Es gibt bei der Medienpreisverleihung Aargau Solothurn neben Medienlob gelegentlich auch so etwas wie leise Schelte. Das war auch am Montag nicht anders. Vielleicht hatte Jury-Präsident Peter Schellenberg die Schleusen dazu geöffnet, als er meinte, speziell beim Fernsehen würde zu oft ein gezielter Einsatz der Bilder vernachlässigt. «Es fehlt halt auch mal die Lust auf die Arbeit», versuchte der Jury-Präsident die Ursache zu ergründen.

Um Bilder ging es auch beim nächsten Kritikpunkt: Alessandro della Valle monierte als Sprecher der Fotojury, die 15 eingereichten Beiträge seien zwar allesamt Zeugnisse solider Pressefotografie, aber es fehle bedauerlicherweise doch immer wieder die vertiefte Auseinandersetzung mit einem Thema.

Es folgte Lob

Dann aber war Schluss mit Kritik. Thomas Müller als Präsident des ausrichtenden Vereins hatte den Medienjahrgang 2012 bereits zu Beginn der Veranstaltung als einen sehr guten bezeichnet, während der Aargauer Regierungsrat Urs Hofmann in seiner Ansprache dem Journalismus die Wächteraufgabe über die Demokratie zutraute. Allerdings, so Hofmann, sei dazu eben auch «ein starker Charakter» notwendig, damit die Dinge ins rechte Licht gerückt würden.

Der Medienpreis, dotiert mit insgesamt 12 000 Franken, ging zu gleichen Teilen an den TV-Journalisten Stephan Gassner (Tele M1), den Printjournalisten Max Dohner (AZ), die Radiojournalistin Sandra Witmer (Radio 32) und den Fotografen Hanspeter Bärtschi (AZ Solothurner Zeitung).

Gassner hatte in einer Langzeitreportage das Schicksal des ALS Patienten Thomas Unteregger aufgezeichnet und diesen bis wenige Tage vor dessen Tod begleitet. Laudator Matthias Lauterburg hob in seinen Worten Gassner Praxis hervor, mit ausserordentlich viel Feingefühl gearbeitet zu haben.

Stephan Gassner gewinnt den Medienpreis für den Beitrag «ALS Patient Thomas Unteregger».

Stephan Gassner gewinnt den Medienpreis für den Beitrag «ALS Patient Thomas Unteregger».

Bärtschi hatte eine Bildserie «Streifzug durch die Sappi» eingereicht. Laudator della Valle attestierte Bärtschi die Fähigkeit, sich dabei auf ein Thema intensiv eingelassen zu haben und dabei erst noch Farbigkeit hervorgeholt zu haben, wo sie der gemeine Betrachter nicht vermute.

Max Dohners Arbeit «Drama eines Ingenieurs auf der Teufelsbrücke» wurde von Josefa Haas, Fachjury Print, als das Werk einer Persönlichkeit gesehen, welcher dem Journalismus das besondere Etwas jenseits des glatten Tagwerks verleihe. Dohner grabe eben Geschichten aus, über die man später sage: Warum bin nicht ich auch draufgekommen?

Schliesslich wurde Sandra Witmer für ihre Serie «Depression» ausgezeichnet. Der Beitrag wirke authentisch und habe auf die Jury überraschend gewirkt, so Sprecher Vinzenz Wyss, der dessen Machart als «vielfältig» und «kompetent umgesetzt» beschrieb.

Neben der Preisverleihung gehörte der Auftritt Beat Schlatters zu den Höhepunkten des Abends. Der Medienpreis Aargau/Solothurn wird durch die in den beiden Kantonen ansässigen Medienunternehmen (Presse, Radio und Fernsehen) und durch die Kantonsregierungen Aargau und Solothurn ausgerichtet. Ziel des Preises ist die Anerkennung und Förderung der journalistischen Qualität in der regionalen Berichterstattung.