Olten
Er war 36 Jahre Feuer und Flamme für die Feuerwehr

Nach 36 Dienstjahren bei der Feuerwehr Olten gibt Thomas Herber seinen Abschied. Der Berufsoltner baute die Jugendfeuerwehr auf und war in vielerlei Hinsicht ein Macher.

Urs Huber
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Hauptmann Thomas Herber hat fast vier Jahrzehnte Feuerwehrdienst geleistet und ist auch Vater die hiesigen Jugendfeuerwehr.

Hauptmann Thomas Herber hat fast vier Jahrzehnte Feuerwehrdienst geleistet und ist auch Vater die hiesigen Jugendfeuerwehr.

Bruno Kissling

Ein guter Freund soll über ihn gesagt haben: «Herber, du bis entweder Feuer und Flamme für etwas oder es lässt dich total kalt.» Jetzt sitzt dieser Thomas Herber am langen Tisch in der Lobby des Oltner Feuerwehrmagazins, stellt seinen Ellbogen auf die Tischkante und sagt: «Ich glaube, dass triffts nicht mal so schlecht.» Was sich in den letzten 36 Jahren auf jeden Fall gezeigt hat: Der 55-Jährige ist zumindest Feuer und Flamme für die Feuerwehr. Punkt. Er sieht, umgangssprachlich ausgedrückt, seit fast vier Jahrzehnten rot.

Dabei wusste er, wie er selbst sagt, bis zum 18. Altersjahr noch nicht einmal, dass es in Olten eine Feuerwehr gibt. Er schmunzelt. «Nein ehrlich», schiebt er nach. «Wenn da nicht ein Freund gewesen wäre, dessen Vater in der Feuerwehr war; ich glaub’, ich hätt’ erst viel später davon erfahren.» Jedenfalls regte der Freund eines Tages an, gemeinsam eine Feuerwehrübung zu besuchen – als Zaungäste. «Mir hat das damals Eindruck gemacht», erinnert sich der zweifache Familienvater. Und fortan war er dabei. «Seinerzeit musste man fast noch irgendwie einen Götti haben, um überhaupt reinzukommen», reicht er nach. Und: «Das hat sich heute radikal geändert.»

Die Seele Herber

Herber wirkt leutselig, ja fast liebenswürdig, wenn er unter dem Zwirbelschnurrbart so frank und frei erzählt. Antworten auf die Frage nach dem schönsten und tragischsten Moment seiner Feuerwehrkarriere ergeben sich denn auch aus dem zwischenmenschlichen Bereich; nicht von Einsätzen ist da die Rede, bekämpften Brandherden, leergepumpten Kellern, Befreiungsaktionen aus Liftschächten. Herber studiert nicht lange, bevor er anhebt. «Ich glaube, der schönste Moment war, als ich von meinem Pikett 2 zum Ehrenpikettier ernannt wurde. Den Titel gibts eigentlich gar nicht mehr.» Da sei er den Tränen nah gewesen, sagt Hauptmann Herber, noch immer oder schon wieder leicht gerührt.

Und als den tragischsten Moment bezeichnet er jenen, als sich einer aus seinem Pikett vor Jahren hinter dem Feuerwehrmagazin vor den Zug legte und von dieser Welt Abschied nahm. Man frage sich dann schon, ob man alles getan hat, um das zu verhindern. Herber schluckt fast unmerklich, als er das erzählt.

Der redet nicht, der macht

Einer, der mit Herber schon viele Jahre in der städtischen Feuerwehr zugange ist und der mit ihm im Bifangquartier aufwuchs: Rolf Friedli, Leiter Betrieb und Unterhalt. «Der Herber Thomas, wissen Sie, das ist einer, der nicht redet, sondern macht. Und obendrein einer, der sich für die Leute einsetzt.» Wichtige Eigenschaften, die ein Feuerwehrkorps in seinem Innern zusammenhalten. Herber sei eben ein Gemeinschaftstyp, Vertreter einer aussterbenden Gattung, wie Friedli bedauernd hinterher schiebt. Und: Herber sei ein guter Vermittler. Was aber nicht heisse, dass er nicht laut werden könne.

