Olten
Einige Gastrobetriebe bieten wieder Take-Away-Service an, andere machen ihr Geschäft ganz dicht

Die neuerlichen Einschränkungen im Gastgewerbe als echter Härtetest: «Sich nach der Decke strecken» heisst der Leitsatz.

Urs Huber
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Restaurant Kolping: Flavia Deschwanden (links) und Nadia Thomann mit ihrer Infrastruktur für den Take-away-Service.

Restaurant Kolping: Flavia Deschwanden (links) und Nadia Thomann mit ihrer Infrastruktur für den Take-away-Service.

Oltner Tagblatt

Die erneute Schliessung der Restaurants im Zeichen der ­Coronakrise hinterlässt bei Wirten und Hoteliers in der Region ein ungutes Gefühl. Während die einen der schwierigen Zeit mit einem Take-away-Service begegnen, machen andere ihr Geschäft, weil vollends unrentabel geworden, ganz dicht, nachdem sie bereits mit der Beschränkung auf maximal vier Personen pro Tisch Einnahmen verloren und «fast jeden Tag mit Verlust arbeiteten», wie der ­Oltner «Flügelrad»-Wirt Martin Allemann auf der betriebseigenen Website zu verstehen gibt.

Er hat sein Geschäft vorübergehend gänzlich geschlossen und hofft auf eine baldige Wiedereröffnung. Zwischenzeitlich kann der Gast den Betrieb insofern unterstützen, als dass Gutscheine bestellt werden können.

Jetzt heisst’s: Wirten auf halbmast

«Ja, wissen Sie: Ich habe nicht ein Restaurant, um dieses geschlossen zu halten.» Flavia ­Deschwanden vom Restaurant Kolping in Olten sagt das sehr bestimmt. Schon im März, als die Restaurants landesweit geschlossen wurden, griff die Co-Wirtin zu dieser Massnahme. Jener der Take-away-Praxis.

Denn: Die habe sich damals schon bewährt. «Wir haben jedenfalls gute Erfahrungen gemacht.» Jetzt wirte man eben wieder auf halbmast, so Deschwanden, sei bereit, sich nach der Decke zu strecken. «Nicht Trübsal blasen, ist unser Motto», weiss die Co-Chefin und klingt dabei ganz munter. Oder wie der Volksmund jeweils eben sagt: Das Beste daraus machen.

Aber sie gibt auch zu verstehen, dass jede und jeder, die mit der Führung eines Restaurants betraut ist, auch eine individuelle Ausgangslage vor Augen hat. «Für uns jedenfalls stimmt das Setting mit dem Take-away», so Flavia Deschwanden und fügt hinzu: «Es isch, wie’s isch.»

Mehr oder weniger unfreiwillig stellt die «Linde» in Fulenbach bis zum 4. Januar ihren Betrieb ein. Anfang Juli bereits mit einer durch coronabedingten Verspätung eröffnet, sei die vorübergehende Schliessung des Restaurants durchaus nicht einfach, wie Gastgeber Armando Giannotti auf Anfrage zu verstehen gibt. Aber weil das Restaurant seit seiner Eröffnung als Pizzeria einen Take-away-Service anbietet, hält man auch jetzt in der Lockdown-Phase daran fest. Zumindest bis zum 23. Januar.

Ganz klar, dass dabei mit Einbussen zu rechnen ist, auch wenn die nicht exakt zu beziffern sind. Dennoch ist der Gastgeber nicht nur unzufrieden. Die «Linde» sei gut angelaufen, gibt er zu verstehen. Die anfänglichen Schwierigkeiten in der Servicetechnik und IT-Logistik seien behoben worden. «Dass mit der jetzt verhängten Schliessung dieser Optimierungsprozess unterbrochen wird, ist ebenfalls sehr bedauerlich», so Giannotti.

Erfinder des Take-aways aus etabliertem Haus

Traditionsgemäss dagegen schliesst der Oltner Aarhof zwischen Weihnachten und Neujahr seine Türen. Das ist auch in diesem Jahr nicht anders. «Genau», sagt Gastgeber Thomas Rhiner, der eigentliche Erfinder des Take-aways aus etablierten Häusern in Olten.

Im Frühling, beim ersten Lockdown, führte er die neue Praxis in seinem Haus ein und hielt daran fest bis zum heutigen Tag. Ab 4. Januar wird just dieses Angebot quasi wieder neu belebt. «Ich sehe sonst keine andere Möglichkeit, aber irgendwas will ich tun», so Rhiner weiter.

Dennoch blickt der Gastgeber eher skeptisch in die Zukunft. «Die getroffenen Einschnitte gehen allmählich über die eigentliche Substanz hinaus», meint er. Da tröstet wenig, dass die Einführung des Take-aways auch ein paar neue Gäste bescherte, die vorher nie im Aarhof verkehrten.

Personal um 25 Prozent reduziert

Roger Lang, der Gastronom mit dem wohl bekanntesten Lokal der Stadt Olten, muss grosse Umsatzeinbussen in Kauf nehmen bei seinem «Rathskeller» aber auch beim «Kreuz». Auf 60 bis 70 Prozent beziffert er die Ausfälle in den vergangenen Monaten. Er hat reagiert und sein Personal von 40 Angestellten um rund einen Viertel reduziert. Einigen musste er kündigen, andere sind von selbst gegangen. «Ich musste reagieren, damit der Gesamtbetrieb aufrechterhalten werden kann», sagt der 59-Jährige.

Enttäuscht ist er vom Bundesrat. In seinen Augen hätten Berset und Co. schon viel früher reagieren müssen, weil die Leute die Schutzmassnahmen zu wenig beachtet hätten. Zum anderen kritisiert er die Hilfsmassnahmen wie den Härtefallfonds, bei dem man erst ab einem Umsatzrückgang von mindestens 40 Prozent gegenüber den Jahren 2018 und 2019 unterstützt wird. Lang: Jene Wirte, die in den Sommermonaten ein gutes Geschäft gemacht und für die Wintermonate in spezielle Vorrichtungen wie Zelte für die Aussenwirtschaft investiert hätten, würden nun bestraft. Er selbst hat insgesamt rund 250 00 Franken für Zelte, Trennwände und Desinfektionsmittel ausgegeben.

Auch diverse Hotels machen dicht

Aber nicht bloss Restaurantbetreiber finden sich in der Defensive wieder: Ab 25. Dezember etwa bleiben sämtliche Abteilungen des Hotels Astoria in Olten voraussichtlich bis zum 22. Januar 2021 geschlossen, wie die Website den Kunden verrät. Das Hotel Arte, ebenfalls über die Feiertage geschlossen, nimmt seinen Betrieb sicher am 4. Januar wieder auf. Das Hotel Olten dagegen öffnet erst ab dem 11. Januar.

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