Indonesien
«Es war dunkel und beängstigend» – Oltnerin erlebte die Erdbeben hautnah mit

Die gebürtige Oltnerin Dayana Contino erlebte die Erdbeben in Indonesien hautnah mit – nun hilft sie beim Wiederaufbau mit.

Tobias Müller
Drucken
Teilen
Das Erdbeben zerstörte viele Häuser auf der Insel Gili Air.
11 Bilder
Dayana Contino auf der Gili-Air Insel
Die Hilfsmittel sind in Kartonschachteln verpackt.
Manta Dive Gili Air Team mit den Hilfsgüter.
Essen welches durch Spenden gekauft wurde.
Dayana (links) bei einer Freundin in Bali beim warten ob das Schiff aus Jakarta ankommt. «Cross fingers that it works.»
Das Schiff ist angekommen und Dayana (hinterste Reihe die zweite von links) und die anderen Helfer konnten das Schiff beladen.
Eines der Camp auf Lombok.
So verbrachte Dayana und die Bewohner von Gili Air die ersten zwei Nächten nach dem Erdbeben.
Die lokale Bevölkerung hat nicht viel, ist aber mit dem zufrieden.
Auch um die Tiere werden gekümmert.

Das Erdbeben zerstörte viele Häuser auf der Insel Gili Air.

Zur Verfügung gestellt

Ende Juli und Anfang August erschütterten verschiedene Erd- und Nachbeben die drei Gili-Inseln und der Insel Lombok, sogar auf Bali waren die Beben zu spüren. Eine Stärke von bis zu 7,0 auf der Richterskala wurden gemessen. Die gebürtige Oltnerin Dayana Contino lebt seit drei Jahren auf der Insel Gili Air und macht dort die Ausbildung zur Tauchlehrerin. Sie erlebte die Beben und ihre Folgen hautnah mit.

Spenden

Spenden für die Einheimischen auf den drei Gili-Inseln und der Insel Lombok sind mit folgenden Angaben möglich mit dem Vermerk «Donation Earthquake»:

Dayana Contino, IBAN-Nummer CH41 0020 4204 8243 9140Y

«Es war alles wie gewöhnlich. Es gab keine Anzeichen», schildert Contino den Morgen vom 5. August, der Tag des grossen Bebens der Stärke 7,0 auf der Richterskala. Doch plötzlich bebte die Erde – schon wieder. «Wir hatten genau eine Woche zuvor ein Erdbeben der Stärke 6,5 auf der Richterskala. Niemand von uns hatte gedacht, dass es nochmals beben könnte.» Das Erdbeben am 5. August dauerte rund 40 Sekunden, aber Contino kam es wie eine Ewigkeit vor – eine Ewigkeit, bei der sie sich kaum noch bewegen konnte. «Es hat so stark gebebt, dass ich mich nicht mehr auf meinen Beinen halten konnte. Ich habe versucht, wegzurennen, bin aber immer wieder hingefallen. Ich hatte Angst.»

Spendensammlung gestartet

Die 31-Jährige verlor, wie viele andere auch, ihr ganzes Hab und Gut. Viele Häuser sind eingestürzt. Der Strom ist für eine Zeit lang auch ausgefallen. «Es war dunkel und einfach beängstigend.»

In der Nacht des grossen Bebens wurde sofort gehandelt: Die einen suchten in den Häusern nach Personen, andere besorgten Medikamente, Decken und warme Kleidung, und dritte kümmerten sich um die Menschen.

Die meisten Touristen haben die Inseln fluchtartig am Morgen nach dem Beben verlassen. Zwei Nächte lang mussten Dayana Contino und die Leute, die noch auf den drei Gili-Inseln ausharrten, im Freien verbringen, ehe sie nach Bali evakuiert wurden. Von dort aus bildeten sie Gruppen, welche Hilfsgüter organisiert haben und diese nach Lombok verschifften. Zurück auf den Gili-Inseln half Contino mit allen anderen Ausländern beim Wiederaufbau der Inseln. Gefährliche Wände wurden abgebrochen, Schutt weggeräumt und kaputte Sachen repariert.

Das Ziel ist es, die Inseln so schnell wie möglich wieder für Touristen zu öffnen. «Je rascher Touristen wieder die Inseln besuchen, desto schneller ist Geld vorhanden, welches für den Wiederaufbau der Häuser verwendet werden kann», erklärt Contino. Damit die Menschen nicht warten müssen, sammelt sie Spenden für den Wiederaufbau. «Wir wollen den Menschen so schnell wie möglich die Chance geben, mit dem Wiederaufbau ihrer Häuser zu beginnen, damit sie nicht mehr in den Camps im Freien leben müssen.»

«Man versucht, stark zu bleiben»

Sie kann es kaum in Worte fassen, wie es ist, wenn sie Menschen sieht, die ihre Liebsten sowie ihr Hab und Gut verloren haben. «Man versucht, stark zu bleiben, wenn man vor Ihnen steht. Aber jedes Mal, wenn ich mich umdrehe, habe ich Tränen in den Augen.» Mehrere Hundert Menschen sollen beim Beben ums Leben gekommen sein. Dayana Contino ist beeindruckt von der lokalen Bevölkerung: «Man hilft sich gegenseitig. Es ist ein unglaublicher Zusammenhalt und Teamwork vorhanden.» Der Wiederaufbau der Inseln ist jedoch durch die ständigen Nachbeben eine grosse Herausforderung.

Zudem sind Strom und fliessendes Wasser nicht überall vorhanden, was die Arbeit für Contino, ihre Kollegen und die lokale Bevölkerung nochmals erschwert. Hinzu kommt die Angst vor weiteren Beben: «Die Erde bebt noch immer, jeden Tag. Solange die Nachbeben noch so stark spürbar sind, wird sich dies auch nicht ändern.» Trotz all den Schwierigkeiten ist die Oltnerin von den Menschen auf den Inseln beeindruckt. «Sie haben einen unglaublichen Willen. Trotz der täglichen Angst, dass ein neues Beben kommt, stehen sie jeden Tag auf und machen weiter.»

Einheimische sind dankbar

Für Dayana Contino war die Lebensweise der lokalen Bevölkerung auch der Grund, weshalb sie auf der Insel Gili Air blieb. «Die Einheimischen haben nicht viel, sind aber zufrieden, glücklich und sehr dankbar für das, was sie haben.» Das einfache Leben und die Dankbarkeit der Menschen hätten ihr gezeigt, dass man nicht viel brauche, um glücklich zu sein. Zusammen mit den Einheimischen und den Ausländern möchte sie möglichst schnell wieder Touristen auf den Inseln willkommen heissen und Schritt für Schritt zur Normalität zurückzukehren.

Aktuelle Nachrichten