Olten
Ferienpass auf den Spuren des Grunzens im Wald

Die Teilnehmer des Oltner Ferienpasses suchten Spuren wilder Waldbewohner auf.

Lucien Rahm
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Kursleiterin Denise Steinmann erläutert den 15 Kindern nach dem Besuch eines Dachsbaus das Scharniergelenk dieses Tieres.

Kursleiterin Denise Steinmann erläutert den 15 Kindern nach dem Besuch eines Dachsbaus das Scharniergelenk dieses Tieres.

rahm lucien

Ein merkwürdiges Geräusch komme aus den Büschen, informieren die Kursleiter die 15 Kinder. Die Sieben- bis Zehnjährigen haben im Waldunterstand gerade ihr aus Grill-Cervelat und Brot bestehendes Mittagessen eingenommen, als sie ihre nun geweckte Neugierde zwingt, aufzuspringen, um sich zu besagten Büschen zu begeben. Zunächst enttäuschend still, sind sie plötzlich tatsächlich zu hören: Grunzgeräusche, der noch unsichtbare Verursacher etwa zwanzig Meter entfernt.

Nicht jedes der Kinder – Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kurses «Wildtiere im Bornwald» des Ferienpasses der Region Olten – traut sich ohne Weiteres näher an die Geräuschquelle heran. Mut machende Worte von Peter Flückiger, Leiter des Naturmuseums Olten und einer der drei Kursleiter, bringen aber letztlich alle dazu, sich den vermeintlichen Erzeuger des Gegrunzes aus der Nähe anzuschauen: ein echtes Wildschwein – wenn auch ein ausgestopftes.

Mit offenen Augen durch Wald

Gewisse Kinder sind sich der nicht vorhandenen Lebendigkeit des braunhaarigen Tieres jedoch erst gewiss, als sie es selber berühren oder gar treten. Die Grunzlaute, wie sich nun herausstellt, erzeugt Kursleiterin und Jägerin Denise Steinmann mit einem rund 20 Zentimeter langen Plastikblasrohr, welches nun auch die Kinder ausprobieren wollen.

Vor der Begegnung mit der steifen Sau beschäftigten sich die 15 Buben und Mädchen aber auch mit lebendigen Tieren, oder zumindest deren Spuren. Diese lassen sich nämlich zahlreich finden, wenn man «mit offenen Augen» durch den Wald geht, wie Kursleiterin Judith Wunderlin den Kindern sagt.

Wildtierschäden an Jungpflanzen

Schon am Rand des Bornwaldes, den die Kinder an diesem Donnerstagmorgen besuchen, lässt sich das Wirken wilder Waldtiere entdecken. Sogenannte Fegespuren von Rehböcken sind an einigen Jungpflanzen zu finden. «Daran fegen die Böcke die Basthaut ihrer Geweihe ab», sagt Steinmann. Die absterbende Haut an den Geweihen wird also an den Sträuchern abgeschabt, wobei an Letzteren sichtbare Schäden entstehen können.

Noch augenscheinlichere Spuren bietet der Dachsbau abseits des regulären Waldweges, der an gut sichtbaren Erhöhungen und Löchern im Boden zu erkennen ist. Ebenfalls gut ersichtlich sind die Gehwege, die von den Wildtieren regelmässig genutzt werden – sogenannte Wildwechsel. Um diese zu Gesicht zu bekommen, müssen sich Kinder und Leiter allerdings zunächst etwas durchs Dickicht kämpfen. «Müssen wir hier unbedingt runter?», möchte ein Mädchen wissen. «Ja, sonst verpassen wir ja den besten Teil», begründet Wunderlin den Offroad-Gang.

Von den andern Kindern zögern die wenigsten, sich in die Büsche zu begeben. Unter anderem deswegen habe er sich für den Kurs entschieden, sagt der zehnjährige Tarec aus Trimbach: «Ich bin gerne draussen im Wald.» Zudem lerne er hier neue Freunde kennen und auch sonst lerne man viel.

Abwechslung für erholte Kinder

Der siebenjährige Laurin aus Winznau ist hier, weil er generell gerne Tiere hat. Für den zehnjährigen Sylvain aus Olten stellt das Grillieren das Highlight dar. Julian, zehn Jahre alt und aus Boningen, findet ebenfalls Gefallen an den Aktivitäten, auch wenn er es teilweise leicht anstrengend finde.

Doch es sei eine gute Abwechslung für die Kinder, nach drei Wochen Sommerferien wieder ein paar lehrreiche Aktivitäten erleben zu können, sagt seine Mutter, Karin Studer, die ihn am Kursende im Naturmuseum abholt. «Nach drei Wochen sind die Kinder eigentlich bereits erholt.» Daher sei der Zeitpunkt der Kurse, dessen vielseitige Angebote alle ihrer drei Kinder sehr schätzen würden, auch ideal.

Auch Tarec schätzt das Angebot ganz offensichtlich. Er habe schon letztes Jahr am Wildtier-Kurs teilgenommen und werde dies auch nächstes Jahr wieder tun. Zunächst freue er sich nun aber noch auf zwei weitere Ferienpass-Angebote.