Wochentags sieht es in Hägendorf jeden Tag ähnlich aus. Abends schlängelt sich eine fast nicht enden wollende Autokolonne im Schritttempo durchs Dorf. Hier hat die Entlastung Region Olten (ERO) nur bescheidene Auswirkungen.

Ein kleiner Teil der Fahrzeuge nimmt nun die Mittelgäustrasse, um weiter in den Westen zu gelangen. Bei weiterhin 13 000 Fahrzeugen täglich in Hägendorf ein Tropfen auf den heissen Asphalt.

Wie erwartet ...

Die Entlastung Region Olten (ERO) wurde am 24. April 2013 mit einer grossen Eröffnung dem Verkehr übergeben, bereits im Jahr 2012 wurde die Entlastungsstrasse in Betrieb genommen.

Die Auswirkungen dieses Entlastungsprojekts lassen sich dank der Verkehrszählung vom Juni 2015 erkennen. Es zeigt sich, dass die ERO weitreichende Konsequenzen auf den Verkehrsfluss in der Region hat.

Verkehrsbelastung auf Kantonsstrassen

Verkehrsbelastung auf Kantonsstrassen

So wird der Ortskern (Achse Ringstrasse–Ziegelfeldstrasse–Solothurnerstrasse) von Olten stark entlastet. Auf dieser Achse zeigt sich eine deutliche Reduktion des Verkehrs um mehr als die Hälfte. Die rund 12 000 motorisierten Verkehrsteilnehmer haben sich auf die ERO-Entlastungsstrasse H5 verschoben.

Ein massiver Anstieg zeigt sich derweil auf der Brücke, welche die H5 weiter als Hauptstrasse in Richtung Rickenbach führt. Dort hat sich der Verkehr fast verdoppelt. Dies ist die logische und gewollte Folge der neuen Verkehrsführung.

Auch der Verkehrsrückgang auf der Strasse von Wangen nach Rickenbach ist eine Konsequenz der ERO. Der Rückgang von zirka 3700 Fahrzeugen am Tag ist aber dennoch erstaunlich. Weil gleichzeitig der Anstieg auf der Mittelgäustrasse in Kappel nicht im gleichen Mass ausfällt, ist hier an der Genauigkeit der Zahlen zu zweifeln.

... und befürchtet

Gerade die Mittelgäustrasse gibt am meisten zu reden. So wird im Bericht des kantonalen Amts für Verkehr und Tiefbau darauf hingewiesen, dass «die Verkehrsbelastung auf der Mittelgäustrasse, die neu auch als Route zur Entlastungsstrasse genutzt wird, mit +700 Fahrzeugen pro Tag (10 Prozent Mehrverkehr) zugenommen» habe.

Das ist jedoch nur ein Teil der Wahrheit und bezieht sich auf die automatische Zählstelle mit der Nummer 623. Und die steht, in Fahrtrichtung Gunzgen, erst nach dem Kreisel in Kappel.

Die Bedenken, die die Gemeinde Kappel im Vorfeld der Projektierung der ERO angemeldet hat, sind nach den effektiven Zahlen beurteilt tatsächlich eingetroffen. Denn wirft man einen Blick auf die Zahlen der Handzählung an der Weiterführung der Mündung der Umfahrungsstrasse West in die Mittelgäustrasse zwischen Kleinwangen und Kappel, so sieht die Situation ganz anders aus.

Dort wurden im Vergleich zum Jahr 2010 über 2300 Fahrzeuge mehr gezählt. Was einem Anstieg von 38 Prozent entspricht. Eine Schlaumeierei des Kantons, einfach eine Zählstelle zu nennen, die eine weniger starke Erhöhung aufweist? Ganz so einfach ist es nun doch nicht.

«Die Werte sind verfälscht, weil im Jahr 2010 ein zu tiefer Wert für die Mittelgäustrasse östlich von Kappel gemessen wurde», sagt Kurt Erni vom kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau.

