Zum Jahresbeginn sind sie an diversen Neujahrsapéros wieder als Glücksbringer unterwegs: die Kaminfegermeister Roman und Rudolf Bachmann aus Olten. Der traditionelle schwarze Zylinder auf dem Kopf darf dann nicht fehlen, auch wenn er bei der Arbeit eher hinderlich wäre. Und natürlich gehören auch Rollrute und Besen zum Look dazu.

Früher gabs Kaffee und Schnäpsli

Als Rudolf Bachmann als Kaminfeger anfing, war der Beruf noch ein ganz anderer. Gerade kamen die ersten Geschäftsfahrzeuge auf und die Kaminfeger fuhren nicht mehr mit dem Velo zu ihren Kunden. Der Kontakt zu ihnen und damit das gemeinsame Kaffee- und Schnäpslitrinken waren noch ausgeprägt, da die Leute grösstenteils in der Stube feuerten.
Und dann sei mit der Ölkrise die grosse technische Entwicklung gekommen, erinnert sich der 63-Jährige. Die Zentralheizung, die sich nun im Keller befand, wurde zunehmend per Computer gesteuert und der Kaminfeger war nun plötzlich mehr Techniker als Handwerker.

Rudolf Bachmann hat noch zwei Jahre bis zur Pension, aber dass er den Kontakt zu seinen Kunden vermissen wird, weiss er schon jetzt. Rund 4000 sind es, die er im Schnitt alle ein bis zwei Jahre besucht, in Olten, Starrkirch-Wil, Dulliken, Däniken, Gretzenbach und Walterswil, und mit den langjährigen hält er jeweils schon noch ein Schwätzchen. Auf das neue Jahr hat er den Betrieb nun an seinen Sohn Roman übergeben.

Der 63-Jährige Rudolf Bachmann übergibt seinen Kaminfegerbetrieb an Sohn Roman.

Der 63-Jährige Rudolf Bachmann übergibt seinen Kaminfegerbetrieb an Sohn Roman.

Künftig weniger Arbeit?

Der 33-jährige Kaminfegermeister, der nach der Lehre im Jahr 2004 im Familienbetrieb einstieg, führt das 1923 von seinem Urgrossvater Ernst Bachmann gegründete Geschäft nun in vierter Generation. Den Kundenstamm und die beiden Mitarbeiter hat er von seinem Vater ebenfalls übernommen. «Sehr abwechslungsreich» nennt er den Beruf, sehen sie doch täglich in die Haushalte der unterschiedlichsten Leute. Vom Luxushaus bis zur Messie-Wohnung sei da alles dabei, sagt er.

Natürlich sei der Beruf immer noch körperlich anstrengend und staubig werde man nach wie vor, aber heute müsse man eben auch Chemie und Mathe büffeln in der dreijährigen Ausbildung, sagt Roman Bachmann. Das technische Verständnis werde immer wichtiger. «Wenn ich einmal pensioniert werde, wird der Beruf auch nicht mehr derselbe sein, der er heute ist», ist er überzeugt. Schon in den vergangenen zwanzig Jahren habe ein enormer Wandel stattgefunden. Seine Prognose für die Zukunft: Mit fortschreitender Technik und durch den vermehrten Einsatz erneuerbarer Energien werde wohl auch das Arbeitsvolumen rückläufig.

Bis auf weiteres, glaubt er, blieben die Aufträge jedoch konstant. Jetzt im Winter gibt es ohnehin viel zu tun. Spezialaufträge, wenn die Heizung nicht tut, wie sie sollte. Mit dem Systemwechsel im Kaminfegerwesen, der ab diesem Jahr gültig ist, ist ausserdem das Kaminfeger-Monopol abgeschafft worden. Damit sind die Kaminfeger nicht mehr für ein ihnen zugeteiltes Gebiet verantwortlich, die Kunden sind neu für die Kontrolle und Reinigung ihrer Feuerungsanlage selbst verantwortlich und müsswen sich ihren Kaminfeger selbst aussuchen. Für seinen Betrieb ergibt sich erstmals die Möglichkeit, zu wachsen. Auch möchte Bachmann seinen bisherigen Kunden die neue Verantwortung abnehmen und erinnert auch weiterhin an das nächste Prüfen und Warten der Heizungen.