Gewerbe Olten

Fabian Aebi: «Gewerbler suchen gerne die Fehler bei den anderen»

Im Mai tritt Fabian Aebi bei Gewerbe Olten in den Hintergrund, hier in einem Besprechungszimmer der Mobiliar Versicherungen in Olten.

Im Mai tritt Fabian Aebi bei Gewerbe Olten in den Hintergrund, hier in einem Besprechungszimmer der Mobiliar Versicherungen in Olten.

Fabian Aebi hat die Mitglieder des Vereins Gewerbe Olten immer wieder aufs Neue wachzurütteln versucht. Nun blickt der abtretende Präsident auf den Tiefpunkt seiner elfjährigen Amtszeit zurück und sagt, wieso es oft so schwierig war, die Gewerbler auf eine Linie zu trimmen, etwa bei den Ladenöffnungszeiten.

Bei Ihrem Amtsantritt 2005 sagten Sie im Interview, blosses Jammern bringe die Gewerbler nicht weiter, und forderten mehr Eigeninitiative und Innovation. Gibts immer noch Jammeris?

Fabian Aebi: Es gibt immer noch Jammeris, aber das Jammern ist mittlerweile anders. Damals war die Stadtverwaltung an allem schuld.

Und heute?

Die Gewerbler suchen gerne die Fehler bei den anderen als bei sich selbst. Das ist das eine. Andererseits sind die Herausforderungen im Detailhandel heute riesig mit dem veränderten Einkaufsverhalten der Kunden, die lieber online einkaufen als im Laden.

Gibts ein Rezept gegen das grassierende Online-Shopping?

Die Detaillisten müssen wahrscheinlich off- und online präsent sein, das heisst, einen Laden und zugleich eine Website betreiben. Und vielleicht sollten wir künftig Geld verlangen, wenn wir eine Beratung anbieten und Kunden Sachen probieren lassen. Oder wir sagen ihm, bevor er es selbst im Internet kauft, dass wir ein Produkt organisieren können. Aber einfache Rezepte gibt es nicht.

Sie sagten damals, dem Gewerbe gehe es nicht sehr gut. Wie sieht es heute aus?

Es wäre falsch zu sagen, dem Gewerbe gehe es heute besser. Es ist im Gegenteil härter geworden. Das zeigen auch die leeren Schaufenster, die es in der Stadt gibt.

Dass Läden leer stehen, liege aber nicht nur an den fehlenden Kunden, sondern auch an den hohen Mieten, hört man in der Stadt. Letztes Beispiel: Ein Optiker sollte in der Froburgstrasse neu 10 000 statt 5000 Franken Miete zahlen.

Das «Mieter-Eigentümer-Thema» steht seit geraumer Zeit im Vordergrund. Oft sind die Vermieter über die örtlichen Gegebenheiten gar nicht im Bild und werden durch Verwalter vertreten. Stehen reine Renditeüberlegungen im Mittelpunkt, wird es in Olten eher schwierig, mögliche Leerflächen zu besetzen.

Ein Hoffnungsschimmer für den Detailhandel könnte der neue Sälipark sein.

Der Sälipark ist heute schon eine Erfolgsgeschichte. Wenn dieser nun weiter ausgebaut wird, ist das hervorragend. Erfreulich wäre es aber, wenn die Kunden nach dem Einkauf im Sälipark auch auf die andere Aareseite kommen würden. Das Problem ist dabei noch immer die Trennung der Stadt mit Aare, Bahn und Strasse.

Womit wir wieder beim Thema Winkelunterführung wären.

Dazu will ich eigentlich nichts mehr sagen. Es ist so, wies ist. Wir hatten vor Jahren mal in der Adventszeit mit einer gemieteten Strassenbahn, welche die Kunden zwischen den beiden Aareseiten hin und her fuhr, gute Erfahrungen gemacht.

Was müsste geschehen, um die beiden Stadthälften einander näher zu bringen?

Mit dem neuen Sälipark wäre es toll, wenn die in Olten ansässige Gondelbaufirma CWA Innenstadt und Einkaufszentrum mit einer Seilbahn verbinden könnte. Eine Testbahn, bei der verschiedene Gondeln der CWA ausprobiert würden, wäre vorstellbar. Immer wenn ich nämlich in einer Gondelbahn sitze und den Schriftzug sehe, kommen bei mir Heimatgefühle auf und ich bin stolz, dass die Firma aus Olten kommt. Ich denke, die Diskussionen um die Winkelunterführung sind abgeschlossen. Entweder gibt es eine futuristische Überführung oder man probiert mal was Neues aus wie eine Gondelbahn.

Besteht nicht die Gefahr, dass der neue Sälipark der Innenstadt weitere Kunden wegnimmt?

Die Gefahr besteht und wird mit dem neuen Sälipark noch verschärft. Auf der linken Aareseite haben wir aber mit unseren kleineren Läden, dem Coop City und vor allem mit den Gastro-Betrieben auch einiges zu bieten. Unser Ziel muss es sein, dass die Leute ihren Wocheneinkauf im Sälipark machen und dann in die Innenstadt kommen, um zu geniessen und zu flanieren.

