Erlinsbach
Einwohner sind sich einig: Die Gemeinde soll langsamer wachsen

Am Workshop zum räumlichen Leitbild kritisieren Einwohner das prognostizierte Bevölkerungswachstum. Ihrer Meinung nach soll die Gemeinde langsamer wachsen. Zudem soll sich der Gemeinderat aktiv um ein lebendiges Gewerbe bemühen.

Melina Aletti
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In Achtergruppen wurde am Workshop über das künftige räumliche Leitbild der Gemeinde diskutiert.

In Achtergruppen wurde am Workshop über das künftige räumliche Leitbild der Gemeinde diskutiert.

Markus Müller

Wo steht die Gemeinde Erlinsbach in zehn oder zwanzig Jahren? Wie wird mit dem Trend zu einem Bevölkerungswachstum umgegangen? Damit beschäftigten sich am Samstag rund 90 Einwohner von Erlinsbach an einem Workshop zum räumlichen Leitbild. Wie in vielen anderen Gemeinden der Region, ist es auch in Erlinsbach an der Zeit, dieses zu überarbeiten. Bereits im Vorfeld hat der Gemeinderat eine Planungskommission ins Leben gerufen, die zusammen mit dem Planungsbüro Metron aus Brugg AG den Workshop vorbereitet hat.

Zu Beginn der Veranstaltung hat Daniel Baeriswyl vom Planungsbüro erklärt, was ein räumliches Leitbild bewirken kann – und was nicht. Es geht darum, langfristige Ziele und Strategien festzulegen, zu klären, was mit Siedlung, Verkehr, Landschaft und Umwelt passieren soll.

Um das zu erreichen, werden im räumlichen Leitbild Massnahmenvorschläge festgehalten. Daraus wird anschliessend der Nutzungsplan erarbeitet, der wiederum für konkrete Bauprojekte wichtig ist. Das Verkehrsregime, die Schulraumplanung oder der Grundwasserschutz beispielsweise sind nicht Teil des räumlichen Leitbilds. Als wichtigste Herausforderung für die Gemeinde nannte Baeriswyl das Wachstum, die Überalterung und den Quartierwandel. Mit diesen Themen beschäftigten sich auch die Workshop-Teilnehmer vertieft.

Aufteilung in Achtergruppen

In Achtergruppen wurde anschliessend rege diskutiert. Es zeigte sich schnell, dass die Zeit zu knapp bemessen war. Vor allem zu diskutieren gab die kantonale Wachstumsprognose: Aktuell wächst die Gemeinde um rund 50 Personen pro Jahr, künftig sollen es bis zu 70 Personen pro Jahr sein. Das passt nicht allen. Gleichzeitig besteht aber auch Verständnis dafür, dass möglichst zentrumsnah verdichtet gebaut werden muss. Von der Planungskommission wurden folgende Quartiere zur Verdichtung vorgeschlagen: Mühlefeld, Maier-Areal, Platten, Langmatt/Weiher, Steinenbach und Oberred. Damit waren die Anwesenden grossmehrheitlich einverstanden.

Zum Schluss fasste jede Gruppe ihre wichtigsten Punkte zusammen. Es herrschte grosse Einigkeit: Das vom Kanton prognostizierte Wachstum wird als zu hoch angesehen. Zudem befürchten viele, dass Erlinsbach zum Schlafdorf verkommen könnte. Deshalb wurde gefordert, dass sich der Gemeinderat aktiv um ein lebendiges Gewerbe bemüht.

Trotzdem ist der öffentliche Verkehr sehr wichtig für das Dorf. Bewohner des südlichen Dorfteils wünschen sich zum Beispiel eine Anbindung an die Aarauer Buslinie. Bis anhin sind diese Quartiere nur an das Oltner Busnetz angebunden. Besonders für ältere Menschen kann der längere Fussweg ein Problem sein.

In dieser Aussage spiegelt sich zum einen das Durchschnittsalter der Teilnehmenden wider, zum anderen auch der Fokus auf die steigende Überalterung. Darauf lässt sich wohl auch eine oft genannte Verdichtungsmassnahme zurückführen: sogenannte Generationenhäuser. Darin leben ein älteres Ehepaar und ein Nachkomme mit Familie. Dafür müsste allerdings ein voller dritter Stock erlaubt sein, was momentan nicht überall der Fall ist. Eine Frage, die im räumlichen Leitbild geklärt werden kann.

Nun folgt Mitwirkungsverfahren

Grundsätzlich zeigten sich die Workshop-Teilnehmer sehr zufrieden mit dem Anlass. Viele waren froh, sich bereits früh im Prozess einbringen zu können. Sie schätzten es, nicht vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.

Als Nächstes muss ein Entwurf des Leitbilds erarbeitet werden. Danach gibt es ein Mitwirkungsverfahren und parallel wird der Entwurf dem Kanton vorgelegt. Anschliessend folgen eine Bereinigung und ein Beschluss des Gemeinderats. Wenn alles wie geplant verläuft, kann an der Gemeindeversammlung im Herbst dieses Jahres über das neue räumliche Leitbild abgestimmt werden.