Es war eine fulminante Saisoneröffnung im Stadttheater Olten, die das Schweizer Urgestein des Prog-Rock da hinlegte. Den Sound hat die Kestenholzer Band Irrwisch, die dieses Jahr ihr 40-jähriges Bestehen zelebriert, schliesslich in den Knochen. Vergangenen Freitagabend brachte sie ihr jüngstes Werk zur Uraufführung: das Epos «Stone and a Rose». Angekündigt war es als Experiment, spannt die Rockband dafür doch mit einem klassischen Orchester zusammen. Eine Kombination, die neben eingefleischten Fans auch einige Neugierige ins Stadttheater lockte.

Die Idee, mit einem klassischen Orchester zusammenzuspielen, war ein lange gehegter Traum der beiden Irrwisch-Begründer Steff und Chris Bürgi. Das zu diesem Zweck komponierte Epos «Stone and a Rose» ist nun kürzlich als Doppelalbum erschienen. Es «erzählt vom menschlichen Dasein im Labyrinth des Lebens, im Spannungsfeld von Ewigkeit (Stone) und Vergänglichkeit (Rose), von Tränen der Freude und des Schmerzes und von der (universellen) Liebe», wie es auf der Bandwebsite heisst.

Die grossen Themen eben

Das klingt zunächst einmal kitschig. Und dieser Eindruck ist durchaus nicht falsch, wie die Premiere im Stadttheater bestätigte: Die Bildprojektionen, die als Kulisse dienten, wechselten zwischen Sternenhimmel, Wasserfall, Zodiak und roter Rose. Die grossen Themen eben, hoher Symbolgehalt. Mit ebenso grosser Kelle war der Sound angerührt – episch, sinfonisch, orchestral.

Das Experiment Rockband mit klassischem Orchester ging dabei voll auf, ist doch Irrwischs Spielart des Rock selbst schon sehr klassikverliebt. Dass das Konzert bestuhlt war, fiel daher nicht aus dem Rahmen. Den Irrwisch-Fans, die gemeinsam mit der Band gealtert sind, dürfte dieser Umstand auch nicht unrecht gewesen sein.

Das Epos wurde in drei Teilen aufgeführt, eine bombastische Show. Den Anfang machten bedeutungsschwere Balladen, eine Stimme aus dem Off, die universelle Wahrheiten preisgab, rote Rosen, ein Saxofon – viel mehr Kitsch und Romantik wären kaum möglich gewesen. Schön jedoch, dass es offenbar Leute gibt, die sich eine solche romantische Sicht auf die Welt bewahrt haben. Die Zuhörer spendeten tosenden Applaus.

Auch die darauf folgenden Irrwisch-Klassiker wurden begeistert aufgenommen, etwa «Living In A Fool’s Paradise» oder «Time Will Tell». Nach der Pause dann wurde die Sechser-Formation, unterstützt vom 25-Personen-Orchester, ihrem Genre gerecht: der zweite und der dritte Teil von «Stone and a Rose» klangen nun endlich nach schweren Gitarrenriffs und hartem Rock. Die Band liess sich mehrere Zugaben nicht nehmen. Sie wurde mit stehenden Ovationen belohnt.

Publikum war hingerissen

Am Alter des Publikums war abzulesen, dass Irrwisch wohl über eine treue Fangemeinde verfügen. Zeitgemäss wirkte die Musik der Band hingegen nicht. Zu kitschig, zu schwülstig, zu weltfremd, würde wohl ein Dreissigjähriger finden. Aber Kitsch ist ja auch nur eine von vielen Arten, sich die Welt schöner zu denken. Das Publikum im Stadttheater jedenfalls war hingerissen.