Dies durch die Baustelle 2010 auf dem Viadukt in Wangen, welche zum Messzeitpunkt den Durchgang nach Kleinwangen erschwerte. Somit ist die Steigerung von 2300 Fahrzeugen pro Tag zu relativieren.

Und damit ist auch der Rückgang auf der H5 zwischen Wangen und Hägendorf weniger stark ausgefallen, weil die Vergleichszahlen aus dem Jahr 2010 an dieser Stelle zu hoch sein dürften. Dieser Rückgang mache Hägendorf dann auch nicht wirklich glücklich, wie Gemeindepräsident Albert Studer auf Anfrage bestätigt. Die Belastung bleibe für Hägendorf hoch.

Kanton zufrieden, Kappel nicht

Wie stark der Verkehr auf der Mittelgäustrasse zugenommen habe, lässt sich laut Erni nicht abschliessend eruieren. «Er wird östlich des Kreisels in Kappel um mehr als zehn Prozent zugenommen haben, 38 Prozent ist aber sicherlich zu viel», erklärt er.

Jedenfalls liege die Steigerung sicher im Prognoserahmen, welcher der Kanton im Vorfeld kommuniziert habe. «Das Verkehrsaufkommen auf der Mittelgäustrasse liegt im Verhältnis zum Gesamtvolumen immer noch in einem vertretbaren Rahmen», sagt Erni.

Anders sieht man das in der Gemeinde Gunzgen. «Am Schreibtisch sieht das natürlich anders aus, als wenn man hier wohnt. Und die Anwohner merken diese Steigerung deutlich», sagt Hansjörg Steiner, Gemeindeverwalter von Gunzgen.

Mit dem Anstieg von 700 Fahrzeugen am Tag sei man sehr unzufrieden, man habe aber damit gerechnet. Kappel ist derweil vom Mehrverkehr am meisten betroffen. Die deutliche Steigerung sei spürbar, sagt Gemeindepräsident Rainer Schmidlin. Er geht von einer tatsächlichen Steigerung von 30 Prozent aus, «dies ist einfach zu viel», bilanziert Schmidlin.

Ganz anders die Situation in Wangen. «Vonseiten der Bevölkerung hört man mehrheitlich gute Dinge», sagt der Wangner Gemeindepräsident Beat Frey. Neben den positiven Auswirkungen auf den Durchgangsverkehr auf der Dorfstrasse sei auch Kleinwangen zu erwähnen.

Dort ist der Durchgangsverkehr verschwunden. Grundsätzlich seien die Erwartungen an ERO erfüllt worden, so Frey. Beim Kanton klingt es ähnlich. «Das Monitoring hat gezeigt, dass die prognostizierten Zahlen sich erfüllt haben, somit sind wir zufrieden», zieht Kurt Erni ein Fazit.

Wie weiter?

Was trotz der ERO augenfällig ist: Der Stau zu Stosszeiten speziell von Wangen in Fahrtrichtung Hägendorf stellt weiterhin ein grosses Problem dar. So steht die Forderung nach einer Anbindung der ERO an die Autobahn in Egerkingen weiterhin.

Der Bund hat das Projekt ERO+ im Agglomerationsprogramm 2. Generation kritisch beurteilt. Das Projekt wird im Programm 3. Generation nochmals eingereicht. Dieses Programm geht im nächsten Jahr zur Vernehmlassung in die Gemeinden und wird Ende 2016 beim Bund eingegeben. «Parallel dazu werden wir an der Kostenoptimierung arbeiten»», sagt Kantonsingenieur Peter Heiniger.

Momentan stimme aus Sicht des Bundes das Kosten-Nutzen-Verhältnis noch nicht. Wangen, auch wenn bereits entlastet, bleibt bei seiner Haltung. «Wir unterstützen das Projekt, wenn die anderen Gemeinden diese Weiterführung wollen», bekräftigt Beat Frey.

Albert Studer hingegen möchte eine Lösung, die breiter abgestützt ist und die Verkehrssituation vom Niederamt bis ins Gäu löst. «Pflästerlipolitik bringt nichts. Wenn aber ERO+ ein erster Schritt ist, ist dieser zu begrüssen.»

