysteriöse Geschehnisse aus der Vergangenheit, die sich von den aktuellen visuell unterscheiden werden, soll das Resultat die Zuschauer in den Bann ziehen und unterhalten. Der Film sollte im Frühling 2014 fertiggestellt sein und danach ins Kino kommen. Und Peter Bolliger wird bei jeder Vorstellung dabei sein und die Leute beobachten. Denn ihre Mimik wird quasi seine Arbeit bewerten.

www.peters-filmwerkstatt.ch