Olten
«Er ist wieder da!»: Wie Adolf Hitler im umstrittenen Stück zur Witzfigur verkommt

Das umstrittene Stück «Er ist wieder da!», das am Freitag im Stadttheater Olten aufgeführt wurde, konnte nicht überzeugen.

Isabel Hempen
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Schauspieler Kristian Bader (links) gab einen überzeugenden Hitler, Vera Krömeier spielte seine Sekretärin.

Schauspieler Kristian Bader (links) gab einen überzeugenden Hitler, Vera Krömeier spielte seine Sekretärin.

Remo Fröhlicher

Ein an sich interessantes Gedankenexperiment: Was wäre, wenn Adolf Hitler heute lebte? Es ist das Fundament, auf dem der Roman «Er ist wieder da!» des deutschen Autors Timur Vermes aufbaut. Das auf dem Buch basierende Stück in der Fassung von Axel Schneider, gezeigt vom Altonaer Theater, war am Freitagabend im Oltner Stadttheater zu sehen.

Hitler, so die Story, findet sich in Berlin im Jahr 2011 wieder. Am Kiosk ist der «Völkische Beobachter» nicht vorhanden, Polen «führt seine widernatürliche Existenz offenbar unvermindert fort», wie er aus der Zeitung erfahren muss, und die eigene Uniform muss er bei einem Türken in die Reinigung geben.

Die Zeiten haben sich zwar geändert, aber Hitler, den die Leute für einen genialen Schauspieler halten, wird gewohnheitsmässig bald schon wieder mit «Führer» und erhobenem rechtem Arm gegrüsst. Als eine TV-Produktionsfirma auf ihn aufmerksam wird, nutzt er die Gelegenheit, sich in Szene zu setzen – wie man Propaganda macht, weiss er ja. Schliesslich erhält er sogar seine eigene Talkshow, wo er seine Ansichten den «Volksgenossen» uneingeschränkt kundtun kann.

Sagen lässt sich dazu: Die urbane Kulisse, die mit Videoprojektionen umgesetzt wird, ist gekonnt gemacht. Und Kristian Bader gibt den Hitler sehr überzeugend: das rollende R, die steife Haltung, wie er sich das Haar aus dem Gesicht streicht. Er spielt so gut, dass die übrigen Darsteller blass erscheinen neben ihm. Aber obwohl Hitlers Äusseres und die Rhetorik passen, bleibt die Figur leer.

 Kristian Bader gibt den Hitler sehr überzeugend.

Kristian Bader gibt den Hitler sehr überzeugend.

Remo Fröhlicher

Dieser Hitler ist in erster Linie mediengeil, sonst fehlt es ihm und dem ganzen Stück an Biss und Aussage. Mit Äusserungen, die aus dem historischen Kontext von 1945 gerissen harmlos amüsant wirken, wabert er sich durch die zweistündige Produktion. Obschon als «hemmungslose Mediensatire» angepriesen, verkommt das Stück dabei zur Komödie. Und Hitler gerät zur Witzfigur.

Die Frage, die sich dabei stellt, lautet nun nicht: Darf man das? «Er ist wieder da!» möchte ja ganz bewusst an die Grenze des guten Geschmacks gehen. Und abgesehen davon ist heute alles irgendwie erlaubt. Aber man kann schon fragen: Soll man das? Nein, man soll nicht. An Hitler ist nämlich auch siebzig Jahre später nichts komisch. Eine radikale Satire, die den Hitler auf die Spitze treibt, die hätte funktionieren können. Aber das Stück ist zu wenig pointiert und zu wenig lustig, um irgendwie relevant zu sein.

Eine Zuschauerin meinte in der Pause: «So ein Seich! Ich habe mir gerade überlegt, ob ich nach Hause gehen soll. Aber ich bleibe jetzt aus lauter Bequemlichkeit.» Und das konnte man ihr recht gut nachempfinden.