Olten
Er hielt sein Quartier stets in Schuss

Robert Schumacher war 20 Jahre im Dienste einer sauberen Stadt Olten. Jetzt tritt er in den Ruhestand.

Urs Amacher
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Urs Amacher

Am Freitag hat Robert Schumacher seinen letzten Arbeitstag. Der Allrounder in der Gruppe Reinigung des Werkhofs Olten war mit seinem orangen Kleinfahrzeug im Quartier rechts der Aare sehr präsent, auch wenn er eine unspektakuläre Arbeit verrichtete. Er war für die Sauberkeit der Treppen, schmalen Wege, Parkanlagen und Rabatten verantwortlich.

In der kalten Jahreszeit kam der Winterdienst hinzu, wo es galt, Fussgängerübergänge und Treppen von Hand freizuschaufeln und falls nötig zu salzen. Nun geht Robert Schumacher nach mehr als zwanzig Jahren im Dienste einer sauberen Stadt ein Jahr vorzeitig in Pension.

Der 1953 geborene Robert Schumacher lernte zuerst Hochbauzeichner. Schon dem Lehrmeister fiel seine gestalterische Begabung auf, sodass er in seiner weiteren beruflichen Tätigkeit laufend mehr Aufgaben im Bereich Planung und Architektur übernehmen konnte.

In der Rezession im Baugewerbe 1996 verlor er seine Arbeitsstelle. Den Wechsel nutzte er für eine Umorientierung. «Ich suchte eine Arbeit, wo ich mich vermehrt körperlich und im Freien betätigen konnte», berichtet Schumacher. Über einen Bekannten hörte er von einer freien Stelle im Werkhof. Umgehend sprach er beim damaligen Leiter, Hanspeter Oertig, vor und erhielt tatsächlich eine Chance, zuerst in der Gärtnerei, schliesslich in der Gruppe Reinigung.

Der Werkhofallrounder schätzt an seiner Arbeit die Selbstständigkeit. «Jahrein, jahraus bin ich selber dafür verantwortlich, dass in meinem Bereich Ordnung herrscht.» Darüber hinaus ist es das Quartier, in dem er aufgewachsen ist, das er deshalb beinahe liebevoll im Schuss hält.

Zudem betont Schumacher, dass diese letzten Jahre auch prägend für seine persönliche Entwicklung waren. «Früher war ich eher der Eremit, der im Betrieb allein seine Arbeit erledigte. Hier stehe ich in der Öffentlichkeit, werde von den Leuten wahrgenommen und häufig gegrüsst. Dadurch bin ich selber ein sozial offener Mensch geworden», stellte er fest.

Auch wenn er mit unterschiedlichen «Kostgängern» zu tun hat. Etwa wenn er einen, der Haushaltsabfälle im Abfallkübel entsorgt, erwischt und der Polizei übergeben muss. Da sind die Kontakte mit freundlich grüssenden Müttern und staunenden Kindern positivere Erfahrungen. Auch an die Schönheit der Stille, wenn er im Winter frühmorgens eine Treppe vom Schneeteppich befreien muss, erinnert er sich mit Freude.

Langweilig wird es dem Mann nicht werden. Vor allem kann Schumacher, der sich sehr für christliche Spiritualität interessiert, vermehrt Bücher lesen. Daneben wird er sich seinen fünf Aren Garten widmen, wandern, Kontakte mit Bekannten und Freunden pflegen und zu den Kindern seiner beiden Adoptivtöchter schauen.

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