Im Sommer 2017 wurde bekannt gegeben, dass auch die Postfiliale in Kappel von der Umstrukturierung der Schweizerischen Post betroffen sein würde. Bei der Infoveranstaltung der Post am Donnerstagabend macht sich dagegen aber starker Unmut breit.

«Wir wünschen keine Veränderung!» Mit diesen Worten meldete sich prompt eine ältere Dame aus dem Publikum, nachdem Bernhard Büchler, Leiter Region Post Mittelland, die Diskussionsrunde eröffnet hatte. Sie sorgte mit ihrer Aussage für tosenden Beifall bei den Anwesenden, die sich in der Mehrzweckhalle in Kappel zusammengefunden hatten. Die Dame hatte mit ihrem Votum den Gedanken vieler im Raum ausgesprochen.

Mut zur Veränderung

Die Veranstalter sind von Anfang an bemüht, die Veränderung, welche unausweichlich auf die Gemeinde zukommt, so klar wie möglich zu schildern. So beginnt Büchler mit der Veranschaulichung der Lage bei der Post, die mit der Schwierigkeit konfrontiert ist, in einer digitalisierten Gesellschaft mit wandelnden Bedürfnissen allen Kunden gleichsam eine Lösung zu bieten und ihren Service public-Auftrag erfüllen zu können.

Das ist allerdings keine neue Botschaft: Bereits seit 2016 kommuniziert die Post, dass diese Umstrukturierung die Schliessung diverser Filialen zur Folge haben wird. Man spricht dabei aber von einem «Umbau» und keinem «Abbau»: Bis 2020 möchte man mit 4200 Zugangsmöglichkeiten zur Post in der Schweiz präsent sein. Heute seien es 3800, davon 1400 Filialen, die man innert vier Jahren um fast die Hälfte zu vermindern plane, teilt Büchler mit. Auch die geliebte Postfiliale in Kappel ist davon betroffen.

Nachdem Urs Krattiger, Spezialist Netzentwicklung der Post, die Alternative einer Partnerfiliale sowie die des Hausservice vorgestellt hat, versucht Büchler auf die immer lauter werdenden Einwände der Bevölkerung einzugehen und den Handlungsbedarf der Post zu rechtfertigen.

Die Einwände sind vielseitig: Einige Bewohner sind erzürnt darüber, dass die Filiale in Hägendorf bestehen bleibt, während ihre «abgebaut» wird. Anderen gefällt die Alternative des Zahlungsverkehrs bei einer möglichen Partnerfiliale nicht. Viele jedoch missen den sozialen Kontakt zu den Post-Mitarbeitenden, der bei der angebotenen Alternative verloren geht. Die Stimmung ist negativ und die Argumente von Büchler prallen an seinen Zuhörern ab. Er betont jedoch die Wichtigkeit, mit der Zeit zu gehen, denn Alternativen und individuelle Lösungen würde die Post genügend bieten: «Man braucht nur etwas Mut zur Veränderung – nicht alle Traditionen können aufrechterhalten werden,» sagt Büchler.

Ja oder Nein

Das womöglich grösste Fragezeichen in den Köpfen der Kappeler nach der Diskussionsrunde aber war: Was ist nun bereits entschieden? «Schliesst unsere Filiale, ja oder nein?» Dieselbe Dame, die sich zu Beginn gemeldet hat, fordert eine klare Antwort. «Es ist noch nicht entschieden», kommt als Antwort zurück. Glaube schenkt dieser Aussage nach der Veranstaltung aber kaum ein aus dem Besucherfeld.

«Das ist doch alles bereits entschieden und man möchte uns einfach noch informieren», sagt einer. Die Leute sind enttäuscht darüber, dass die Möglichkeit einer richtigen Diskussion gar nie geboten wurde und fühlen sich hintergangen. Selbst die wenigen jungen Teilnehmer an der Veranstaltung halten wenig von der vorgeschlagenen Lösung: «Das ist ein erzwungener Rückschritt für unser Dorf», meinen sie.

Für Bernhard Büchler ist die Reaktion der Leute völlig normal: «An die Veranstaltung kommen vorwiegend Personen, die besorgt sind über die Veränderung. Die junge Zielgruppe ist daher fast gar nicht vertreten.» Selbst Kappels Gemeindepräsident Rainer Schmidlin bedauert das Schicksal der Postfiliale, fügt jedoch hinzu: «Veränderungen sind immer schwierig, aber sie sind nun mal da.» Nur vereinzelt hört man beim gemeinsamen Apéro Stimmen, die diese Haltung unterstützen: «Die Bereitschaft für einen Wandel ist ein Muss in der heutigen Zeit, besonders bei den Älteren.»

Entschieden ist laut den Verantwortlichen noch nichts. Bis ein Partner gefunden wurde und die Gemeinde diesen bestätigt, bleibt die Postfiliale im Dorf bestehen. Im Zweifelsfall aber bleibt den Kappelern nur noch der Weg über die eidgenössische Postkommission.