Georgios Siaminos wirkt überrascht. Nein, das wusste er nicht. Dass da offenbar jemand zur selben Zeit dieselbe Idee hatte wie er. Es ist Montagmorgen, sein Hanfgeschäft «Mister Nice» hat das erste Mal geöffnet. Gerade war der 25-Jährige Flyer verteilen in der Stadt. Von aussen weist nichts auf die Geschäftseröffnung an der Marktgasse 33 hin. «Mister Nice» schmiegt sich unauffällig in die Ladenzeile.

«Wo genau?», hakt Siaminos nach. Er wohnt im Baselbieter Aesch. Olten ist ihm nicht vertraut. Mit der Erklärung «gegenüber der Alten Holzbrücke» kann er jedoch etwas anfangen. Dort, im «Winkel» an der Ecke Bahnhofquai/Unterführungsstrasse, heisst es an der Glasfront eines leeren Geschäftslokals: «Hier entsteht ein Hanfshop.»

Handladen MisterNice an der Marktgasse 33

So sieht der Laden an der Marktgasse 33 von aussen aus.

Handladen MisterNice an der Marktgasse 33

Tant pis. Aber Siaminos sieht das nicht so eng. Zwar wählte er Olten als Standort, weil er sich hier konkurrenzlos wähnte. Aber er meint: «Ich habe damit gerechnet, dass noch ein oder zwei andere Hanfanbieter aufgehen.» Er habe keine Bedenken, was etwaige Mitbewerber angehe. «Wir sind sehr exklusiv.»

33 Prozent gehen an den Staat

Siaminos’ Ladenlokal hat die Grösse eines Kiosks. Rund 2000 Franken Miete bezahle er dafür monatlich. Hier bietet er elf verschiedene Sorten Hanfblüten an. Produziert in der Schweiz. «Andere haben normalerweise nur drei bis vier Sorten im Sortiment», sagt er. Sie tragen Namen wie Cloud 9, Sour Apple, Bubble Gum oder White Widow. Der Gehalt des berauschenden Wirkstoffs THC liegt bei diesen Hanfblüten unter einem Prozent.

Damit unterstehen sie nicht dem Betäubungsmittelgesetz. Allerdings bewegt sich ihr CBD-, sprich ihr Cannabidiol-Gehalt, zwischen 15 und 24 Prozent. CBD ist legal. Es wirkt entspannend, aber nicht berauschend. «Unsere Zielgruppe sind einerseits Kiffer, die aufhören wollen», erklärt Siaminos. «Wer morgens schon rauchen will, kriegt den Hanfgeschmack und eine angenehme Wirkung. Kann aber normal Auto fahren und arbeiten.» Ein weiteres Kundensegment sieht er in älteren Personen. Die etwa an Rheuma oder Schlafstörungen leiden. Die Preise? 5 Gramm Hanfblüten zu zwischen 35 und 60 Franken. «Je nach Qualität.»

25 Prozent Tabaksteuer sowie 8 Prozent Mehrwertsteuer liefert er dem Staat auf den Kleinverkaufspreis ab. Insgesamt bietet Siaminos 104 Produkte in seinem Geschäft sowie im Onlineshop an. Am besten liefen die Raucherwaren, sagt er. Daneben hat er Hanfmehl, -Riegel, -Schokolade, -Tee, -Cookies, -Lollis, -Shampoo im Angebot. Guten Absatz fänden auch die Hanföl-Tinkturen. Je nach CBD-Gehalt kommen die 10-Milliliter-Fläschchen auf zwischen 38 und 109 Franken zu stehen. «Mein Vater hat auch gute Erfahrungen damit gemacht», erzählt Siaminos. Die Tinktur mit 15 Prozent CBD-Gehalt lindere dessen Rückenschmerzen. Von Kunden habe er ähnliche Erfahrungsberichte gehört.

Nächste Filiale in Zürich

Siaminos Hanfladen ist ein Franchiseunternehmen. Das «Mister Nice»-Stammgeschäft in Basel habe ein Freund von ihm vor rund zwei Monaten eröffnet, sagt er. Es laufe gut. Und er weiss: «Vielleicht wird es an der Zürcher Langstrasse eine weitere Filiale geben.» Er selbst sei erst seit heuer im Hanfbusiness tätig. Vorher habe er als Fliesenleger gearbeitet. Die Frage, ob er kiffe, verneint er mit Nachdruck: «Habe ich nie!»

Seine Mitarbeiterin Lucie Holzwarth sitzt derweil hinter der Ladentheke. Sie trägt Rastas, viel Schmuck. Für den Job ist sie extra aus Berlin in die Schweiz gezogen. Sie habe die deutsche Hauptstadt ein bisschen sattgehabt. «Ich wollte wieder im Süden leben», sagt sie.