Die Arthur Frey AG stellte den Betrieb in den 1990er-Jahren aus wirtschaftlichen Gründen ein. Nachdem in der ehemaligen Kleiderfabrik rund zwei Jahrzehnte nichts gegangen ist, erwacht das Frey-Areal in Wangen bei Olten langsam aus dem Dornröschenschlaf: In einer ersten Etappe hat die Pensionskasse Stiftung Abendrot aus Basel das ehemalige Hauptgebäude der Fabrik in ein- und zweigeschossige Lofts, Büros und Gewerberäume umgebaut. «Die Räume sind weitgehend vermietet», sagte Projektleiter Donald Stählin kürzlich anlässlich der Grundsteinlegung.

Erste Wohnungen ab Winter 2020 bezugsbereit
In einer zweiten Etappe kommt der Ausbau der ehemaligen Uniformennäherei im ersten Stock im alten Industriegebäude dazu. Beim Umbau soll der Charme des Fabrik-Interieurs erhalten bleiben. So entstehen in der Uniformennäherei und einem Annexbau insgesamt 21 Wohn- und Arbeitsateliers mit einem loftartigen Raum und einer Galerie, die über eine Treppe erreichbar ist. Ab Sommer 2020 sollen die ersten Ateliers zur Verfügung stehen. «Es ist ein Mix zwischen Wohnen und Arbeiten möglich», sagte Stählin am Anlass. Die Nachfrage dazu sei da. Nur Gewerberäume zu vermieten, sei hingegen schwieriger.

So wird das gesamte Frey-Areal dereinst aussehen: links das sanierte Industriegebäude, rechts die Mehrfamilienhäuser mit den 1½- bis 4½-Zimmer-Wohnungen. Visualisierung: zvg

So wird das gesamte Frey-Areal dereinst aussehen: links das sanierte Industriegebäude, rechts die Mehrfamilienhäuser mit den 1½- bis 4½-Zimmer-Wohnungen. Visualisierung: zvg


Dass es erst jetzt zum Umbauprojekt kommt, ist die Folge einer Planungsänderung. Ursprünglich hatte die Stiftung mit der ehemaligen Uniformennäherei eine andere Idee, diese liess sich aber nicht umsetzen. Geplant war ein Living Museum, das rund 80 psychisch beeinträchtigten Menschen eine neue Perspektive hätte bieten können. In der Tagesstätte wären die kreativen Arbeiten entstanden, welche dann im Museum ausgestellt worden wären.

Mehrere Gemeinschaftsräume sind geplant
Zudem entstehen neben dem Industriegebäude vier Mehrfamilienhäuser. Beim Neubauprojekt auf der grünen Wiese sind 44 Mietwohnungen für Familien, Paare und Singles in einer variablen Grösse von 1½- bis 4½-Zimmer geplant, die ab dem Winter 2020 bezugsbereit sind. In der Zahl gleich viele Autoparkplätze sind in der darunter liegenden Abstellhalle vorgesehen. Zudem will die Pensionskasse Abendrot mehrere Orte für die Gemeinschaft schaffen. Vorgesehen ist ein Aufenthaltsraum mit Aussensitzplatz, ein Gartenpavillon, ein Blumen- und Obstgarten, ein Spielplatz sowie eventuell einzelne Gästezimmer. Die gemeinsamen Örtlichkeiten sollen von den Bewohnern selbst verwaltet werden. So wolle man das Areal «zu einem lebendigen Ort werden lassen, wo man sich gerne trifft und austauscht», heisst es in der Werbebroschüre.

Die Stiftung Abendrot, welche das Frey-Areal 2012 von der Oltner Swiss Prime Site erworben hat, will rund 15 Millionen Franken in die Entwicklung investieren. Auf dem Industrieareal war früher die Arthur Frey AG zu Hause, die zu Spitzenzeiten 1400 Angestellte beschäftigte und schweizweit dutzende Verkaufsfilialen führte. Wegen der immer stärker werdenden Billigkonkurrenz aus dem Ausland stellte die Firma 1990 die Produktion von Kleidern ein und veräusserte 1996 die letzten Verkaufsfilialen an die Charles-Vögele-Gruppe.