David Escher dürfte manchem Oltner ein Begriff sein, denn der 49-Jährige postet seit zwei Jahren regelmässig in der «Olten»-Gruppe auf Facebook. Knapp 5200 Mitglieder zählt die Gruppe mittlerweile. Was er dort veröffentlicht, sieht ein gutes Viertel der Oltner respektive Olten-Interessierter.

Und zu sehen gibt es in seinen Beiträgen einiges. Escher ist leidenschaftlicher Sammler historischer Fotos von Olten. Ein- bis zweimal im Monat teilt er eines davon mit der Community, stets mit Datum, genauer Standortangabe und als Vergleich oft ergänzt durch eine aktuelle Aufnahme.

Dafür erhält er viel Zuspruch, weil Olten eben einen festen Platz in den Herzen derer hat, die hier aufgewachsen oder zugezogen sind.

Blick von der City-Kreuzung aus Richtung Trimbacherstrasse (oben), die heutige Baslerstrasse (unten).

Blick von der City-Kreuzung aus Richtung Trimbacherstrasse (oben), die heutige Baslerstrasse (unten).

Zu seinem Hobby kam Escher, Musiklehrer und studierter Psychologe, eher zufällig. Als seine Mutter vor zehn Jahren an einem Jahrgangstreffen der 70-Jährigen in Olten teilnahm, erkannte sie sich und ihre Klassenkameraden als 10-jähriges Mädchen am Schulfest in einem Film von 1945.

Als sie ihrem Sohn David davon erzählte, meinte dieser: «Das will ich unbedingt sehen!» Aus purer Neugierde, weil er wissen wollte, wie seine Mutter damals ausgesehen hatte. Der 70-jährige Herr, dem das Video gehörte, erlaubte ihm, dieses zu digitalisieren. Auf der VHS-Kassette befand sich noch weiteres altes Filmmaterial, das Olten zeigte. «Da fing ich Feuer», erinnert sich Escher.

Mehrere Tausend Aufnahmen

Erstmals schaute er sich auch alte Kalenderbilder und Postkarten von früher genauer an, die er bei sich zu Hause fand. «Ich stellte mir vor, wie toll es doch wäre, wenn ich wie mit einer Zeitmaschine in verschiedenen Jahrzehnten durch Olten gehen könnte, um die Stadt und die Veränderungen genau anzuschauen.»

Das sei der Hauptanreiz für sein Sammelfieber gewesen: ein Verständnis davon zu erhalten, wie sich die Stadt entwickelt hat. «Olten ist meine Heimat, ich kenne hier jede Ecke», fügt er erklärend an.

Was ihn ausserdem beeinflusste, war eine Luftaufnahme des Schulhauses Frohheim und dem Schöngrund-Quartier aus dem Jahr 1925. Darauf erkannte er auch das Haus, in dem er aufwuchs. «Es hatte damals einen anderen Grundriss als heute, das machte mich neugierig», sagt er.

«Einige Tausend Aufnahmen» des historischen Olten besitzt er inzwischen, alle davon in digitaler Form. Fündig wird er in Büchern, Kalendern, privaten Fotosammlungen, Publikationen oder Zeitungsberichten. Die Bilder scannt er sorgfältig ein.

Als besonders wertvoll hat sich auch das Bildarchiv der ETH erwiesen, das viele Luftbilder der Schweiz von früher enthält. Auch Privatpersonen wenden sich hin und wieder mit alten Aufnahmen an ihn. «Für mich ist das wunderbar. In der Nähe gäbe es ja einige Leute, die noch wertvolles Material zu Hause haben.»

Mit seinem Hobby verfolgt er kein kommerzielles Interesse. «Ich mache das vor allem für mich. Ich bin einfach ein interessierter Sammler», sagt er. Dass aber auch andere an den Bildern Gefallen finden, freut ihn sehr.

Manchmal wird er von Personen angefragt, ob er von ihrem Haus oder einer bestimmten Stelle in Olten ein altes Foto besitze. Dann forscht er in seinem Archiv und findet meist auch, wonach er sucht.

Oben Ziegelfeldstrasse um 1900, unten wie sie heute aussieht. Fotos: Zvg

Oben Ziegelfeldstrasse um 1900, unten wie sie heute aussieht. Fotos: Zvg