Amtsgericht Olten-Gösgen
Falscher Arzt und Pilot zu 22 Monaten bedingt verurteilt

Das Amtsgericht Olten Gösgen nimmt einen Hochstapler an die Kandarre und das Kantonsspital verstärkt seine Qualitätskontrollen.

Urs Huber
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Vor knapp neun Jahren hat das KSO einen Mann ohne Qualifikation als Assistenzarzt eingestellt; nun wurde dieser wegen Betrugs verurteilt.

Vor knapp neun Jahren hat das KSO einen Mann ohne Qualifikation als Assistenzarzt eingestellt; nun wurde dieser wegen Betrugs verurteilt.

Bruno Kissling

Das Amtsgericht Olten-Gösgen hat am vergangenen Dienstag einen 40-jährigen Mann zu einer bedingten Strafe von 22 Monaten verurteilt. Der Mann hatte 2006 mit gefälschten Unterlagen, unter anderem einem russischen Arztdiplom, eine Stelle im Kantonsspital Olten «erschlichen» und war dann als Assistenzarzt in der Chirurgie tätig. Allerdings sei dessen mangelndes Fachwissen rasch aufgefallen, sodass er noch während der Probezeit, präzise nach vier Wochen, freigestellt worden sei, sagt Eric Send, Pressesprecher der Solothurner Spitäler AG (soH), zum Fall. Beruhigend: Der Mann war nie in Eingriffe am Patienten beteiligt.

«Wir merken es!»

Unter welchen Umständen genau der Arztschwindel aufflog, ist nicht mehr eindeutig auszumachen. «Aber ich kann versichern: Wir merken es, wenn eine Person nicht die hinreichende Ausbildungen und damit Qualitätsstandards mitbringt», so Send. Der Mann habe mit Sicherheit über eine medizinische Grundahnung verfügt; aber das reiche bei Weitem nicht. «Kommt ein Assistenzarzt nach seinem 12-semestrigen Studium in die tägliche Praxis, dann kann man davon ausgehen, dass er ein, zwei Wochen braucht, bis sich Automatismen einzuspielen beginnen. Bei der fraglichen Person aber war das nicht der Fall.» Als die Gaunerei aufflog, habe die soH Anzeige erstattet.

Angestellt wurde der Mann, der sich vor dem Richter reuig zeigte und Besserung in Aussicht stellte, durch den Personaldienst der soH. «Der Mann war mit einem russischen Diplom ausgestattet, welches sich nachträglich als gefälscht erwies», so Send. Selbst die Uni Bern, bei welcher sich der Personaldienst kundig machte, ob mit dem fraglichen Diplom in Bern dissertiert werden könne, fiel auf die Fälschung rein, wie der Mediensprecher ausführt .

Qualitätskontrollen verbessert

In der Zwischenzeit hat die soH ihre Qualitätskontrollen verstärkt. Bewerben sich Personen aus dem EU-Raum für eine entsprechende Stelle, so wird entweder eine Diplomanerkennung der schweizerischen Medizinalberufekommission (Mebeko) oder eine EU-Konformitätsbescheinigung der entsprechenden Stelle im Ausland verlangt. Medizinalberufe-Diplome in der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin sowie Pharmazie, die ausserhalb der EU/Efta erworben wurden, können hierzulande in der Regel nicht anerkannt werden. Die Medizinalberufekommission, Ressort Ausbildung, entscheidet darüber, unter welchen Voraussetzungen der Erwerb des eidgenössischen Diploms möglich ist.

Soll trotzdem jemand mit einem Diplom ausserhalb des EU-Raums angestellt werden, folgt ein Antrag an den ärztlichen Direktor soH, der die Gesuchsunterlagen noch einmal prüft und letztlich die Bewilligung zur Anstellung einer Person erteilt.

Dass der verurteilte Mann nach seiner (kurzen) Arztkarriere auch noch als Pilot ohne gültige Diplome bei Sky Work tätig war, setzt dem Fall die Krone auf. Die Hauptmänner von Köpenick sind überall. (hub)

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