Etwa alle zwei Wochen lädt das Begegnungszentrum Bifang Cultibo an der Aarauerstrasse in Olten am Freitag zum «Cultibo-Zmittag» ein. Dort helfen nicht nur Köchinnen und Köche aus aller Welt, sondern im Hintergrund auch Rolf Schenker, der selbst im Quartier wohnt, nämlich beim Vögeli-garten. Seit rund 14 Jahren lebt er in Olten.

In der Küche steht Rolf Schenker zwar nur im Notfall. In Schenkers Aufgabenbereich liegt all das, was ausserhalb der Küche noch gemacht werden muss: die Vorbereitung und das Aufstellen im Cultibo, die Koordination der Anmeldungen, das Einziehen des Preises von acht Franken pro Mahlzeit sowie die Buchhaltung. «Und dann und wann ein Blümchen als Dekoration auf den Tisch stellen.» Er selbst isst jeweils gleich mit, seine beiden Kinder (8 und 10 Jahre alt), die im Bifangschulhaus zur Schule gehen, ebenfalls. «Ein schöner Nebeneffekt», wie Schenker findet. Anschliessend bleibt er gelegentlich gerne noch für Kaffee, Kuchen und Gespräche.

Möglichkeit, Neues kennen zu lernen

Auf seine Motivation für sein Engagement angesprochen, schmunzelt er: «Das hat sich so ergeben.» Freitags arbeite er nicht und habe deshalb Zeit. Als das Cultibo seine Türen öffnete, sei er gelegentlich mit seiner Frau vorbeigegangen, «wenn ja schon was da ist für das Quartier». Als Andrea Leonhardt, bis 2014 Mitarbeiterin im Cultibo, das Angebot «Cultibo-Zmittag» nicht mehr leitete, begann Schenker, zusammen mit Markus Meier mitzuhelfen.

Und obwohl er in sein Engagement eher zufällig hineingerutscht ist, wirkt er von der Sache überzeugt. Dass Cultibo einen bedeutenden Teil zur Integration von Migranten leisten kann, findet er sehr wichtig: «Die Leute sind jetzt nun mal hier. Sie zu integrieren, bringt schlussendlich allen was, sei es der Schweiz oder auch nur uns als Quartier», so Schenker schmunzelnd. Für ihn ist das Cultibo eine Möglichkeit, Leute zu treffen, denen er sonst nicht begegnen würde. «Die Schweizer sind ja von der Mentalität her nicht die Leute, die sich ständig treffen. Im Cultibo ist das anders.»

Reise ins Land der Köche

Die meisten Köche bei «Cultibo-Zmittag» sind mittlerweile Schweizer, entgegen der ursprünglichen Idee. Schenker schätzt es jeweils, wenn Leute aus anderen Kulturen kochen. «Das ist mal etwas Neues, ausserdem ist es immer lecker.» Wobei diese Köche nicht immer das pingelig genaue Zeitgefühl der Schweizer teilen, sodass das Essen manchmal nicht um Punkt zwölf auf dem Tisch steht. «Mich selbst stört das nicht, ich habe ja Zeit, anders als diejenigen, die am Nachmittag wieder arbeiten.»

Besonders in Erinnerung blieb Schenker beispielsweise der Mittag, als die Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft (GSTF) im Cultibo zu Besuch waren. «Die Küche war übervoll», erinnert sich Schenker. Ihm sei aufgefallen, dass bei den Tibetern vor allem die Männer kochten. Vielen ausländischen Köchen sei gemeinsam, dass sie «die halbe Küche von zu Hause mitnehmen». Neben Gewürzen seien dies vor allem Haushaltgeräte, die Schweizer nicht benutzen, beispielsweise Reiskocher und spezielle Maschinen für Fladenbrot. «Es ist dann wie eine Reise ins Land der Köche, nur eben hier im Cultibo», stellt Schenker fest. Ihm, der selbst jahrelang durch die Welt gereist ist, gefällt das sehr.

Und so wird er noch eine Weile beim Cultibo weiterhelfen. «Wenn ich irgendwann mehr als 80 Prozent arbeiten muss oder will, kann ich das Engagement nicht mehr machen. Aber momentan passts», so Schenker.