Vorstoss

Erstmalig in Olten: Sie fordern grossflächige Begegnungszone ausserhalb der Innenstadt

Sie wollen Begegnungszonen rechts der Aare: Ganz links Erich Bächler, der Stadtschreiber Markus Dietler (2. v.l.) den Volksauftrag übergibt.

Sie wollen Begegnungszonen rechts der Aare: Ganz links Erich Bächler, der Stadtschreiber Markus Dietler (2. v.l.) den Volksauftrag übergibt.

Am Dienstagabend wurde der von mehr als 200 Personen unterzeichnete Volksauftrag im Stadthaus Olten übergeben.

Ihre Mission: ambitioniert, aber wohl nicht unumstritten. Am Dienstag haben ein gutes Dutzend interessierte Bewohnerinnen und Bewohner der rechten Stadtseite im Stadthaus Olten einen Volksauftrag übergeben. Gut 200 Unterschriften tragen den Vorstoss, der erstmals in der Geschichte Oltens so etwas fordert wie eine grossflächige Begegnungszone ausserhalb der Innenstadt. Konkret: «Die Stadt Olten führt in den Wohnquartieren der rechten ­Aareseite in begrenztem Perimeter Begegnungszonen mit Tempo 20 ein.»

Grob gesagt: Die Strassen innerhalb der Begrenzung Sälistrasse (exklusive), Gartenstrasse, Engelbergstrasse, Speiserstrasse, Wilerweg (exklusive) und Reiserstrasse würden, sofern der Vorstoss im Gemeindeparlament eine Mehrheit findet, allenfalls zur Begegnungszone mit Tempo 20 umgewandelt. Ein Volksauftrag wird bekanntlich wie eine Motion oder ein Postulat eines Mitglieds des Gemeindeparlaments behandelt und ist mit einem stadträtlichen Antrag versehen innert sechs Monaten dem Parlament zur Entscheidung vorzulegen.

Deutliche Worte an die Adresse der Verantwortlichen

Der Sprecher der Initianten, Erich Bächler, verdeutlichte am Dienstagabend mit seinen Worten Absichten und Gründe für den Volksauftrag. «Wir träumen weiterhin von Quartierstrassen, auf welchen unsere Kinder spielen und Velofahren lernen können», meinte er in Anlehnung an die Botschaften von Leitbildern, Mitwirkungsprozessen und Visionen, die den Bewohnern des rechten Aareufers geblieben seien. Auch Kindergarten-Kinder sollten ohne Begleitung der Eltern das Abenteuer Schulweg sicher unter die Füsse nehmen können, so Bächler weiter. Und: «Wir wollen nicht länger, dass unsere Quartierstrassen als ‹Quartierautobahnen› bezeichnet und dazu missbraucht werden, dem Stau auf den Kantonsstrassen auszuweichen.»

In den Wohnquartieren des rechten Aareufers leidet die Bevölkerung schon seit Jahren am Fluchtverkehr, der sich mit der Inbetriebnahme des Sälikreisels als Bestandteil der Umfahrung Olten dem Vernehmen nach noch verstärkt hat. Die Initianten warteten auch mit Zahlen auf: In der Reiserstrasse, einer reinen Quartierstrasse, würden pro Werktag im Durchschnitt täglich 1000 Fahrzeuge verkehren. Die Initianten stellten in ihrem Argumentarium auch in Abrede, dass lediglich 6 Prozent der registrierten Fahrzeugbewegungen in den Quartieren rechts der Aare vom Fluchtverkehr stammten. «Wie die Stadt auf 6 Prozent Fremdverkehrsanteil kommt, ist uns nicht klar. Mit Zählungen lässt sich diese Information auf jeden Fall nicht erheben», so ein Zitat aus dem Argumentarium.

Initianten rechnen eher noch mit zunehmender Belastung

Die Initianten rechnen auch nicht mit einer Entspannung der Situation. Im Gegenteil. Durch das allgemeine Verkehrswachstum und das Projekt Sälipark 2020 werde der Verkehr in den Quartieren auf der rechten Stadtseite noch zunehmen, so ihre Befürchtung. Und auch der Verkehrsdruck auf den Sälikreisel werde zunehmen, was sich wiederum auf die Quartiere der rechten Stadtseite auswirken würde. Keine Entlastung in Sicht also.

Für Stadtpräsident Martin Wey ist der Vorstoss tatsächlich einer, der sich erstmalig mit der Einführung einer Begegnungszone und Tempo 20 auf so grosser Fläche beschäftigt. Neben den formalen Abklärungen werde sich der Stadtrat vertieft mit dem Vorstoss befassen, nachdem die bisherigen Massnahmen wie Verkehrskontrollen und Schwellen offenbar für keine massgebliche Entspannung gesorgt hätten. Zum einen gelte es, die rechtlichen Bestimmungen zu kennen und anzuwenden. Und zum andern «müssen natürlich auch andere ganz praktische Überlegungen angestellt werden», so der Stadtpräsident auf Anfrage. Sind unter den geforderten Umständen die Busfahrpläne noch einhaltbar? Was sagen die Einrückenden von Blaulichtorganisationen? Und zu bedenken sei zudem, dass auch in Begegnungszonen mit Tempo 20 vieles von der Disziplin der Verkehrsteilnehmenden abhänge. Bekanntlich sind in Begegnungszonen etwa keine Trottoirs vorgesehen. «Fussverkehr Schweiz», ein schweizweit tätiger gemeinnütziger Verein im Interesse der Fussgänger, hält allerdings fest, dass vorhandene Trottoirs in einer Begegnungszone den Fussgängern vorbehalten bleiben.

Vor einigen Jahren schon hatte sich ein Teil der Bewohnerinnen und Bewohner der rechten Stadtseite gegen Verkehrsscheiden, welche den Durchgangsverkehr konsequent unterbrochen hätten, erfolgreich gewehrt.

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