Pedro Meier, Sohn des verstorbenen Schriftstellers Gerhard Meier, hatte Anfang Woche gegenüber dieser Zeitung moniert, dass sein Vater im Schriftstellerweg nicht präsent sei. Dieser hatte der Dreitannenstadt in seinem Werk einen prominenten Platz eingeräumt. Und er sei der Erste gewesen, der einen literarischen Stadtspaziergang durch Olten unternommen habe, so der Sohn. Vor der Eröffnung des Schriftstellerwegs im April 2016 sagte Olten-Tourismus-Geschäftsführer Stefan Ulrich zu dieser Zeitung: «Es ist wichtig, dass wir etwas Authentisches bieten. Und das ist mit dem Schriftstellerweg der Fall.» Schliesslich hätten viele Deutschschweizer Autoren einen Bezug zu Olten. Gerhard Meier hätte also bestens ins Konzept des Schriftstellerwegs gepasst.

Warum ist der 2008 verstorbene Niederbipper Autor dennoch nicht dabei? Olten-Tourismus-Präsident Deny Sonderegger beschreibt den Schriftstellerweg als «touristisches Produkt». Dessen Zweck: Standortförderung. Also mussten die grossen Namen her. Lebende zudem, die sich besser vermarkten lassen: Franz Hohler, Alex Capus, Pedro Lenz.

Mit wenigen Ausnahmen hatten die Autoren neue Geschichten zu schreiben, jeweils mit Bezug zu Olten. «Wir wollten Texte, die noch nicht bekannt sind. Keine bestehenden Werke», so Sonderegger. Olten solle anhand dieser Schriftsteller ins Rampenlicht gerückt werden. Durchaus denkbar sei, dass künftig auch verstorbene Schreibende mit einer eigenen Tour oder einem Standort gewürdigt würden. «Aber die laufen uns ja nicht davon», meint Sonderegger. Es existiere eine lange Liste von rund hundert Namen möglicher Kandidaten, wie Thomas Knapp sagt. Natürlich sei da auch ein Gerhard Meier genannt. Oder ein Peter Bichsel, ein Rolf Lappert, eine Clara Büttiker.

Der Schriftstellerweg musste aber auch vorher schon Kritik einstecken. Der Oltner Schauspieler und Autor Rhaban Straumann hatte nach der Eröffnung des Weges in einer Kolumne in dieser Zeitung den Wunsch geäussert, auch verstummte Stimmen, Nachwuchsautoren und insbesondere auch Autorinnen zu berücksichtigen. Auch der Oltner Kulturvermittler Peter André Bloch, der das Projekt grundsätzlich positiv sieht, stört sich daran, dass keine Frau eine eigene Tour erhalten hat.

Kindertour ist geplant

Im Rahmen einer Erweiterung des Weges erhielten heuer neben der Oltner Kulturjournalistin Madeleine Schüpfer, die Autorin Michelle Steinbeck und der Schriftsteller Bänz Friedli einen Literathekstandort. Steinbeck ist in Zürich aufgewachsen, Friedli stammt aus Bern. «Wir wollen den Weg für das literarische Schaffen ausserhalb von Olten öffnen», wie Sonderegger erklärt. Verleger Thomas Knapp, der Olten Tourismus bei der Auswahl der Autoren unabhängig berät, ergänzt: Das könne durchaus auch mal ein deutscher Autor sein. Sonderegger sagt, dass der Schriftstellerweg in den kommenden Jahren laufend ausgebaut werden solle.

Geplant sei, in den nächsten fünf Jahren jährlich entweder eine neue Autoren-Tour oder drei bis vier Literathekstandorte zu realisieren. Oder beides. Für 2018 bestünden bereits Pläne: «Es soll eine neue Tour und zwei bis drei neue Literathekposten geben. Und: Wir sind dabei, eine Kindertour als Aktivität für die ganze Familie zu planen.» Olten Tourismus stehe bereits in Kontakt mit möglichen Autoren.