«Natürlich kann ich auch laut werden», bestätigt der Netzmonteur. Auch normal in einem Betrieb, in dem manchmal jede Sekunde zählt und dies nicht jedem bewusst ist. Allerdings sieht der Leiter des Piketts 2 eher seine gelebte Leidenschaft für den Feuerwehrdienst als Motivationsschub im Vordergrund bei seiner Truppe. «Wenn die nämlich echt ist, dann springt der Funke eher rüber», rechnet Herber so vor sich hin. Und er weiss, dass er damit recht hat. Da zählt er ganz und gar auf die Erfahrungen seiner 36 Dienstjahre.

Vater der Jugendfeuerwehr

Vielleicht wäre der Mann, der sich als Berufsoltner bezeichnet, bei der Hauptübung einfach verabschiedet worden, so wie andere Feuerwehrkader auch verabschiedet werden. Aber: Herber weist neben seiner langjährigen Tätigkeit als Feuerwehrmann ein besonderes Merkmal auf: Er gilt gemeinhin als Vater der Jugendfeuerwehr. «Also, die Idee kam schon von mir, aber andere haben mir beim Aufbau der Jugendabteilung sehr geholfen», so der Mann, der Sohn Florian (19) in der Feuerwehr Olten weiss und Tochter Leonie (13) – logisch – in der hiesigen Jugendfeuerwehr. Er habe halt bei Einsätzen und Übungen immer die Begeisterung der am Strassenrand stehenden Dreikäsehochs bemerkt. «Und ich wollte diese Begeisterung in Bahnen lenken und Aktivitäten entwickeln.» Eben: Wie hatte ihn Friedli doch etikettiert: kein Redner, ein Macher.

Vor zehn Jahren wars soweit: In Olten gabs fortan eine Jugendfeuerwehr mit einem an den üblichen Feuerwehrdienst angelehnten Programm, bloss einen Atemschutz gibts keinen. Der Erfolg? «Alles in allem dürften etwa ein Dutzend von ihnen in die grossen Feuerwehren eingetreten sein», weiss Herber. Oder anders ausgedrückt: Einen pro Jahr kann man «öbere näh», wie sich der frisch gebackene Bazille-Zünfter ausdrückt.

Abschied angekündigt

Vor anderthalb Jahren hat Herber seinen Abschied von der Feuerwehr angekündigt. Eine lange Karenzzeit. «Ich wollte halt, dass die Verantwortlichen genügend Zeit haben, um die Nachfolge zu regeln», erklärt er. Und: Eine Lösung ist gefunden: Neu wird Oberleutnant Fabian Dinkel die Jugendfeuerwehr als Hauptleiter führen, Gefreite Eveline Hodel amtet als Stellvertreterin. Und Sohn Florian ist ebenso dabei. Vater Herber kann sich also getrost zurücklehnen. Allerdings: So rasch kehrt ein Herber der Feuerwehr nicht den Rücken. «Ich werde auch nach meinem Austritt im Schweizerischen Feuerwehrverband im Bereich der Jugendfeuerwehr mitwirken», sagt er.

Bilanziert Thomas Herber die letzen knapp vier Jahrzehnte seiner Feuerwehrkarriere, so kommt dabei ein «Gut» heraus. «Ich bin wirklich stolz darauf, einer Organisation angehört zu haben, die Präsenz markiert, auftritt, hilft. In grossen wie in kleinen Fällen.» Dass zu einem erfolgreichen Einsatz auch Glück gehört, ist ihm längst bewusst, haben ihn die vergangenen 36 Jahre gelehrt. Ende Jahr gibt er seinen Schlüssel ab. Aber zu Hause warten bekanntlich Sohn und Tochter, beide in Oltner Feuerwehrdiensten. «Stimmt», sagt Herber, «wir reden zusammen oft über die Feuerwehr.» Eben. Ein Mann sieht rot.