Würde ein neues Parkhaus in der Innenstadt helfen, dieses Ziel zu erreichen?

(Überlegt lange und lacht dann) Da sprechen Sie den Tiefpunkt meiner Gewerbe-Olten-Karriere an: Da hat das Oltner Volk einen Fehler gemacht, zum Parkhaus beim Munzingerplatz hätten wir im Juni 2010 Ja sagen sollen. Heute haben wir in der Innenstadt zu wenig Parkplätze.

Das sehen einige anders: Wir haben nicht zu wenige davon, sondern die Autofahrer finden die Parkplätze nicht, weil ein Parkleitsystem fehlt.

In den privaten Parkhäusern wie Hübeli gibt es nicht genügend. Es bräuchte ein Parkhaus und ein Parkleitsystem.

Eines Ihrer Ziele waren einheitliche Öffnungszeiten der Läden. Das haben Sie nicht geschafft. Woran haperts?

Das ist eine etwas schwierige Geschichte. Jeder Gewerbler entscheidet schliesslich selbst, wie lange er seinen Laden geöffnet haben will. Ziel wären aber nach wie vor klare Blockzeiten, während denen alle Läden für die Kunden offen sind. Dass nun aber mit dem neuen Gesetz am Samstag alle Geschäfte bis 18 Uhr aufmachen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Ich kann das den Ladeninhabern ja nicht befehlen.

Der Abendverkauf bis 21 Uhr ist ebenfalls ein Sorgenkind: Manche haben nur bis 20 Uhr offen, andere schliessen schon um 18.30 Uhr. Macht das überhaupt noch Sinn?

Nein, grundsätzlich nicht. Im Vorstand diskutierten wir einen Abendverkauf nur noch bis 20 Uhr, dafür am Donnerstag und Freitag. Das wäre in meinen Augen eine vernünftige Lösung.

Auch die Sonntagsverkäufe im Frühling und Herbst laufen unterschiedlich. Bringen die zwei verkaufsoffenen Sonntage ausserhalb der Adventszeit überhaupt etwas?

Das diskutieren wir jedes Jahr immer wieder neu. Solange einige Detaillisten mitmachen und wir zugleich etwa mit einem Koffermarkt etwas Zusätzliches bieten, ist das sinnvoll. Wenn mir aber ein Gewerbler sagt, der Sonntag bringe ihm nichts, respektiere ich das. Aus meiner Sicht würden die beiden verkaufsoffenen Sonntage im Advent reichen.

Tempo 20, der Bus durch die Innenstadt oder die höheren Parkgebühren sorgten bei den Gewerblern für rote Köpfe: Wie zufrieden sind Sie mit der verkehrsfreien Innenstadt?

Ich bin sehr zufrieden, und es ist ein Genuss, durch die Innenstadt zu flanieren. Das Einzige, was stört, sind die gefährlichen Verkehrsrowdies in der 20er-Zone. Hier müsste die Polizei mehr Radarkontrollen machen.

Mitglieder im Gewerbeverein sind Banken, Handwerker und Läden: Sind diese Branchen nicht zu unterschiedlich, um im Gewerbeverein als gemeinsame Stimme zu sprechen?

Doch, das war immer schon ein Problem. Wir versuchen dies auszugleichen, indem Handwerker, Detaillist oder Gastronom im Vorstand vertreten sind und jeder sein Anliegen einbringen kann. Derzeit muss aber das vorrangige Ziel sein, möglichst viele Kunden nach Olten zu holen. Das nützt den Detaillisten und Gastronomen, aber dann natürlich auch den Handwerkern, die danach von ersteren Aufträge erhalten.

Als Präsident arbeiten Sie ehrenamtlich. Dem Verein professionellere Strukturen zu geben, ist kein Thema?

Das haben wir letztmals diskutiert, als wir die 30-prozentige Sekretariatsstelle besetzten. Aber für einen (teil)professionellen Präsidenten sind wir als Verein zu klein. Was in meinen Augen zuerst angegangen werden müsste, wäre eine Konzentration der Kräfte zwischen unserem Gewerbeverein, Handels- und Industrieverein Olten und Umgebung, Wirtschaftsförderung Region Olten, Region Olten Tourismus und dem Stadtmarketing. Hier könnte eine markante Professionalisierung Sinn machen. Es gab schon lose Kontakte zwischen einzelnen Exponenten, aber entschieden ist noch nichts. Doch mit einer Fokussierung der Kräfte könnten Stadt und Region Olten nach aussen besser auftreten.

Haben Sie nie daran gedacht, selbst in die Politik einzusteigen?

Ich habe mich bewusst aus einer Parteirolle rausgehalten, während ich Präsident war. Was jetzt dann geschieht, wird sich weisen. In Olten selbst ist das ja nicht möglich, obwohl ich fast einmal in die Stadt gezügelt wäre und mich nach 16 Jahren mit Arbeitsort in der Stadt als Oltner fühle.

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