Zentrum Rickenbach

Einsprachen gegen Baugesuch zum 14-Millionen-Franken-Projekt

Wo zurzeit noch das Restaurant Kreuz steht (links auf dem Bild), soll ein Wohngebäude mit Gemeindesaal gebaut werden.

Wo zurzeit noch das Restaurant Kreuz steht (links auf dem Bild), soll ein Wohngebäude mit Gemeindesaal gebaut werden.

Im Mai wurde in Rickenbach die Abfallentsorgungsstelle für Altglas und -aluminium vom Werkhof zum Rickenbacherhof verlegt und damit das erste Zeichen der Neugestaltung des Dorfkerns gesetzt. Eine Umfrage in Rickenbach hat gezeigt, dass die Bevölkerung grundsätzlich für die Zentrumsüberbauung ist. Allerdings gibt es zwei Einsprachen.

Das Projekt «Zentrum Rickenbach» umfasst die insgesamt 3540 Quadratmeter grossen Grundstücke des ehemaligen Restaurants Kreuz, des Werkhofs und des dazwischen liegenden, leerstehenden Bauernhauses. Im Auftrag der Grundstückseigentümerin Immo Gäu AG aus Härkingen hat das Architekturbüro Belart & Partner AG aus Olten ein Projekt mit fünf Häusern und Einstellhalle ausgearbeitet. Die Gemeinde übernimmt die Kosten von 150 000 Franken für die Abbrüche der drei bestehenden Gebäude. Ansonsten entstehen ihr keine Mehrkosten durch das Dorfkernprojekt.

Situation: Die fünf Mietwohnungshäuser, eingebettet zwischen Dorf- (l.) undSolothurnerstrasse; im Erdgeschoss von Haus 1 ist ein Gemeindesaal geplant.

Situation: Die fünf Mietwohnungshäuser, eingebettet zwischen Dorf- (l.) undSolothurnerstrasse; im Erdgeschoss von Haus 1 ist ein Gemeindesaal geplant.

Werkhofgebäude fällt weg

Den öffentlich aufgehängten Ansichtsplänen und Querschnitten zufolge sollen fünf viergeschossige und unterkellerte Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 39 Mietwohnungen und einem Gemeindesaal gebaut werden, die mit einer Einstellhalle mit 34 Parkplätzen und Ein-/Ausfahrt an der Solothurnerstrasse verbunden sind. Im Zentrum steht ein 150 Quadratmeter grosser Spielplatz, umrahmt von Grünflächen sowie Zufahrts- und Fusswegen.

Geplant sind drei aneinander gebaute Häuser an der Dorfstrasse. Haus 1 soll auf dem bisherigen Platz des Restaurants Kreuz entstehen; den Gemeindesaal im Erdgeschoss will man als Veranstaltungslokal nutzen. Laut Architekt Claude Belart schlägt man der Gemeinde dafür eine Mietlösung vor, über die die Gemeindeversammlung zu befinden hat. Die andern beiden Häuser sind als reiner Wohnraum gedacht; ebenso der Zwei-Gebäude-Block mit Haus 5 am bisherigen Standort des Werkhofs Richtung Solothurnerstrasse.

An der Gemeindeversammlung im Herbst 2014 wurde die mögliche Realisierung eines neuen Werkhofs angesprochen. Da viele werkhofspezifische Leistungen in Rickenbach damals bereits vom Hägendörfer Forst erledigt wurden, stimmte die Versammlung der Gründung einer öffentlich-rechtlichen Anstalt namens Dienstleistungsbetrieb Hägendorf-Rickenbach per 1. Januar 2016 zu. Deswegen beschlossen die Verantwortlichen von Rickenbach, im Zentrumsprojekt keinen Werkhof mehr zu berücksichtigen, heisst es vonseiten der Immo Gäu AG.

Laut Claude Belart soll das Gesamtprojekt exklusive Land rund 14 Millionen Franken kosten. Nach Informationen dieser Zeitung hat das Architekturbüro Robert & Esslinger AG Einsprache erhoben – nicht gegen das Projekt an sich, sondern weil die Architekten das Baugesuch als unvollständig erachten. Eine zweite Einsprache ging gemäss der Immo Gäu AG von der Aare Energie AG aus Olten ein. Auch sie richtet sich nicht gegen den Bau. Die Energieversorgerin besitzt in unmittelbarer Nähe eine Trafostation, an der viele Leitungen des ganzen Gebiets hängen. Sie will eine Lösung zur Gewährleistung des ununterbrochenen Stromflusses während der Bauzeit.

Kritik an der Gemeinde

Eine Umfrage in Rickenbach hat gezeigt, dass die Bevölkerung grundsätzlich für die Zentrumsüberbauung ist. «Es muss etwas passieren», meinte ein Einwohner. Allerdings gefällt ihm die Art nicht, wie die Planung zuletzt vonstattenging. «Die Gemeinde hätte das Zentrumsprojekt selber realisieren sollen; das käme sie kostengünstiger. Wenn die Behörde dort Räume nutzen will, muss sie bezahlen dafür.» Ein anderer Einwohner widersprach ihm jedoch: «Diejenigen, die das finden, denken nicht daran, wie stark dann die Steuern erhöht werden müssten.» Er hält die Realisierung eines Dorfzentrums grundsätzlich für eine gute Idee. «Die Leute wollten aber eigentlich etwas Grösseres.» Ursprünglich plante die Gemeindebehörde neben dem Bau von Wohnhäusern auch einen neuen Restaurantbetrieb im «Kreuz»-Haus sowie einen Dorfladen.

Dieter Leu will sich nicht äussern

Mietwohnraum ist in Rickenbach sehr willkommen. Das zeigt der Erfolg der neuen Mehrfamilienhausüberbauung Wendelin. Gemäss der Projekt-Internetseite sind in den sechs Gebäuden nur noch drei Mietwohnungen frei – in den beiden Häusern, die auf 1. November beziehungsweise 1. Dezember bezugsbereit sind. Die Immo Gäu AG hält sich bedeckt, was Informationen zum baulichen Zeitplan vor der Genehmigung des Baugesuchs angeht. Ziel ist ein möglichst baldiger Spatenstich.

Der Rickenbacher Gemeindepräsident Dieter Leu will sich gegenüber dieser Zeitung grundsätzlich nicht mehr zum Projekt äussern, weil «die Gemeindebehörde nach dem Baulandverkauf an die Immo Gäu AG mit dem Dorfzentrumsprojekt nichts mehr zu tun hat».

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