Wer wünscht sich in der Stadt Olten nicht ein Hallenbad an zentraler Lage? Ein entspannendes Bad im wohltemperierten Wasser des Spa-Bereichs mit Blick in die Baumkronen des Munzingerplatzes – anschliessend noch ein kurzer Saunabesuch, um dann frisch geduscht auf die Kirchgasse zu treten. Was für die einen pure Provokation scheint anderen legitime städtebauliche Fantasie zu sein. Das Thema der 16. stadtgespräche olten nimmt sich der Frage um die künftige Nutzung städtischer Kirchenbauten an. Ob die Antworten der Podiumsteilnehmer so provokativ wie die Botschaft auf der Einladungskarte ausfallen werden, wird am 28. August beim öffentlichen Anlass auf der Kirchgasse zu hören sein.

In heutiger Zeit werfen Kirchenbauten an zentraler innerstädtischer Lage vermehrt Fragen zu ihrer Nutzungsintensität auf; und dies europaweit. Die Christkatholische Stadtkirche als fester Bestandteil und gewichtiger Angelpunkt im Oltner Stadtbild liegt ebenfalls an bester Lage. Ihre Nutzung als reiner Versammlungsraum von Glaubensgemeinschaften ist tendenziell rückläufig. Diesem Umstand können sich auch die Stadt Olten und die Eigentümerin der Stadtkirche, die Christkatholische Kirchgemeinde Olten nicht entziehen. Nicht zuletzt auch darum, weil sich durch die Neugestaltung und Umdeutung des Stadtraums um die Kirche deren städtebauliche Stellung akzentuiert hat. Nicht nur die Etablierung der Kirchgasse als Fussgängerzone; auch die anstehenden umfassenden und millionenteuren Sanierungsarbeiten an der Kirche – möglicherweise mit öffentlicher Beteiligung – verlangen nach einer breiten Betrachtung.

Fragen stellen sich

Selbstredend werden im Zusammenhang von Nutzungsergänzungen oder gar Umnutzungen kirchlicher Bauten Fragen zu beantworten sein: Einerseits jene nach der Pietät und andererseits solche hinsichtlich denkmalpflegerischer Aspekte. Inwieweit ist eine geweihte Kirche in der Lage, Nutzungsergänzungen aufzunehmen und bis zu welchem Grad sind profane Ergänzungen in Kombination mit dem ursprünglich kirchlichen Zweckgedanken verträglich? Die Steigerung der Nutzungsintensität muss nicht zwingend mit weltlichem Beiwerk einhergehen. Die Öffnung im Sinne einer überkonfessionellen Belegung mit ökumenischen Veranstaltungen kann unter Umständen den Weg ebnen zu weiteren Schritten – hin zu Anlässen sozialer und kultureller Natur. Der Kirchenraum als Ort der Stille, des Rückzugs hat ebenso seine Berechtigung im Stadtgefüge wie das lebhafte Bespielen eines zentralen Ortes.

Zentraler Diskussionspunkt

Das Mass der Öffnung dürfte demnach ein zentraler Diskussionspunkt des Anlasses sein. In seinem Einstiegsreferat wird Peter Kaiser, Leiter Historisches Museum Olten, die Bedeutung der Oltner Stadtkirche und deren Entstehungsgeschichte ins Gedächtnis rufen.

Auf dem Podium wird sich Ursula Ulrich, Rätin der Christkatholischen Nationalsynode, zur aktuellen Situation der Oltner Stadtkirche äussern können und eventuell einen Blick in die Zukunft wagen. Der ehemalige Pfarrer und Pionier der offenen Kirche Bern, Hans Ueli Egli, wird über die heutige Nutzung der Berner Stadtkirche, der Heiliggeist-Kirche am belebten Bahnhofplatz, zu berichten wissen, während Markus Landert, Direktor des in der Kartause Ittingen beheimateten Kunstmuseums Thurgau, Auskunft geben kann über die Kombination von Kirche, Kunst und Kultur an ein und demselben Ort in der Ostschweiz. Als Moderator lotet Urs Knapp, Gemeinderat Olten, die Möglichkeiten und Befindlichkeiten auf dem Podium aus und stellt nicht zuletzt Fragen aus weltlich-politischer Sicht. (mgt/otr)