Gunzgen/Olten

«Es ist absolut befreiend, alles hinter sich zu lassen»: Familie mit zwei Kindern reist durch Amerika

Die Familie Uebersax mit Gunzger und Oltner Wurzeln startete am Freitag ihr grösstes Abenteuer. Mit einem Wohnmobil wollen sie für ein halbes Jahr Amerika bereisen. Die Kinder werden dabei zu Haus unterrichtet.

Ein 0815-Leben wollen sie nicht mehr. Die Familie Uebersax aus Langenthal hat beschlossen ihr altes Leben hinter sich zu lassen, um gemeinsam Zeit zu verbringen und auf Reisen zu gehen. Ihr Eigenheim, Job und den dauernden Stress lassen sie in der Schweiz zurück.

Denise Uebersax und ihr Mann mit ihren beiden Jungs wollen für das nächste halbe Jahr durch die Staaten reisen. Bis Ende Juli seien sie unterwegs und wollen den ganzen Alltagsstress hinter sich lassen. Das Haus ist verkauft, die Kinder wurden für Homeschooling angemeldet und das Wohnmobil ist schon auf dem Weg nach Amerika.

Bereits am vergangenen Freitag haben sie sich von ihren Liebsten verabschiedet. «Der Abschied fällt immer sehr schwer, aber es ist ja nicht das erste Mal», sagt Denise Uebersax. Denn schon seit dem Sommer lebt die Familie in ihrem Wohnmobil.

Geplant sei die Südeuropa-Reise durch Italien, Frankreich und schliesslich durch Spanien im letzten Quartal des vergangenen Jahres nicht wirklich gewesen. Denn die Grundidee Amerika bestand schon seit Langem. Das eigene Haus konnte aber so schnell verkauft werden, dass es trotzdem schon Anfang September losging. «Wir mussten uns erst mal daran gewöhnen, dass wir nun zu 100 Prozent zusammen sind», beschreibt die gebürtige Gunzgerin die ersten Erfahrungen. «Alle mussten zuerst ihr Plätzchen in der Familie finden.» So diente die erste grössere Reise als Angewöhnung für alle.

Kinder werden mit Homeschooling unterrichtet

«Wenn es das Homeschooling nicht gäbe, wären unsere Reisen gar nicht möglich gewesen», sagt Denise Uebersax. Die beiden Jungs, vier und sieben Jahre, müssen auch auf der langen Reise die Schule besuchen. Durch das andauernde Reisen sei es aber nicht möglich, eine reguläre Schule zu besuchen. Deshalb werden sie im Wohnmobil unterrichtet.
Täglich von 8.30 Uhr bis Mittag werde für die Schule gearbeitet. «Wir müssen eine gewisse Routine finden», sagt die ausgebildete Lehrerin. «Natürlich kann es sein, dass wir mal einen Tagesausflug unternehmen. Dann begründen wir es als Schulausflug», sagt sie lachend. Prüfungen gebe es keine. Doch muss Denise Uebersax Ende Jahr einen Bericht über die schulische Entwicklung der Buben schreiben.

Der siebenjährige Sohn sei jetzt in der zweiten Klasse. Ob er und sein jüngerer Bruder nach der langen Amerikareise gleich wieder in den normalen Unterricht eingeschult werden, sei noch unklar. «Es kann sein, dass sie nochmals ein Jahr zu Hause bleiben.»

Vorbereitungen auf Amerikareise

Vor Beginn der langen Amerikareise mussten viele Dinge organisiert werden. «Das Visum war wohl das Schwierigste. Wir mussten dazu Termine in Bern wahrnehmen und den Transport per Frachter für unser Wohnmobil planen», sagt sie. Auch die Stromspannung sei anders als in Europa. Darum musste das Wohnmobil noch mit einem Trafo ausgestattet werden.

Nun haben sie ihre Reise in den USA gestartet. Die Route wurde schon grob festgelegt. «Planlos loszufahren, ist anstrengend», sagt sie. Darum beginnt die Reise in Washington D.C., wo sie ein paar Tage verweilen, bevor sie in Baltimore ihr Wohnmobil abholen und anschliessend möglichst schnell Richtung Süden und dann an die Westküste fahren. Von dort geht es dann weiter über eine nördlichere Route wieder zurück an die Ostküste. Denn im Sommer wird das Wohnmobil wieder von Baltimore aus zurück nach Europa verschifft. Das ist zumindest der grobe Plan.

Ein Eigenheim aufzugeben und sich nur auf das Minimum zu beschränken, sei für sie ein schönes Gefühl. «Es ist absolut befreiend, alles hinter sich zu lassen», sagt die Gunzgerin.

Eigener Blog für Familie und Freunde

Um ihren Familien und Freunden von ihren Abenteuern und Erfahrungen zu erzählen, hat Denise Uebersax einen Blog gestartet. «Es war vor allem für die Familie gedacht. Aber er wird tatsächlich immer grösser und es interessieren sich auch verschiedenste Leute dafür», sagt sie. Vor ihrer Reise haben sie und ihr Mann, ein gebürtiger Oltner, Haus und Job aufgegeben, um ihren Traum zu leben. So lange auf Reisen zu gehen, braucht jede Menge Geld. «Grundsätzlich leben wir von unserem Ersparten. Mein Mann ist App-Entwickler und programmiert Websites. So kann er auch während der Reise Aufträge entgegennehmen», sagt die Lehrerin. Dass der Blog eines Tages auch eine Geldeinnahmequelle sein könnte, wäre toll, meint sie. Doch sei es ihr sehr wichtig, dass sie dabei sich selbst bleibe und nur schreibe, was für sie passe.

Im Juli 2020 wird die Familie wieder zurück sein. «Nach 183 Tagen wird man in den USA steuerpflichtig. Deshalb werden wir vorher wieder zurückkehren», sagt Denise Uebersax. Wohin es die Familie dann ziehen wird, weiss sie noch nicht.

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