Noch in diesem Jahr will der Stadtrat Olten über die Zukunft der Jugendbibliothek entscheiden. Nicht über deren weitere Existenz; nein; sondern über deren geografische Verortung. Angekündigt worden war die Überprüfung des Standorts bereits im Juni dieses Jahres, und zwar im Rahmen eines erweiterten Sparpakets. «Der vorgesehene Umzug ins Parterre des Stadthauses kommt allerdings nur infrage, wenn durch die Aufgabe des alten Standorts für die Stadt dauerhafte Minderbelastungen resultieren», sagt Stadtschreiber Markus Dietler.

Derzeit steht das diesbezügliche Überprüfungsverfahren vor dem Abschluss. Entscheidet sich die Exekutive für den Umzug, so steht die jetzige Liegenschaft an der Zielempgasse 8, welche sich im Besitz der Stadt befindet, zum Verkauf.

Tafelsilber nicht verhökern

Dabei von einer unbedachten Veräusserung städtischen Tafelsilbers zu reden, wie dies Kritiker des Projekts tun, mag Dietler allerdings nicht. Auch wenn im Frühling die Grünen im Parlament noch mit einem Vorstoss für eine konservative Liegenschaftspolitik aufwarteten.

Dieser sollte den Verkauf von öffentlichem Besitz gänzlich unterbinden, doch fand sich dafür im Parlament keine Mehrheit. Mit 30 zu 12 Stimmen folgte die Volksvertretung damals dem Stadtrat, welcher die Ablehnung der Motion empfohlen hatte. «Bei allem Sparen gilt der Leitsatz: Für die Kommune rentable Liegenschaften oder solche von entwicklungspolitischer Bedeutung werden trotz Spardruck nach Möglichkeit nicht veräussert», führt Markus Dietler dazu aus.

Die Liegenschaft Zielempgasse 8 gehöre aber nicht zu einem strategischen Entwicklungsgebiet, bei dem die Stadt ihre Einflussmöglichkeiten behalten müsste. «In der Altstadt sind die Änderungsmöglichkeiten und damit die Gefahr von ungewollten Entwicklungen relativ gering», so der Stadtschreiber.

Nicht unter einem Dach

Im Zuge der Kostenüberprüfung wurde auch die Koexistenz der beiden Bibliotheken unter einem Dach ins Auge gefasst. Allerdings kam man dabei rasch zum Schluss, dass die Räumlichkeiten der benachbarten Stadtbibliothek dafür nicht ausreichen, eine räumliche Trennung der Angebote dort nicht möglich ist. «Die beiden Institutionen bedienen eine sehr unterschiedliche Klientel», sagt Dietler.

Während in der Stadtbibliothek alle Prozesse, von wissenschaftlicher Arbeit bis hin zur ordentlichen Ausleihe doch in etabliert ruhiger Atmosphäre ablaufen, geht in der Jugendbibliothek vieles naturgemäss auch mit einem gewissen Kinderlärm einher. «Allein deshalb wäre – auch unter einem Dach – eine räumliche Trennung angezeigt», so Dietler.

Dualität aufgehoben

Praktisch war es allemal, die beiden Häuser gleich um die Ecke zu wissen. Ein Umzug der Jugendbibliothek würde dieses Wissen jedoch zur Makulatur werden lassen. Zu liegen käme die Bibliothek im Parterre des Stadthauskomplexes, der direkt über die Hübelistrasse erreichbar ist. Es sei immer wieder der Wunsch geäussert worden, das Erdgeschoss im Stadthaus publikumswirksamer zu nutzen, meint Dietler. Und: Die Stadtbibliothek und das Stadthaus würden auch nur knappe fünf Gehminuten auseinanderliegen.

Im Laufe des ersten Halbjahres

Im Falle eines Umzugs ist nicht damit zu rechnen, dass dieser noch im laufenden Jahr umgesetzt werden kann. Gewisse Teile der aktuellen Infrastruktur wären in den neuen Räumlichkeiten nicht mehr zu brauchen und müssten demzufolge neu angefertigt werden. Item: Sollte ein Umzug beschlossene Sache werden, so dürfte dieser im Laufe des ersten Halbjahres 2016 vollzogen werden», so der Stadtschreiber.