«Hier arbeiten alle aus Überzeugung», stellt Mario Tonet fest, der ein bis zwei Tage pro Woche in Olten für Karl’s kühne Gassenschau arbeitet. Zumindest bei ihm und seiner Frau Cristina, die als Kinderkrankenschwester fünf Tage die Woche für kleine und grosse Notfälle zuständig ist, bestätigt sich diese Aussage sofort: Begeistert schwärmen sie von ihrer Arbeit und von der Sommerzeit, die sich nach der Gassenschau richtet. Ferien? Geht entweder im Mai oder im Oktober. Freunde treffen? Schwierig für Cristina Tonet – an fünf Abenden pro Woche arbeitet sie, ein Abend ist reserviert für das Abendessen mit den drei Kindern, ein Abend für das Ju-Jitsu-Training. «Es beeinflusst unser Leben schon sehr stark», ist sich das Ehepaar einig.

Seit sechs Jahren dabei

Negative Aspekte an ihrer Arbeit sehen sie trotzdem nicht. Die Einschränkungen nehmen sie gerne in Kauf, da sie damit belohnt werden, Teil des Projekts und der Grossfamilie der Gassenschau zu sein. Angefangen hat ihre Arbeit vor sechs Jahren bei der Aufführung des Programms «Fabrikk» in Olten, als Cristina Tonet von der Krankenschwester Petra Bolick angefragt wurde, jeweils einen Tag pro Woche in Winterthur die Verantwortung für die Erste Hilfe zu übernehmen. Bereits zwei Jahre später arbeitete Cristina Tonet täglich bei den Vorstellungen in Saint-Triphon (VD) und verbrachte den Sommer im Wohnwagendorf.

Über sie kam auch Mario Tonet zum Team dazu. Seither assistiert er Cristina Tonet einmal pro Woche bei kleineren Arbeiten und der Tribünenaufsicht. Bei der Aufsicht ist das Ziel, Notfälle im Publikum rechtzeitig festzustellen. Zudem führt Mario Tonet Veranstaltungspartner vor Vorstellungsbeginn über das Gelände. Für mehr Einsätze bleibt neben der Arbeit als selbstständiger Fundraising-Berater zu wenig Zeit.

Cristina Tonet hilft neben ihrem Einsatz als erste Adresse bei medizinischen Notfällen auch beim Einlass und beim Glücksspiel vor Vorstellungsbeginn mit. Neu in dieser Saison fährt sie mit einem bunt dekorierten Golfwagen all diejenigen vom Parkplatz auf das Gelände und zurück, welche schlecht zu Fuss sind. «Das Angebot kommt sehr gut an», stellt Cristina Tonet fest.

Verschiedenen Lebensentwürfe

Beim Gespräch auf dem Gelände in Olten vor einem Becher hausgemachten Eistee sprudeln die Highlights und Anekdoten aus den beiden heraus. Beispielsweise die flachen Hierarchien im Team, die gute Kommunikation, die jährliche Überraschungsreise des Kernteams, die spannenden Persönlichkeiten und die verschiedenen Lebensentwürfe von anderen Mitarbeitern abseits von Bürojob und Einfamilienhäuschen.

Wenn es viel Arbeit gibt, müssen alle mit anpacken, egal ob Parkeinweiser oder Schauspieler, wie Cristina Tonet erklärt. Gleichzeitig schätzen sie die Professionalität, mit der alle ans Werk gehen. So wollte Mario Tonet den gemeinsamen Hochzeitstag in Saint-Triphon mit einer Torte und Prosecco am Nachmittag feiern. Prompt kam das Veto der Chefin: Alkohol gibt es erst nach der Show. «Das war mir etwas peinlich, da hätte ich ja auch selbst draufkommen können», lacht Mario Tonet.

Gassenschau im Winter

Und im Winter? Das ist die Zeit für alles, was im Sommer liegen bleibt. Aber auch die Gassenschau bleibt präsent, zumindest im Leben von Cristina Tonet: Aus alten Werbeblachen der Gassenschau näht sie Taschen, die im Sommer im Shop verkauft werden. Die Gassenschau scheint einen wichtigen Platz in ihrem Leben eingenommen zu haben. Und solange es für beide stimmt, wird das wohl auch noch einige Jahre so bleiben.