Feuerwehrverein
Nach Kienberg verzichtet auch Fulenbach auf das Weihnachtsbaumverbrennen

Auch der Feuerwehrverein Fulenbach streicht das traditionelle Weihnachtsbaumverbrennen.

Lavinia Scioli
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Nachdem das Weihnachtsbaumverbrennen in Kienberg abgesagt wurde, verzichtet auch Fulenbach darauf.

Nachdem das Weihnachtsbaumverbrennen in Kienberg abgesagt wurde, verzichtet auch Fulenbach darauf.

Patrick Luethy

Bereits am Donnerstag berichtete diese Zeitung, dass die Neujahrstradition des Weihnachtsbaumverbrennens in Kienberg kurzerhand umgeplant werden musste. Denn es wurde bekannt, dass das Weihnachtsbaumfeuer verboten ist. Auf diese Meldung hat nun auch der Feuerwehrverein Fulenbach reagiert und den Anlass in ein «Weihnachtsbaumentgegennehmen» umgewandelt.

Gemäss dem Merkblatt «Wohin mit dem ausgedienten Weihnachtsbaum» des Amtes für Umwelt des Kanton Solothurn sollen die Äste des Baumes als Deckäste und Kletterhilfen im eigenen Garten dienen. Wenn die Möglichkeit der Selbstverwertung nicht gegeben ist, dann landen die weihnachtlichen Überreste in der Grün- oder Kehrichtabfuhr.

Der Feuerwehrverein wusste nichts von dem Verbot

Das Amt für Umwelt rät von einem traditionellen Weihnachtsbaumfeuer ab: «Sie tragen zu einer besseren Lebensqualität bei, wenn Sie auf ein Weihnachtsbaumfeuer im Winter verzichten.» Denn gerade gröbere Äste und der Stamm sind im Januar noch nicht genügend abgedorrt. «Bei der Verbrennung entsteht dabei viel Rauch. Zudem werden Schadstoffe freigesetzt», schreibt das Amt für Umwelt weiter. Nach dem Bundesgesetz für Umweltschutz ist diese Verbrennungstradition aber verboten. Auch Hans Plüss, Aktuar des Feuerwehrvereins Fulenbach, wusste bis vor der Veröffentlichung dieser Zeitung nichts von diesem Verbot. Ein kleiner Killermoment sei es schon gewesen. «Wir machen aber das Beste daraus, das wir in so kurzer Zeit machen können», meint der Aktuar.

Weihnachtsbaumverbrennen ist landesweit verboten

So steht es im Bundesgesetz

Art. 30c Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Umweltschutz vom 7. Oktober 1983: Abfälle dürfen ausserhalb von Anlagen nicht verbrannt werden. Ausgenommen ist das Verbrennen natürlicher Wald‑, Feld- und Gartenabfälle, wenn dadurch keine übermässigen Immissionen entstehen.

«Ich weiss, dass das Weihnachtsbaumverbrennen im Kanton Aargau verboten ist», sagt Plüss. Da sei es gesetzesmässig klar geregelt. Plüss spricht dazu eine Empfehlung für den Kanton Solothurn aus: Man solle dieses Verbot auch hier schriftlich klar definieren.

Aus «Weihnachtsbaum verbrennen» wird «Weihnachtsbaum entgegennehmen»

«Weil wir das Fulenbacher Weihnachtsbaumverbrennen öffentlich gemacht haben, wollen wir auch keine rechtlichen Konsequenzen riskieren», erklärt der Aktuar. Deshalb habe man sich dazu entschlossen, die Neujahrstradition in «Weihnachtsbaum entgegennehmen, nicht verbrennen» umzugestalten. Auch auf das Risiko kritischer Stimmen in der Gemeinde wolle man verzichten.

In Fulenbach werden die Weihnachtsbäume entgegengenommen und nicht verbrannt.

In Fulenbach werden die Weihnachtsbäume entgegengenommen und nicht verbrannt.

Keystone

Auf Facebook wurde bereits die Anlassänderung publiziert. Auch die Mitglieder des Feuerwehrvereins, der Feuerwehrkommandant und die Behörde wurde in einem Mail informiert.

Enttäuschung über die Umgestaltung der Neujahrstradition sei aber da, bemerkt Plüss:

«Es ist schade, dass wir die Tradition nun nicht mehr so durchführen können. Die Kinder hatten immer Freude, dem Verbrennen des Baumes zuzuschauen.»

Für die Kinder sei das schnelle Verbrennen des Weihnachtsbaums besonders eindrücklich gewesen. Gerade weil sie mit ihren eigenen Augen sehen konnten, wie schnell ein Baum Feuer fangen kann. Dennoch ist der Anlass nicht gänzlich abgesagt. «Die Leute können den Baum trotzdem vorbeibringen», bestätigt er.

An einer Tradition wolle man coronakonform in Fulenbach aber trotzdem festhalten: an der «Wurst am Stäcke». «Jedes Kind bekommt kostenlos eine ‹Wurst am Stäcke›, die es dann über der Feuerschale bräteln kann», erklärt der Aktuar. Für erwachsene Gäste gäbe es natürlich auch eine. Einfach gegen Bezahlung. Natürlich werde für das Feuer in der Schale kein Tannenbaumholz verwendet, bestätigt er. Ihm ist es wichtig, an dieser Tradition festzuhalten:

«Erwachsene Leute kommen noch heute vorbei und erzählen, dass sie immer noch Kindheitserinnerungen an das Essen haben.»