Viele Besuchende der Stadtkirche können aufatmen. Vorbei die Klagen über unbequeme Bänke, die während eines Konzertbesuchs den Rücken zu zwicken beginnen, das Steissbein einschlafen lassen oder zum Krampf im Oberschenkel führen. Seit gut 200 Jahren. Denn seit 1813 steht sie da, die Stadtkirche Olten, eigentliche Heimat der christkatholischen Bewegung in der Schweiz und Heimat für die Christkatholiken der Region Olten.

Ab heute Montag wird sie eingerüstet, das umfassende Facelifting für rund 6,5 Mio. Franken startet. Mit dazu gehört auch die ergonomische Optimierung der Kirchenbänke. «Für einen grösseren Komfort», so Peter Schibli (77), Präsident der verantwortlichen Bau- und Planungskommission.

Der Leitgedanke zur Renovation komme nicht von ungefähr: ‹besinnen und begegnen›. Mit der Renovation ziehen Pfarreisekretariat und das Büro des Pfarrers in die Kirchenräumlichkeiten. Dafür wird die Werktagskapelle umgenutzt. Im gemeindeeigenen Haus an der Kirchgasse 15 wird so Raum frei. Die obere Etage dort soll vermietet werden, wie Schibli sagt. Die Kirchgasse mit ihrer Zentrumsfunktion hat die Idee der Christkatholiken, das Gotteshaus vermehrt offen zu halten, also befeuert.

Ein spirituelles Zentrum soll sie werden, wie Pfarrer Kai Fehringer meint. «Vor wenigen Jahren mussten fast gar noch die Türklinken abmontiert werden, um Einbrüchen vorzubeugen», so Schibli, Christkatholik und vor vielen Jahrzehnten, als die Türklinken der Kirche noch nicht abmontiert zu werden brauchten, selbst Ministrant der Stadtkirche. Eine Reminiszenz aus diesen Tagen darf in diesem Zusammenhang nicht fehlen: «Man hat damals immer auf die Uhr gesehen, ob der Landhockey- oder Handballmatch in der Schützi schon begonnen hat.» Schibli lacht.

Von aussen nach innen

Doch zurück zur Renovation, deren Auftakt heute Montag startet. Die Aussenrenovation bildet die Ouvertüre, die ein knappes Drittel des Budgets verschlingt. Reinigung der kompletten Fassade, Aufbringen eines mineralischen Anstrichs, Reparatur der Kirchenfenster, statische Überprüfung der Holzkonstruktion im Dachstuhl, komplette Erneuerung der Ziegellattung, Eindeckung mit Biberschwanzziegeln. «Die Aufträge für Eingerüstung, Aussenhülle und Dacharbeiten sind vergeben», erzählt Schibli.

Viele der anstehenden Arbeiten gehen an auswärtige Betriebe, was der Architekt im Ruhestand bedauert. Aber die Diskrepanzen in der Submission seien enorm, rechtfertigt er die wenig populären Entscheide. Und 6,5 Mio. Franken sind schliesslich eine ziemliche Summe. «Es gab schon die Idee, das Vorhaben in mehreren Etappen umzusetzen. Aber letztlich siegte der Gedanke, dass alles in einem Zug umgesetzt werden soll, weil wirklich alles dringend sanierungsbedürftig ist», so der Bau- und Planungspräsident.

Bilder, Orgel, Sitzbankheizung

Im Frühling kommenden Jahres dann folgt der Startschuss zur knapp viereinhalb Millionen schweren Renovation des Innenraums. «Noch in diesen Monaten muss ein Teil der Arbeiten ausgeschrieben werden», berichtet Schibli. Denn für gewisse Bereiche, gerade für Auffrischung, Befestigung, Reparatur von Gewölbe oder Decken- und Leinwandbildern sind gar nicht so viele Anbieter auf dem Markt, um Arbeiten innert Kürze zu vergeben. Diesbezüglich weniger ein Problem dürfte die Sanierung der gesamten Heizanlage sein. Die bestehende elektrische Sitzbankheizung wird erweitert, die Heizung mit einer neuen Steuerung nachgerüstet. «Auch wenn die Elektroheizung einen etwas weniger guten Ruf besitzt: «Mit der neuen Steuerung lässt sich diese durchaus im ökologischen Sinne betreiben», so Schibli überzeugt. Erneuert wird im Übrigen auch die gesamte Elektroinstallation des Gebäudes.

Neugestaltung des Kirchenraums

Schliesslich folgt auch eine Neugestaltung des Kirchenraums; dazu gehört die Einrichtung eines Gemeinschaftsgrabes, die Neupositionierung des Taufsteins, die Wandlung der Mauernischen nach Entwürfen von Adelheid Hanselmann. Mobile Wände machen die Emporen zu Ausstellungsräumen, die liturgische Möblierung erfährt eine Neugestaltung, können Schiff, Seitengänge, Emporen und Chor für die unterschiedlichsten Veranstaltungen wie Ausstellungen, Konzerte oder Feiern optimal ausgeleuchtet werden. «Besinnen und begegnen» werden unter diesen Voraussetzungen wahrer.

Fundraising der andern Art

Bekanntlich haben die Christkatholiken Gery Meier als Fundraiser engagiert. «Uns ist wichtig festzuhalten, dass Meier bewusst nicht auf Provisionsbasis arbeitet, sondern nach Aufwand entschädigt wird», sagt Schibli. 3,5 Mio. Franken sollen so generiert werden. Diese Summe hat die Kirchgemeinde festgelegt. Den Rest stemmt die Gemeinde aus eigener Kraft. Fundraising sei ein Gemeinschaftswerk und lebe vor allem von Beziehungen, weiss Meier. Und was heisst das? «Dies heisst für mich: Menschen und Organisationen für eine gute Sache zu gewinnen und dafür Verantwortung zu übernehmen», lässt sich Meier zitieren.

Mitte 2018 ist die Renovation der Stadtkirche abgeschlossen. Dann wird feststehen, ob die über drei Jahre anhaltenden Fundraising-Aktivitäten die anvisierte Summe erreicht oder womöglich gar übertroffen hat.