Am Mittwochmorgen um neun Uhr trafen sich die Berufsfindungsprofis aus der Umgebung im Bienkensaal zum «Networking». Der Regierungsrat und Bildungsdirektor Remo Ankli eröffnete die Veranstaltung. Es sei erklärtes Ziel des Regierungsrats, dass alle Schüler eine weiterführende schulische oder berufliche Bildung machen.

Es gebe viele Arten der Förderung für die Schüler, welche bald ins Berufsleben übertreten möchten: Die Sek-I-Reform, die Massnahmen vom Bund und nicht zuletzt die vielen engagierten Berufsfachleute, erläutert Ankli. Er brauche zwar momentan keine neue Stelle, da die nächsten Wahlen erst in dreieinhalb Jahren stattfinden. Trotzdem freue er sich auf die vielen Stände.

Warum eine Tischmesse?

Der Berufs- und Laufbahnberater und Projektleiter des Anlasses, Pius Blümli, erklärt den Sinn der Tische: «Die Fachleute bringen meist viel Anschauungsmaterial mit: Broschüren, Plakate und weiteres Werbematerial.»

Die Gäste würden dieses Treffen unter Berufskollegen sehr begrüssen, so Blümli: «Die verschiedenen Organisationen können sich hier vernetzen und die Kollegen untereinander kennenlernen. Das macht es uns einfacher, jungen Leuten bei der Berufsfindung zu helfen. Wir können die Schüler dann an die für ihre Situation passende Stelle verweisen, wenn wir selbst nicht helfen können.»

Neues «Zehntes Schuljahr»

An den Ständen der Berufsfindungsorganisationen wurden viele Möglichkeiten aufgezeigt, was ein Schüler nach den obligatorischen neun Schuljahren machen kann. Heinz Flück vom Berufsbildungszentrum (BBZ) Olten etwa zeigt an seinem Stand die neue Variante des zehnten Schuljahrs, da dieses immer mehr verschwindet: «Neu bieten wir ein Berufsvorbereitungsjahr mit zwei verschiedenen Profilen an, ‹Technik/Handwerk› und ‹Dienstleistung/Soziales›. Die Lernenden sind währenddessen drei Tage in einem Betrieb als Praktikanten und zwei Tage in der Schule.» Diese Variante richte sich vor allem an Jugendliche, welche sich vergeblich um eine Lehrstelle bemüht haben. Das werde aber ab und zu falsch interpretiert, so Flück: «Wir wollen nicht die Anzahl der Absagen sehen, sondern wie viele Berufsfelder erkundet wurden. Dass jemand nicht zugelassen wird, wird aber wohl die Ausnahme bleiben.»

Neben dem Berufsvorbereitungsjahr biete das BBZ auch ein Integrationsjahr für fremdsprachige Jugendliche an, welche erst seit Kurzem in der Schweiz leben. Heinz Flück erklärt: «Das Integrationsjahr richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, welche über geringe Deutschkenntnisse verfügen und deswegen an der normalen Berufsfindung nicht teilnehmen konnten. Wer allerdings schon länger als drei Jahre in der Schweiz zur Schule gegangen ist, wird in der Regel nicht mehr angenommen.»

«Prävention ist sehr wichtig»

Präsent an der Tischmesse sind auch Vertreter der Jugendpolizei. Dienstchef Marcel Dubach erläutert den Grund seiner Anwesenheit: «Die Lehrer können die Jugendpolizei anrufen, wenn eine Intervention nötig wird. Wir zeigen den Jugendlichen die Konsequenzen ihres Handelns auf, ohne gleich eine Strafanzeige zu machen.» Ein grosser Teil seiner Arbeit sei ohnehin Prävention, welche mit den zunehmenden Risikofaktoren immer wichtiger werde: «Früher gab es keine Handys mit Internetzugang und Kamera, heute ist damit schnell viel Schaden angerichtet. Viele wissen gar nicht, dass ein Video oder ein Foto im Internet auch in zehn Jahren noch ein grosser Stein im Weg sein kann.»

Positive Beobachtungen habe er bezüglich Jugendgewalt gemacht: «Vor einigen Jahren hatten wir sehr häufig Probleme mit gewalttätigen Jugendlichen aus Migrantenfamilien. Dieser Trend ist zum Glück massiv zurück gegangen.»

Grundlagen in einem Werk

Das «Schweizer Taschenmesser» der Berufsfindung ist der Berufswahlordner. Die Verantwortliche Susanna Gugger erklärt ihr Projekt: «In unserem Ordner sind die wichtigsten Grundlagen zur Berufsfindung zusammengefasst. Darin enthalten sind diverse Arbeitsblätter und Vorlagen.

Um einige aufzuzählen: Ein grober Lehrplan für das Fach Berufsfindung, ein Infoblatt zum Thema «Wie schreibe ich eine Bewerbung?», Checklisten um herauszufinden, wie andere einen wahrnehmen und viele weitere Informationen.» Das Projekt finde grossen Anklang und werde in der ganzen Schweiz verwendet, so Gugger: «Den Ordner gibt es im Internet, Schulen können ihn jedoch auch bestellen.»

Von Dudelsack bis Videoclips

Eher ausserhalb der Berufsfindung bewegen sich die «Aaregäuer». Die Verantwortliche Silvia Stettler erläutert: «Wir sind ein Nachhilfeportal für Jugendliche und Schüler von der dritten Klasse bis zur Berufsmatura.» Die «Aaregäuer» seien aber nicht immer Lehrer: Sehr viele seien Kantischüler und Studenten, welche sich etwas dazuverdienen möchten.

Der ehrenamtliche Verein, der aus dem bekannten «Aaregäuer Spieltag» entstanden ist, biete aber noch mehr. Im Angebot seien etwa Kurse in Videoclip erstellen und bearbeiten, Modedesign, Dudelsackpfeifen und weiteren Aktivitäten.