Boningen

«Eine Welt tat sich auf für mich» – Vor zwei Jahren gab Beatrix Wyser ihren Job für das Weben auf

Beatrix Wyser in ihrem Webatelier in Boningen: Auch zwei rund 70-jährige Webstühle sind dort anzutreffen.

Beatrix Wyser in ihrem Webatelier in Boningen: Auch zwei rund 70-jährige Webstühle sind dort anzutreffen.

In Boningen pflegt Beatrix Wyser eine der ältesten Handwerksarten im textilen Bereich.

Seit der Funke sprang, webt Beatrix Wyser aus Boningen an Original-Webstühlen Tücher für Kissen, Schals, Teppiche – und fertigte ausnahmsweise für einen Künstler einen Auftrag auf Bestellung aus. Ihre Produkte haben eines gemeinsam: alles sind Unikate.

«In einem Schaufenster sprang mir ein Tuch in die Augen», lacht Beatrix Wyser. Das Design, gewoben, hätte sie fasziniert und nicht mehr losgelassen. Bereits am nächsten Tag meldete sie sich zu einem Webkurs von Ruth Aeberhard im Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg in Gränichen AG an. Weitere Kurse folgten, unter anderen bei der Zürcher Stalder AG in Lyssach BE. «Eine Welt tat sich auf für mich!», schwärmt Beatrix Wyser noch immer.

Zwei Webstühle stehen im Atelier

Heute, zwei Jahre später – ihren Job hat sie inzwischen gekündigt –, stehen zwei Webstühle in ihrem Atelier in Boningen. Erstanden an einer Versteigerung. «Etwa 70-jährige Original-Webstühle der Firma Walter Arm aus Biglen», bemerkt sie. Die Firma gab vor sieben Jahren die Produktion auf. «Die Vorarbeiten, bevor ich mit dem Weben überhaupt anfangen kann, sind aufwendig», erklärt Beatrix Wyser. Dazu gehören das Planen, Berechnen von Kett- und Schussfaden sowie das Bestellen von ausschliesslich hochwertigen Materialien. Ihre Affinität zum Stoff rühre wohl von ihrer Grossmutter her, reflektiert die Frau aus Boningen. Zusammen mit ihr habe sie viel genäht. Vermutlich nicht von ungefähr habe sie eine Lehre als kaufmännische Angestellte in der Textilabteilung einer Grossfirma, mit Branchenkunde an der damaligen Textilfachschule Wattwil, gemacht. Später folgte der Vorkurs an der Schule für Gestaltung. Und immer wieder führten sie Jobs ins Epizentrum der Textilwelt: in den Siebzigerjahren zu einem Kürschner nach London oder zuletzt zur Avantex AG in Trimbach. Dazwischen arbeitete sie auch auf der Redaktion einer Jugendzeitschrift und im Lektorat des Diogenes Verlags.

«Insbesondere das Entwerfen von Designs ist enorm spannend», fährt Beatrix Wyser weiter. So entstehen im Boninger Webatelier «Toodaloo» bunte Tücher, Kissen in fröhlichen Farben, Schals und Foulards, Teppiche usw. «Toodaloo» bedeute, so die 63-jährige Boningerin, alle Produkte seien von Hand gewoben, individuell und Unikate. Und darauf legt sie grossen Wert: «Ich gestalte meine Produkte nach meinen Ideen, sie müssen mir gefallen. Deshalb fertige ich nichts auf Bestellung an.» Lacht – und reicht nach: «Die Ausnahme bestätigt die Regel.» So habe sie der bekannte Aargauer Künstler und Grafikers Fulvio Castiglioni, Zofingen, angefragt, ob sie zu einem seiner Werke ein Tuch weben würde. Dieses soll identisch sein mit dem Design seiner Grafik. Das habe eine besondere Herausforderung bedeutet. Gespannt vergleicht sie schliesslich das Original des Künstlers mit dem Tuch von der Webmaschine. Das Resultat ist an der Ausstellung von Fulvio Castiglioni in der Alten Kirche Härkingen vom 31. Januar bis 16. Februar 2020 zu sehen. Die handgewobenen Produkte von Beatrix Wyser können in ihrem Atelier in Boningen bestaunt werden.

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