Auch Rainer Schmidlin würde eine Weiterführung der ERO begrüssen: «Momentan sind wir alle irgendwie Verlierer.» Er meint damit die Gemeinden Kappel, Hägendorf, Gunzgen und Härkingen.

Im Bezirk Olten sank das allgemeine Verkehrsaufkommen um 2,8 Prozent. Eine erfreuliche Nachricht, für die Stadt Olten ist diese Aussage aber nichtssagend. Die Verkehrsbelastung bleibt hoch. Vor allem die Aarburgerstrasse ist weiterhin ein Nadelöhr. «Wir arbeiten ständig an der Optimierung des Verkehrsmanagements in Olten», erklärt Kurt Erni, Amt für Verkehr und Tiefbau. Speziell im Fall der Aarburgerstrasse läuft dieses Management in Zusammenarbeit mit dem Kanton Aargau. Der Kanton Solothurn will diese Optimierung auch in Zusammenhang mit dem neuen Bahnhofplatz in Olten in Angriff nehmen. Dies läuft momentan mehrheitlich über Verkehrssteuerung, so wird etwa der Tunnel Hausmatt zeitweise gesperrt, dass der Rückstau vom Säli-Kreisel nicht im Tunnel zu stehen kommt. Der Verkehr auf der Route zwischen Olten und Aarburg steigt derweil weiter an und ist mit 25 300 Fahrzeugen hoch, was auch ein Vergleich zeigt: Nur gerade die Westtangente in Solothurn zählt mehr Fahrzeuge. Auch die Verkehrsbelastung auf der Aarauerstrasse ist weiter hoch. Abgenommen hat die Verkehrsbelastung auf der Gösgerstrasse. Dies lässt sich laut Kanton mit einer Baustelle erklären, welche zum Messzeitpunkt den Verkehr nach Trimbach verlagert habe. Die Tannwaldstrasse bleibt aber trotz allabendlichen Staus weiterhin geschlossen. «Es gibt derzeit keine anderen Signale, als dass am Fahrverbot festgehalten wird», erklärt Daniel Bürki, Kommandant der Stadtpolizei. (phf)

Die Aarburgerstrasse bleibt ein Ärgernis

Im Bezirk Olten sank das allgemeine Verkehrsaufkommen um 2,8 Prozent. Eine erfreuliche Nachricht, für die Stadt Olten ist diese Aussage aber nichtssagend. Die Verkehrsbelastung bleibt hoch. Vor allem die Aarburgerstrasse ist weiterhin ein Nadelöhr. «Wir arbeiten ständig an der Optimierung des Verkehrsmanagements in Olten», erklärt Kurt Erni, Amt für Verkehr und Tiefbau. Speziell im Fall der Aarburgerstrasse läuft dieses Management in Zusammenarbeit mit dem Kanton Aargau. Der Kanton Solothurn will diese Optimierung auch in Zusammenhang mit dem neuen Bahnhofplatz in Olten in Angriff nehmen. Dies läuft momentan mehrheitlich über Verkehrssteuerung, so wird etwa der Tunnel Hausmatt zeitweise gesperrt, dass der Rückstau vom Säli-Kreisel nicht im Tunnel zu stehen kommt. Der Verkehr auf der Route zwischen Olten und Aarburg steigt derweil weiter an und ist mit 25 300 Fahrzeugen hoch, was auch ein Vergleich zeigt: Nur gerade die Westtangente in Solothurn zählt mehr Fahrzeuge. Auch die Verkehrsbelastung auf der Aarauerstrasse ist weiter hoch. Abgenommen hat die Verkehrsbelastung auf der Gösgerstrasse. Dies lässt sich laut Kanton mit einer Baustelle erklären, welche zum Messzeitpunkt den Verkehr nach Trimbach verlagert habe. Die Tannwaldstrasse bleibt aber trotz allabendlichen Staus weiterhin geschlossen. «Es gibt derzeit keine anderen Signale, als dass am Fahrverbot festgehalten wird», erklärt Daniel Bürki, Kommandant der Stadtpolizei. (phf)