Von Roll Eisenwerk
«Es lohnt sich, an die Firmengeschichte der Von Roll zu erinnern»

Aus Anlass der Ausstellung «Von Roll Eisenwerk» gab das Historische Museum Olten ein Fotobuch heraus. Die Firmengeschichte des Solothurner Metallkonzern ist für die Schweizer Wirtschaftsgeschichte ein wichtiger Archivbestand.

Deborah Onnis
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Christof Schelbert, Irene Amstutz, Karola Dirlam, Luisa Bertolaccini, Peter Kaiser mit dem Fotobuch.

Christof Schelbert, Irene Amstutz, Karola Dirlam, Luisa Bertolaccini, Peter Kaiser mit dem Fotobuch.

Deborah Onnis

Zwischen Zahnrädern, Kranhaken, zweisitzigen Hängesesseln und vielen weiteren Metallprodukten – allesamt mit Von Roll signiert – wurde am Dienstag im Historischen Museum Olten passend zur aktuellen Ausstellung das Fotobuch «Von Roll Eisenwerk Fotografie» vorgestellt.

Peter Kaiser, Leiter des Historischen Museum Olten, der zusammen mit Luisa Bertolaccini und Karola Dirlam das 300-seitige Buch herausgegeben hat, leitete die Vernissage mit einem kurzen Rückblick zur über 200-jährigen Firmengeschichte des solothurnischen Metallkonzerns ein. Eine Geschichte, die vor allem von einer vielfältigen Produktpalette und der Änderung der Konzernstruktur geprägt ist. Letztere war es auch, welche die Autoren des Buches bei der Aufarbeitung vor eine grosse Herausforderung stellte.

«Wegen der schwierigen jüngsten Firmengeschichte war es für uns recht aufwendig, die an vielen Stellen verstreuten Archive und Objekte zu finden», erklärte Museumsdirektor Kaiser. Überzeugt von der Wichtigkeit dieses Zusammentragens aber liess sich das Autorenteam nicht entmutigen. «Wir sind der Auffassung, es lohnt sich, an die Firmengeschichte der Von Roll zu erinnern», betonte Kaiser. Mit dem Begriff «Industriekultur» – zu welcher in der Schweiz auch die Eisenwerke der Von Roll gehören –, wolle man zeigen, wie viel Sehenswertes hierzulande damit verbunden ist. «Das kann man aber nur, wenn die Dokumentationen und Archive aus der Geschichte noch vorhanden sind und gepflegt werden», stellt Kaiser klar.

Durch einen Zufall gerettet

Der gleichen Ansicht ist Irene Amstutz, Leiterin des Schweizerischen Wirtschaftsarchivs (SWA) in Basel, in welchem auch ein umfangreiches Firmenarchiv der Von Roll aufbewahrt wird. Auch sie wies auf den Wert von Firmenarchiven wie das der Von Roll hin, mit welchen die Merkmale der Schweizer Wirtschaftsentwicklung seit 1970, exemplarisch darstellbar wären: darunter die Fusionen und Verkäufe von Schweizer Traditionsfirmen, aber auch der wirtschaftliche Strukturwandel von der Industrie zur Dienstleistung.

«Firmenarchive sind Kulturgut», betont Amstutz und meint, dass Archive nicht auf die Vergangenheit gerichtet sind, sondern auf die Zukunft. «Was nicht gespeichert werden kann, wird früher oder später aus einer Kultur ausfallen», fährt sie fort. Was sich vor der Mulde rettet, hänge oft auch mit «der unsichtbaren Hand des Zufalls» zusammen. Das beste Beispiel am Fall der Von Roll: Hätte ein «geistesgegenwärtiger Transportunternehmer» in den 90er Jahren bei der Firmenaufspaltung die Fotografien, Glasplatten, Alben, Dias und Filme nicht in das Museum Winterthur, sondern wie angeordnet in die Kehrichtsverbrennung gebracht, wären diese heute nicht mehr vorhanden.

Jetzt handeln

Gemäss der Leiterin des SWA wurde im Fotobuch «die Von Roll-Überlieferung verdienstvoll nachgezeichnet.» Ein Gesamtüberblick oder gar ein Gesamtkonzept zur Sicherung dieses «für die Schweizer Wirtschaftsgeschichte wichtigen Archivbestands», fehle aber bis anhin. Um ein Sicherungskonzept zu erstellen, könnten die Ausstellung und das Fotobuchprojekt genutzt werden: «Der Zeitpunkt ist so günstig wie nie.» Als erster Schritt müssten die Zuständigkeiten und Lösungsmöglichkeiten abgeklärt werden. Nur so wird man in 50 Jahren mehr als nur auf die Kernüberlieferung im SWA zurückgreifen können.

Ausstellung bis 27. Oktober 2013; der erwähnte Fotoband ist für 80.- erhältlich.

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