Olten
«Es glänzt nicht mehr» reicht beim Goldenen Dach nicht: Kanton lehnt Beschwerde der Hausbesitzer ab

Das Bau- und Justizdepartement des Kantons Solothurn hat eine Beschwerde der Besitzer des Hauses mit dem goldenen Dach gegen einen Entscheid der Oltner Baukommission abgelehnt. Das Baugesuch zur Beseitigung der Lukarnen soll «ohne Verzug» eingereicht werden. Der Entscheid ist rechtskräftig.

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Bruno Kissling

Aufgrund eines Bundesgerichtsurteils hatte die Baukommission der Stadt Olten im November 2015 verfügt, dass die beiden Lukarnen der Liegenschaft Hinterer Steinacker 9 zu beseitigen oder auf das rechtlich zulässige Mass zu reduzieren seien; dazu sei ein Baugesuch einzureichen.

Aufgrund eines weiteren Bundesgerichtsurteils verfügte sie weiter, für die Bewilligungsfähigkeit sei das goldglänzende Dach so zu verändern bzw. zu behandeln, dass von ihm keinerlei störende Wirkung mehr ausgehe; hierfür sei ein Muster auf einem Teil des Dachgeschosses anzubringen. Nachdem eine Beschwerde gegen diese Verfügung vom Bau- und Justizdepartement abgewiesen worden war, reichte die Besitzerschaft im Juli 2016 ein Baugesuch zu Umgestaltung der Dachaufbauten und zur Materialisierung des Daches ein.

 Düstere Wolken über dem Haus mit dem goldenen Dach: Der Kanton lehnt die eingereichte Beschwerde ab...
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 ...und fordert die Hausbesitzer dazu auf, nun unverzüglich ein Baugesuch zur Beseitigung der Lukarnen einzureichen.
 Obschon die Bauherrschaft findet, «es glänze nicht mehr», will der Kanton das Dach in der bestehenden Form nicht bewiligen.
 Diese Lukarnen sind fast 14 Meter hoch und überschreiten somit die maximal erlaubte Gebäudehöhe von 7,5 Meter bei Weitem.
 Es bleibt spannend: Werden die Hausbesitzer das Baugesuch zur Beseitigung der Lukarnen wie gefordert einreichen?

Düstere Wolken über dem Haus mit dem goldenen Dach: Der Kanton lehnt die eingereichte Beschwerde ab...

Bruno Kissling

Die Baukommission lehnte dieses jedoch Anfang Oktober 2016 wegen Überschreitung der Gebäudehöhe ab und forderte die Einreichung bis Ende November eines neuen Baugesuches, das den gültigen Bau- und Zonenvorschriften entspreche, sowie erneut das schon zuvor verlangte Anbringen eines Musters am Dach.

Gebäudehöhe überschritten

Auch gegen diesen Entscheid folgte postwendend die Beschwerde der Besitzerschaft. Deren Forderung: Die Baubehörde sei anzuweisen, die baurechtliche Bewilligung zu erteilen, da die Gebäudehöhe nicht überschritten und der bestehende Zustand des Daches aufgrund des erfolgten Oxidationsprozesses genügend Bemusterung sei; die Baubehörde habe vielmehr zu beurteilen, ob das mittlerweile nachgedunkelte Dachmaterial bewilligungsfähig sei.

Vorgeschichte

Goldenes Dach vor Bundesgericht

Im Mai 2015 landete der Fall Goldenes Dach vor dem Bundesgericht in Lausanne: Die Bundesrichter haben mit 3 zu 2 Stimmen entschieden, dass die zu grossen Lukarnen zurückgebaut werden müssen und die Dachoberfläche so zu behandeln ist, dass die nun golden glänzende Kupferlegierung dunkel-matt erscheint und somit die Blendwirkung eliminiert wird. Die Oltner Baudirektion hat daraufhin die Verfügung erlassen, dass die Lukarnen in ihrem rechtsmässigen Zustand gebracht werden müssen und ein Muster auf dem Dach angebracht werden muss. (fmu)

Dem hält das Bau- und Justizdepartement nun entgegen, dass die eingereichten Pläne keine Verkleinerung der rechtswidrigen Lukarnen oder deren Beseitigung aufzeigten und die Gebäudehöhe nach wie vor mit fast 14 Metern die in der Zone erlaubten 7,5 Meter bei Weitem überschreite. Die Baukommission habe daher das Baugesuch zu Recht abgewiesen und die Bauherrschaft habe das geforderte gesetzeskonforme Baugesuch unverzüglich einzureichen. Der Entscheid ist rechtskräftig, wie der Anwalt Felix Huber des Beschwerdeführers auf Anfrage bestätigt. Man habe das Urteil des Bau- und Justizdepartements nicht angefochten. "Wir machen nun, was im Urteil drin steht." Alles weitere wolle er mit dem Bauherrn Mariano Ciccone besprechen. Er war bisher auf Anfrage des Onlineportals Nordwestschweiz nicht erreichbar.

«Es glänzt nicht mehr»

Das Departement rügt zudem, dass die Bauherrschaft bisher in keiner für die Baubehörde erkennbaren Weise tätig gewesen sei, um das geforderte Muster auf dem Dach anzubringen, und auch den Nachweis für die behauptete veränderte Dachmaterialisierung nicht erbracht habe.

Die Bauherrschaft habe daher der Baubehörde unverzüglich mittels Materialvergleich darzulegen, inwiefern die Dachmaterialisierung keinerlei störende Wirkung mehr auf die Umgebung erziele und dunkel-matt erscheine: «Die in der Beschwerdeschrift vorgebrachte Behauptung der Bauherrschaft, es glänze nicht mehr, kann nicht ernsthaft als ausreichend angesehen werden, um eine Bewilligung für die bestehende Dacheindeckung zu erlangen.» (sko)

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