Sozialprojekte
Entrümpeln und Aussortieren: Das Projekt Restwert versteigert Ihren Estrich auf Ricardo.ch

Das Beschäftigungsprogramm aus Wangen bei Olten bietet an, den alten Handy oder die ungebrauchten Golfclubs für Sie auf Ricardo.ch loszuwerden.

Jocelyn Daloz
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Projekt Restwert in Wangen bei Olten 17.04.2020
8 Bilder
    
Für die Versteigerung werden die Gegenstände vor weissem oder schwarzem Hintergrund fotografiert.
Dieses Golfset sind nun registriert und bereit, ersteigert zu werden.
Eine Lampe muss sorgfältig eingepackt werden.
Bereit für den Versand!

Projekt Restwert in Wangen bei Olten 17.04.2020

Patrick Lüthy

Wer sich in Zeiten des Lockdowns in den eigenen vier Wänden eingeengt fühlt, wer den Anblick des ganzen Grümpels von seinem Home-Office-Arbeitsplatz aus nicht mehr erträgt oder wer vor Kurzarbeit-Langeweile Marie Kondos Bücher auswendig kennt, den packt vielleicht die Lust nach Entrümpeln und mal nach gründlichem Aussortieren.

Gebrauchten Gegenständen ein neues Leben geben

Dabei hilft das Projekt Restwert, ein Sozialprojekt für junge Erwachsene, das seit zwei Jahren vom Sozialunternehmen Waldluft in Wangen bei Olten betrieben wird. Es bietet an, das alte iPhone oder die nicht mehr gebrauchte Fotokamera, die man gerne loswerden will, auf ricardo.ch wiederzuverkaufen.

Dabei erhalten die Kunden 70 Prozent des Verkaufspreis, wobei sie auch die Gesamtsumme dem Projekt Restwert überlassen können. Die 30 Prozent Provision machen ohnehin bloss ein Teil der Ausgaben aus – Ricardoinserate oder Verpackungsmaterial etwa.

Eine sinnvolle Beschäftigung für junge Erwachsene mit Integrationspotenzial

«Wir erwirtschaften unseren Hauptumsatz über den kantonalen Integrationsauftrag und nicht über den Wiederverkauf der Gegenstände», erklärt Isabelle Gutzwiller von Waldluft. «In unseren Integrationsplätzen erhalten aber bis zu 12 junge Menschen mit Integrationspotenzial die Möglichkeit, sich einer sinnvollen Beschäftigung zu widmen und wertvolle Erfahrung zu sammeln, bevor sie den Wiedereinstieg in die erste Arbeitswelt schaffen.»

Patrick Lüthy

Die Beschäftigungsplätze werden dabei durch die Sozialversicherungen ermöglicht. In der Regel arbeiten die Beschäftigten für mehrere Wochen bis Monate im Integrationsbetrieb. «Die Platzierungsdauer und Zielsetzungen werden immer wieder mit den Behörden ausgehandelt» sagt Gutzwiller.

   

  

Patrick Lüthy

Kundenkontakt und Online-Skills

Beim Projekt Restwert lernen die beschäftigten jungen Menschen auch Kundenkontakt zu pflegen und Beratung zu leisten: Durch die Erfahrung der Versteigerungen auf Ricardo können sie abschätzen, für wie viel die gebrauchte Nähmaschine oder die ungetragenen Nike-Schuhen weiterverkauft werden können. Sie können dies auch anhand von Recherchen begründen.

Patrick Lüthy

Am besten kommen gut erhaltene Markenkleider, elektronische Geräte oder Sportartikel weg. Nicht angenommen werden jedoch Artikel wie Möbel, CDs, DVDs oder Bücher. «Für Möbel haben wir schlicht keine Lagerkapazität», sagt Isabelle Gutzwiller.

    

   

Patrick Lüthy

Das Projekt trotzt dem Corona

Das Projekt läuft auch trotz des Coronavirus weiter. Die Gegenstände können nach wie vor in den Lagerräumen an der Dorfstrasse 21 beim Frey-Areal hinter dem Bahnhof Wangen bei Olten einem reduzierten Team abgegeben werden. Termine können online auf der Webseite vereinbart werden.

Vor Ort erfüllt das Team die Aufgaben, die nicht im Home-Office erledigt werden können, nämlich das Fotografieren der Objekte, ihre Lagerung und ihren Versand. Der Rest des Teams arbeitet aus dem Home-Office.

Patrick Lüthy

Weitere Projekte in Winterthur, Aarau, Basel

Was ursprünglich in Trimbach vor zwei Jahren klein angefangen hat, multipliziert sich seit letztem Sommer in der Deutschschweiz. Sozialinstitutionen im Raum Zürich, Bern, Aarau und Basel haben das Konzept übernommen.