Man frage sich im Vorfeld der Banausiade manchmal schon, was man sich da alles antue, sagte Heinz Neuenschwander an dieser Stelle vor einem guten Jahr, als die Banause Zunft zu Olte ihren 50. Geburtstag feierte. Nun, die Reaktionen des schier 1000-köpfigen Publikums an der 17. Banausiade vom Wochenende verrieten: Einmal mehr hat sich der Aufwand gelohnt, ja mehr als das.

Denn was die Banausen im Mühlemattsaal in Trimbach auf die Bühne zauberten, war eine Zeitreise der Extraklasse, bei der die «Zukunft Olten» – unter dieser Prämisse nämlich lief die Show, auch mal eine Reise in die Vergangenheit war. 16 Aufzüge durfte das gut gelaunte Publikum geniessen: Und das Schönste an ihnen allen: Es gab – nicht nur für Insider – Wiedererkennungseffekte en gros. Das macht nämlich eine gute Banausiade aus: Bekanntes in ein spassig-giftig-liebenswertes Licht tauchen. Und einmal mehr haben die Zünftler und Programmgestalter ins Schwarze getroffen.

Ein Revival für Peter Christ

Ohne die Leistungen der andern Akteure schmälern zu wollen. Am meisten schallendes Gelächter heimste Sven Nobs ein, der mit einer unwahrscheinlich geglückten Persiflage auf Banause Urgestein Peter Christ das Publikum im Saal von den Sitzen riss. «Der Nobs war sogar noch besser als das Original», so Peter Christ nach der Vorstellung. Und: «Ich freue mich wahnsinnig. Es ist auch eine Ehre für mich, so gelungen auf der Bühne dargestellt zu werden. Ich erachte die Aktion auch irgendwie als ein Dankeschön für mein Engagement bei der Zunft.» Wohl wahr. Denn Christ gehört zu den Gründervätern der Zunft und war 1970 erster Obernaar aus deren Kreisen. «Und weisst du was», schiebt er noch hinterher, «ich wusste von der Produktion eigentlich gar nichts; das machts noch schöner.» Neben Nobs als Darsteller gebührte auch Sigi Meier ein grosses Lob, der für den Text verantwortlich zeichnete. Es hagelte jedenfalls Komplimente an alle Beteiligten.

Klasse XXL

Es gab, wie schon erwähnt, nur Nummern der XXL-Klasse. Grund: Die Reise mit der Zeitmaschine (gebaut übrigens von Richi Tassile) endete nicht immer dort, wo sie eigentlich sollte, nämlich im Jahr 2045. Das eröffnete Chancen des Rückblicks und Beschreibungen der Gegenwart. Alt Stadträtin Doris Rauber (Reto Fedeli) etwa wurde als Präsidentin von Oltner Bücher Stützen und Facebook Nutzerin arg auf die Schippe genommen. Ihre an sich harmlosen Postings wurden immer wieder aufs Gröbste missverstanden. Und so begegneten der Dame nacheinander Einträge etwa von Charly Fehlmann (alt Feuerwehrkommandant), Peter Hänggi (alt Stadtpolizeikommandant) und andere Widersacher, die den Weg der alt Stadträtin einst gesäumt hatten.

Als festen Wert im Business einer Banausiade kann auch Thomi Droll bezeichnet werden, der gleich mehrere Auftritte auf den Leib geschrieben bekam. Am imposantesten vielleicht jener als Dreijähriger mit grossem Teddy. Der «Bub» berichtete dabei aus der Familie Droll und erzählte von lustigen Suchspielen im Familienverbund, wenn Vater Droll an bestimmten Morgen nach gewissen Abenden nicht mehr wusste, wo er sein Auto parkiert hatte. Allein der Aufzug Drolls in Windeln gepackt sorgte für fortwährendes Gekicher in den Rängen. Man hätte dem «Dreijährigen» noch eine ganze Weile zuhören mögen. Gleiches gilt für den Auftritt der Säli Tropfi, die in einem ersten Teil quasi im Untergrund eine Session gaben, weil im Jahr 2022 die Vereinigung Pro Kultur Olten sämtliche Exekutivämter der Stadt besetzt hält, gar nichts übrig hat für die Fasnacht und diese zu unterbinden sucht: Anders liessen sich die Helikoptergeräusche und im Bühnenraum herumhuschende Lichtkegel von Suchscheinwerfern nicht deuten.

Schlaftabletten für Savoldelli

Zu den Banause-Klassikern gehören jeweils auch die Auftritte von Heinz (Nöschi) Neuenschwander, der sich diesmal als Stift Sebastien der Hammer Drogerie in Szene setzte und dabei allerlei Marotten von Stadtprominenten verriet. Frau Savoldelli suche Pillen für ihren Mann, damit der so ruhig werde wie Stadtpräsident Martin Wey. Er lieferte bildliche Zeugnisse von mehr oder weniger geglückten Gesichtsoperationen oder verriet intime Geheimnisse aus der hiesigen Parteienlandschaft. Alles in allem: Das Prädikat heisst – Nöschitotalbegabt. Egal ob Esther Gassler, Werner De Schepper, Walter Wobmann oder Sarah Früh: Nöschi stellt sie alle ins Fasnachtslicht, manchmal überdreht, dann pointiert, auch unzweideutig. Jedenfalls bleibt kein Auge trocken und wenn mal blosses Raunen durchs Publikum geht, dann nur weil die Wandlung (etwa Wobmann - Hitler) zu überraschend daherkommt.

Ah ja: Wer wusste eigentlich, dass das Säli Schlössli im Jahr 2045 mangels Alternativen zum Altersheim für demente Fasnächtler umgebaut sein wird. Das verrieten die Banausen nämlich auch noch auf dieser Zeitreise. Daneben gabs viel Musik; die Big Band des Musikverbandes beider Basel (Heinz Schönenberger) oder die Banausen Claude Waeber und Cedric Aeschlimann sorgten für den besten Variantenmix, derweil der schon fast legendäre Giachem (Martin Hagmann) seine Rolle gewechselt hatte. Der mimte Ruedi Vorburger vom Fernsehsender Alf. A Apropos Musik: Obernaar Räffu 1. – der mimte niemanden bei seinem Banausiade-Auftritt. So gut nämlich kann bloss ein Original sein.