Gunzgen
Erst kommt der Tanz, später folgt die Architektur

Natalie Cremar aus Gunzgen wusste schon als Kind, dass sie im Tanzsport einmal gross herauskommen möchte. Jetzt gehört die 15-Jährige zu den besten Tänzerinnen der Schweiz.

Christian Iten
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Natalie Cremar mit Tanzpartner Philipp Hofstetter.

Natalie Cremar mit Tanzpartner Philipp Hofstetter.

Christian Iten

Natalie Cremar hat mit sieben Jahren in Rumänien mit dem Tanzen begonnen. Es gefiel ihr von Anfang an so gut, dass sie sofort wusste: «Der Tanz wird mein Leben begleiten und ich möchte in diesem Sport etwas erreichen.»

Seit kurzem ist die 15-Jährige dreifache Schweizermeisterin bei den Junioren. Sie hat sich mit ihrem gleichaltrigen Tanzpartner Philipp Hofstetter in allen drei Disziplinen – 10-Tanz (Langsamer Walzer, Tango, Wiener Walzer, Slowfox und Quickstep sowie Samba, Rumba, Cha-Cha-Cha, Paso Doble und Jive), Latein und Standard – auf das Podest getanzt.

«Tanzen ist ein wunderbares Gefühl»

«Bei Turnieren bin ich manchmal etwas nervös», gesteht Natalie ein. «Jedoch gehört es zum Tanzen, dass man sich dies nicht anmerken lässt», sagt sie. «Tanzen ist einfach ein wunderbares Gefühl», so Natalie. Einer ihrer Lieblingstänze ist deshalb der Rumba, der Tanz der Liebe. Obwohl sie und ihr Tanzpartner beim Rumba Gefühle der Liebe zum Ausdruck bringen, so bleibt ihre Beziehung aber auf den Sport reduziert.

Als Natalie Cremar vor sechs Jahren in die Schweiz kam, war der Tanzsport noch ein Hobby. Denn die Suche nach passender Tanzschule, Trainer und Tanzpartner gestaltete sich schwierig. Deshalb konnte die Solothurnerin zunächst auch nicht zusammen mit einem Mann tanzen, sondern musste vorab mit einer Tanzpartnerin trainieren.

An einem Tanzworkshop Anfang 2015 kam es zum entscheidenden Glücksfall. Natalie lernte Philipp Hofstetter kennen, der in der Juniorenkategorie bereits als einer der besten Tänzer galt. Damit war klar: Jetzt hat sich ein Tanzpaar zusammengefunden, das sich an die Spitze kämpfen möchte.

Philipp Hofstetter ist ebenfalls 15 Jahre alt. Er wohnt in Aesch im Limmattal und absolviert an der United School of Sports in Zürich die Kaufmännische Grundausbildung.

Hartes Training und schulische Herausforderungen

Natalie und ihr Tanzpartner Philipp trainieren rund 17 Stunden pro Woche. Falls noch Wochenendworkshops hinzukommen, sind es sogar 24 Stunden. Für die 15-jährige ist es derzeit gar nicht so einfach, Tanzsport und Schule unter einen Hut zu bringen.

Sie bereitet sich aktuell nämlich auch auf die Aufnahmeprüfung für das Gymnasium an der Kunst- und Sportschule vor. Natalie empfindet die sportlichen und schulischen Herausforderungen aber nicht als Stress: «Dort, wo ich gerade bin, muss ich einfach alles geben.»

Wenn es mal freie Zeit gibt, macht Natalie gerne Bleistiftzeichnungen von Häusern oder Menschen. Sie hat Freude an mathematischer Geometrie und möchte später Architektur studieren.

Erfolgreich auf internationalem Parkett

Vor dem kürzlich errungenen Dreifachsieg an der Schweizer Meisterschaft gewannen die beiden bereits ein Jahr zuvor Silber in Latein und Standard sowie Gold im 10-Tanz. Und auch auf internationalem Niveau dürfen sich die Leistungen des jungen Tanzpaars sehen lassen.

Es erreichte an der Weltmeisterschaft im Lateintanz in Moldawien Mitte Oktober den 17. Platz unter den 66 teilnehmenden Paaren. Laut Trainer Daniel Steinmann ist dieser Erfolg in der Juniorenkategorie für die Schweiz einzigartig.

An der Juniorenweltmeisterschaft im 10-Tanz in Polen am vergangenen Sonntag reichte es unter den 35 konkurrierenden Paaren immerhin zu Rang 24. Daniel Steinmann attestiert dem jungen Paar gute Chancen, im Tanzsport weiter zu kommen. «Die beiden sind äusserst talentiert und haben dieselben Ziele», sagt Steinmann.