Ihn hört man schon von Weitem. Wenn er mit mächtigen Schritten durch den Gang «seiner» Giroudhalle schreitet, rasselt sein reich bestückter Schlüsselbund lautstark – wie es sich bei einem richtigen Abwart eben gehört.

Ab nächster Woche aber verstummt das vertraute Rasseln, denn der gebürtige Hägendörfer Roland Studer, langjähriger Abwart der Giroudhalle, hat morgen Freitag seinen allerletzten Arbeitstag.

Seinen beruflichen Weg begann der heute 67-jährige Studer vor 49 Jahren und sieben Monaten als Maschinenschlosser bei der Firma Giroud Olma AG in Olten. Mal abgesehen von einem einjährigen Unterbruch blieb er der Firma bis zum heutigen Tag treu.

Und als 1994 mit der Eröffnung der Turnhalle die Vision von Werner Jung, Seniorchef der Giroud Olma AG, Tatsache wurde, kam Studer zur Stelle als Hallenabwart «wie die Jungfrau zum Kind», so beschreibt es der in Oftringen wohnhafte Studer heute.

Hitzige Diskussionen

Von da an wirkte Roland Studer während 20 Jahren als gute Seele der Giroudhalle. Jahrelang etwa schrieb er an den jeweiligen Spieltagen des TV Schönenwerd, des HV Olten oder etwa von Unihockey Mittelland die Garderoben fein säuberlich an, stellte Bier und Mineral fürs Matchbeizli kalt oder richtete den Clubs den Zeitnehmertisch her.

Der «Hausherr» schaute gut für die Mannschaften. Aber es war nicht immer Gut-Kirschen-Essen mit Roland Studer. Ein Punkt etwa, der hitzige Diskussionen zwischen dem Abwart und den Handballern auslöste, war der Gebrauch von Harz als Haftmittel.

Zwar verzieht er noch immer das Gesicht, wenn er das Wort «Harz» in den Mund nimmt, trotzdem sagt er: «Mit der Zeit habe ich mit den Vereinsverantwortlichen einen Weg finden können, der für beide Seiten stimmte.»

Guter Draht zu Sportlern

Darum ging es im Alltag von Roland Studer als Abwart der Giroudhalle immer wieder: Kompromisse finden mit den Turnlehrern, den Schülern, aber auch mit den Vereinen. «Manchmal waren die Vorstellungen sehr unterschiedlich. Am Ende haben wir aber immer eine Lösung gefunden.» Obwohl sich Roland Studer selber als «grösstes Antisporttalent überhaupt» bezeichnet, hatte er einen guten Draht zu den Vereinen. So stiess er in der Matchbeiz auch hie und da mal mit den Sportlern auf einen Sieg an.

Auch wenn Studer mit den Vereinen Auf- und Abstiege erlebt hat, so hat er dennoch eines nie gemacht: Ein ganzes Spiel geschaut, von Anfang bis zum Schluss. «Das stimmt. Nicht ein einziges Mal», sagt der 67-Jährige und schmunzelt. Verschmitzt fügt er aber an: «Bei den letzten Minuten einer Partie war ich aber immer dabei. Gab es ein entscheidendes Tor in den Schlusssekunden, habe ich es gesehen.» Der Abwart war immer bestens informiert, ob «seine Mannschaft» nun reüssiert oder eine Schlappe eingezogen hat.

In Ruhe geniessen

So erlebte er im vergangenen Jahr auch mit, wie der TV Schönenwerd den grössten Erfolg der Klubgeschichte bewerkstelligte. In der entscheidenden Partie um die Bronzemedaille der NLA (Best-of-3-Serie) war Studers Giroudhalle proppenvoll.

Mit dem Publikum im Rücken besiegte der TVS Chênois 3:1 und liess die Korken knallen. Eine Schweizer Meisterschaft im Judo oder den Aufstieg der Oltner Handballer in die NLB hat Studer ebenfalls in bester Erinnerung – überhaupt mochte er es, wenn Leben in seiner Bude war.

Vonseiten seines Arbeitgebers gibts lobende Worte: «Mitarbeiter dieser Sorte sucht man lange», so Thomas Bürgi, Liegenschaftsverwalter bei der Giroud Olma AG. «Wir wussten, dass die Halle bei ihm in den besten Händen ist. So hat er auch pflichtbewusst seinen Nachfolger Andreas Räuftlin eingearbeitet.»

Studer wird für kleinere Aufträge weiterhin auf Abruf bereitstehen. Ab nächster Woche will er aber erst einmal die Ruhe des Ruhestandes geniessen – und vielleicht mal ein ganzes Handball-, Unihockey- oder Volleyballspiel anschauen.