Kaum haben Besucher nach der Anfahrt die Autotür geöffnet, werden deren Sinne sofort von allen Seiten her beansprucht. Lautes Bellen und vereinzeltes Miauen dringen über den Hof, gemischt mit dem Krähen von Hähnen und dem Blöken von Schafen. Die tierische Geräuschkulisse kommt von Ställen, Gehegen und Käfigen, die beinahe von dichtem Grün versteckt werden. Es riecht nach Stroh, Natur und Tier.

Diese ersten Eindrücke sind die Begrüssung des Tierdörfli Olten. Es ist während der Ferienzeit voll ausgelastet und die gut 20 Mitarbeiter sind mit den 450 Schützlinge, die auf eine umfassende Betreuung warten, täglich beschäftigt.

Einen normalen Tagesablauf im Tierdörfli gibt es nicht. Zwar werden die Tiere morgens jeweils rausgelassen, gefüttert und versorgt. Gewaschen und desinfiziert wird ebenfalls den ganzen Tag über, damit auch alle Tiere immer saubere Futternäpfe und Decken haben.

Aber am Nachmittag kommen dann verschiedene Interessenten ins Heim, die einem der Vierbeiner gerne ein neues zu Hause schenken wollen. Ausserdem können Tierfreunde dann mit Hunden spazieren gehen. Deswegen, und aufgrund von zeitweiligen Notfällen, ist der Tag im Tierheim nie planbar. Denn wenn ein streunendes Tier gefunden wird, muss das Tierheim schnell handeln.

Der Weg bis zur Adoption

«Niemand kann bei uns quasi mit dem Einkaufskorb unter dem Arm ein Tier nach Hause nehmen», hält Mitarbeiterin Mirjam Walker fest. Denn das Tierdörfli will sicherstellen, dass jedes Tier ein schönes Heim findet. Die neuen Besitzer müssen dafür einige Ansprüche erfüllen: Sie sollen von Anfang an ausreichend Wissen über den neuen Mitbewohner haben, das Tier artgerecht halten können und sich auch darüber bewusst sein, dass es viel Aufwand, Zeit und Geld kostet. Deshalb finden vor einer Adoption mehrere Gespräche statt, während denen das Tierheim dem Interessenten verschiedene Tiere vorstellt, die zu ihm passen könnten.

Künftige Hundebesitzer müssen zudem mehrere Male mit dem Vierbeiner spazieren gehen, bevor der Hund während einer Probewoche ins zukünftige Zuhause wechseln kann. Schlussendlich muss die Tieradoption für Mensch und Tier gleichermassen stimmen und beide müssen sich in der neuen Situation wohlfühlen. Denn erst wenn alle Bedingungen erfüllt sind, wird das Tier dem neuen Besitzer übergeben.

Dank der vorherigen Abklärung und dem langsamen Aneinandergewöhnen von Mensch und Tier kommt es kaum zu Überraschungen, wenn die Vermittlung abgeschlossen sei. «Deshalb kommen bei uns vermittelte Tiere nur selten zurück», erklärt Leiterin Susanne Klein.

Neuzugänge werden untersucht

Auch bei Neuzugängen gewährleistet das Tierheim, dass die Situation für alle Beteiligten stimmt. Deshalb sind Impfungen und Kastrationen für alle Gäste des Tierheims zwingend, ob Feriengast oder Daueraufenthalter. «Notfälle werden von unserem Aussendienst immer zuerst zum Tierarzt gebracht, bevor sie zu uns kommen», merkt Klein dazu an.

Seit Frühlingsbeginn sind dies häufig kleine Kätzchen oder ganze Katzenfamilien, die herumstreunen. Nach eingehenden Meldungen werden die Katzenmama und ihr Nachwuchs eingefangen, gründlich vom Tierarzt untersucht und dann häufig in externen ehrenamtlichen Pflegestellen aufgepäppelt. Mit einem Bestand von 225 Tieren bilden Katzen die Mehrheit der zum jetzigen Zeitpunkt rund 450 betreuten Vierbeiner.

Weitere 55 Schützlinge sind Hunde, die ein wenig aufwendigere Pflege und viel Auslauf benötigen. Eine davon ist die Golden-Retriever-Hündin Dinadonna. Die knapp 10 Jahre alte Dame wies beim Eintrittscheck im November letzen Jahres Knoten im Bereich der Säugeleiste vor. Die bösartigen Tumore wurden chirurgisch entfernt und die Hundedame hat sich mittlerweile gut erholt. Weil der Mammatumor aber wieder zurückkommen kann, hofft das Tierdörfli, vor allem Paten zu finden, welche die Seniorin finanzieren können.

Durch Spenden finanziert

Regelmässig erschüttern Tierschicksale, wie das von Dinadonna, die Mitarbeiter des Tierheims. Ob ausgesetzte Katzen, kranke Hunde oder unerwünschter Nachwuchs: Viele der Schützlinge haben eine schwere Vergangenheit, die Geduld und Hingabe erfordert, um vergessen werden zu können. Denn bis ein Tier wieder Vertrauen in seinen Besitzer fassen kann, braucht es viel Zeit und Liebe.

Deshalb sind die Pfleger stets bedacht, behutsam mit den teilweise verstörten Tieren umzugehen und sie wieder an Menschen zu gewöhnen. Dazu stehen auch drei Weideflächen zur Verfügung, auf welchen die Nutztiere grasen und sich austoben können und Hundetrainings durchgeführt werden.

«Das Schönste für uns ist, einem Tier ein glückliches Heim schenken zu können», verrät Klein. Da das Tierheim aber bis zu der Vermittlung sämtliche Kosten für tierärztliche Behandlungen, Futter und Pflege selber tragen muss, werden dringend Spenden benötigt. «Wenn wir das alles nicht mehr machen können, macht es niemand mehr», befürchtet Klein traurig. «Schliesslich verdient jedes Tier ein glückliches Zuhause,» ergänzt sie ihre Befürchtung.