Beim alljährlichen Cheminéefeuergespräch des Journalistenvereins Aargau-Solothurn (Jvas) fühlte Vorstandsmitglied und Gesprächsleiter Rolf Gatschet dem Watson-Chefredaktor Hansi Voigt mit direkten, provokativen Fragen auf den Zahn. Voigts Antworten hinterliessen bei den rund 40 anwesenden Journalisten einen zwiespältigen Eindruck.

Im Januar 2014 startete der ehemalige «20 Minuten Online»-Chefredaktor Hansi Voigt als Gründer und Chefredaktor das Schweizer Online-Nachrichtenportal Watson mit einer Belegschaft von 55 Personen. Als Geldgeber traten Verleger Peter Wanner und die AZ Medien auf. Als Erstfinanzierung leisteten sie 20 Mio. Franken für vier Jahre. Beim Cheminéefeuergespräch im Oltner Rathskeller relativierte Voigt die finanzielle Dominanz der AZ Medien. «Die AZ hat 43 Prozent von Watson, der Rest gehört der BT Holding (die ebenfalls Peter Wanner gehört, Anm. Red.), und ich habe noch etwas dazubezahlt.»

Auf die entsprechende Frage von Gesprächsleiter Rolf Gatschet zeigte Voigt volles Verständnis für die Skepsis anderer Medien – vor allem der zu den AZ Medien gehörenden Printmedien – gegenüber Watson. «Es ist vollkommen nachvollziehbar, dass sie der Meinung sind: ‹Wir müssen alle sparen und die verjubeln alles Geld›. Bei Watson muss man sich aber auf einem ganz anderen Markt halten.» Peter Wanner habe sich diesen Weg lange überlegt, so Voigt. «Dass der Verleger Stellen streicht, tut mir leid. Man muss aber aufs Ganze schauen.»

Kritik am «Negativjournalismus»

Watson ist auf Mobilgeräte ausgerichtet und bietet Inhalte zum täglichen Weltgeschehen in Bereichen wie Politik, Wirtschaft und Sport, aber etwa zu gleichen Teilen Unterhaltung wie Prominentenklatsch oder Katzenvideos an. So lautete Rolf Gatschets Frage an Hansi Voigt: «Was ist Watson? News mit Katzenvideos oder Katzenvideos mit News?» Watson nutze die Katzenvideos als Quersubvention, so Voigt. Wenn nur Hochqualitätsartikel verbreitet würden, erreiche das Portal zu wenig Clients. Hansi Voigt bezeichnet sich zwar als «Gesicht des Ganzen», aber mit einer «wahnsinnigen Mannschaft» im Rücken. Ein grosser Teil der Belegschaft ist Voigt, der vor Watson sieben Jahre lang Chefredaktor von «20 Minuten Online» gewesen war, von dort zu Watson gefolgt.

Seitens Kleinreport, dem Mediendienst der Schweizer Kommunikationsbranche, wurde am Tag vor dem Cheminéefeuergespräch des Journalistenvereins Aargau-Solothurn gemeldet, dass bei den AZ Medien 20 Stellen in den Bereichen IT und Kundenkontakt abgebaut werden. Ein Mitarbeiter des «Tages-Anzeigers» meldete auf Twitter zeitgleich, dass der Etat von Watson um 10 Mio. Franken erhöht worden sei. Ob Hansi Voigt den grossen Frust im Mutterhaus (AZ Medien, Anm. Red.) nachvollziehen könne, wollte Rolf Gatschet wissen. Voigt zeigte Verständnis dafür. Aber: «Diese Meldung stimmt so nicht.» Korrigieren wollte er sie nicht. «Ich bin nicht Digitaljournalist, ich bin wirklich Journalist. Es regt mich immer auf, wenn beim Inhalt gespart wird. Wir müssen aber überall dafür kämpfen, dass unsere Inhalte etwas wert sind.»

Worauf legt Hans Voigt Wert bei den Inhalten? Watson werde viel mit einer Zeitung verglichen, erwiderte der 52-jährige Aargauer. «Ich vergleiche uns mehr mit einer Radiosendung. Beiträge werden gesendet, dazwischen ist immer wieder Musik zu hören. Es gibt Entspannungsmomente. Kein Mensch will eine Stunde Nachrichten am Stück hören. Wichtig ist, dass die Qualität in jedem Artikel super ist.» Ausserdem wolle er nicht immer nur negative Beiträge. «Der Negativjournalismus ist der Fehler der ganzen Medien. Es ist ein total-mediales Versagen, wenn sich die Leute im Journalismus nur auf das Negative beschränken.» (mgt)