Letzte Fasnacht herrschte noch Südseezauber, den «King Keegan» alias Markus von Wyl übers Dorf legte. Und heuer? Galaktische Zeiten seien angesagt; so viel wusste man schon seit dem 11. November vergangenen Jahres. Aber wer sollte Obernaar oder Obernärrin sein? Hinter vorgehaltener Hand sickerte durch: Wangen bekommt eine Obernärrin. Die Frage der Fragen schwebte über den vielen Köpfen der Hilari-Gästen in der Wangner Turn- und Festhalle Alp. 

Um 20.19 Uhr lüfteten sich so nach und nach die Schleier, wurde das Geheimnis häppchenweise preisgegeben. Eine Handvoll Damen im Outfit von Weltraumfahrerinnen eroberte die Bühne, trieben Spässe, befreiten mit Staubwedeln die Umgebung und nicht selten auch mal die Glatze eines Gastes vom irdischen Staub, um schliesslich porentief rein die Reise im Raumschiff zur wartenden Obernärrin antreten zu können.

Und dann, so knapp vor 21 Uhr, kam im wahrsten Sinn des Wortes Licht ins Dunkel: Erst liess sich in der galaktischen Finsternis zwar nur schemenhaft erkennen, dass eine Gestalt die Bühne betrat. Bis das plötzlich hereinbrechende Scheinwerferlicht offenbarte: Claudia Meier ist das neue Fasnachtsoberhaupt, heisst während der närrischen Tage Claudia I., kommt aus den unendlichen Weiten – und ist, das merkte man am freudigen Applaus und grossem Hallo der Hilari-Gäste, eine echte Wangnerin, gar im Dorf selbst geboren. Und erst noch eine aus der Tüpflischiisser-Clique, einem reinen Frauenensemble.

Als solche kam die Obernärrin nicht umhin, in ihrer Proklamation auch zum charmanten Seitenhieb Richtung Oltner Fasnachtsumzug anzusetzen. Sie machte nämlich auch Werbung für ihren dortigen Auftritt. «Am Sonntig findet z’Oute e rise Umzug statt, do dörfe mir nid fähle, das wird souglatt. I de letschte Johre isch es leider immer öppe passiert, mer si fasch numme gstande, jetz hei si ihri Route optimiert.» Aber: Man soll sich dennoch nicht abhalten lassen, riet Claudia I. Denn dort gebe es auch immer viel Leckeres zu erhaschen. 

Etwas machen können damit 

«Die Clique hat das Fasnachtsmotto bestimmt», erzählt sie dieser Zeitung. «Dass ich Obernärrin werde, stand schon vor zwei Jahren fest», reicht sie nach. Es sei die Meinung umgegangen, es wäre wieder mal Zeit für eine Frau. «Die Clique war sofort dabei; die Frauen haben einfach gesagt: Mach du’s!», lacht sie noch. Das Motto habe sich im Verlaufe der Vorbereitungsphase irgendwie ergeben. «He ja, man muss auch noch was machen können damit», räumt Claudia I. ein und stösst schon mal mit Gemeindepräsidentin Daria Hof auf den bevorstehenden Regierungswechsel von Ende Februar an. 

«Wir haben Glück gehabt in den letzten Jahren, immer einen Obernarren oder eine Obernärrin gefunden zu haben», sagt Roger Dietschi vom Fasnachtskomitee. Es habe auch schon andere Zeiten gegeben. Mann müsse übrigens nicht in einer Clique oder Zunft sein, um das Amt antreten zu können, meint er noch werbend. Mit dem Verlauf des Hilari 2019 ist Dietschi, der im Jahr 2008 selbst Obernarr in Wangen war, ganz zufrieden. «Der Anlass ist gut besucht, es kommen mehr oder weniger immer die gleichen Gäste.» Das gilt auch für die Oltner Gugge Papapalagi, die seit zehn Jahren am Hilari in Wangen dabei ist. Präsident Raphael Belser meint: «Hier gibts einfach eine gute Stimmung.» Man weiss zwar nicht mehr so genau, weshalb man überhaupt nach Wangen kam. Sicher aber ist: Mehrere Mitglieder der Gugge stammen aus dem Dorf. Also, wenn das kein Grund ist.