Die Gäste am Seniorenball befolgten brav das diesjährige Fasnachtsmotto «Lueg Vöre»; etwa hundert Häupter waren am Montagnachmittag im Gemeindesaal in Richtung Bühne ausgerichtet. Ab und zu durchbrach ein auffälliger Hut oder eine farbenprächtige Perücke das graue Köpfemeer. Auch vom gelegentlichen Pfeifen in den Lautsprechern liessen sich die Zuschauer nicht beirren – möglicherweise die beste Audienz für tontechnische Probleme.

Die Fasnacht in Fulenbach – Entschuldigung, Balenfuch – organisiert die Zagge-Zunft. Am Seniorennachmittag wird eine verkürzte Form des Hilariballs gezeigt, wie Zunftrat Ruedi Wyss erklärt: «Wir singen und tanzen und machen Sketches.» Hoher Besuch in der Form des aktuellen und von ehemaligen Obernarren steht auch auf dem Programm.

Bethli I. an der Macht

Die Senioren sitzen zufrieden an den Bänken, Frauen mit langen violetten Haaren servieren Rotwein und Bier. «Der Eintritt an den Seniorenball kostet nichts, das Znacht ist ebenfalls gratis», sagt Wyss. Dann muss er auf die Bühne, den Tisch für den nächsten Sketch zurechtrücken.

Zunftrat Vincenzo Gagliano erheitert die Menge mit Witzen, die an dieser Stelle nicht verbreitet werden können, da sie gegen die persönlichen Political-Correctness-Vorschriften der Autorin verstossen. Obernärrin Bethli I. erklimmt in den Fulenbacher Farben schillernd die Bühne; als hätte sie nie etwas anderes gemacht, als zu regieren. Sie eröffnet nach ihrer Proklamation mit einem Tänzchen «mit dem Schatz, statt mit dem Ammann», symbolisch nochmals die Fasnacht.

Die Stimme gibt bald auf

Vier Stunden dauert der Seniorenball. Die neuen Zunfträte müssen sich dem Publikum vorstellen. Nach den amüsanten Vorträgen der beiden Neulinge gibt es in deren Privatleben keine Geheimnisse mehr. Sofern den Fulenbacher diese Details nicht sowieso schon bekannt waren. Denn der Zusammenhalt und das Lokalkolorit sind der Klebstoff dieser Veranstaltung. Dorfnamen, Insiderwitze und abfällige Bemerkungen über Nachbargemeinden machen den Seniorenball zum Erfolg.

Nicht nur das Programm ist im Gegensatz zum Hilariball etwas verkürzt worden, auch die Zünfter sind schon ein bisschen angeschlagen. Im Chor singen sie mehrstimmige Klassiker auf Englisch und Schweizer Volkslieder. Ergreift der Einzelne das Wort, ist das Krächzen unüberhörbar. Wie hält man möglichst lange durch? «Schüssler Salze», sagt Ruedi Wyss. Vincenzo Gagliano versucht es mit Tee. Für die Zagge-Zunft ist dieser Nachmittag zusätzlicher Aufwand. Doch sie täten es gern und man glaubt es ihnen. Jeder Fulenbacher im Pensionsalter erhält eine Einladung. «Wir machen es fürs Dorf, damit die Leute einen schönen Nachmittag haben können», sagt Wyss.