Oltner Fasnacht
«Eine Seite dem Motto, die andere mir»

Mehr als zwei Dutzend Laternen tauchen das Foyer jeweils ins stille Fasnachtslicht. Einer der Mitverantwortlichen: Martin Heim, Laternenmaler der Hilari-Zunft.

Urs Huber
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Die Glugger habens mit der Fifa, die Altstadt Zunft fordert Helden für Olten. Und die Gugge Papapalagi weist kunstvoll auf ihr Motto Tüüfu – Donner Doria hin. Bruno Kissling

Die Glugger habens mit der Fifa, die Altstadt Zunft fordert Helden für Olten. Und die Gugge Papapalagi weist kunstvoll auf ihr Motto Tüüfu – Donner Doria hin. Bruno Kissling

BRUNO KISSLING

So friedlich ihr Leuchten auch sein mag: Wer sie ein bisschen genauer unter die Lupe nimmt, der merkt: Ein paar sprachliche Giftpfeile tragen manche Fasnachtslaternen auf ihrer erhellten Oberfläche schon zur Schau. «Es seit dr Zingg das Trotteli – für e Super Man nämet vo mir es Foteli.» Die Altstadt-Zunft kennt kein Pardon und misst sich auch an noch amtierenden Stadträten: «Dr Super-Schafer lidet Quale – Super tüür isch’s Soziale.» Vielleicht gilt: Je kleiner die Schrift, desto giftiger deren Botschaft. Denn auch die Fröscheweid lässt das närrische Mausen nicht. «Mir hei dir d’Polizei wäg gno – und gfrogt: Worum bisch du no do»?» Die Frage – klar, geht an Stadträtin und Sicherheitsdirektorin Iris Schelbert. Und die Banause-Zunft operiert apokalyptisch, aber in grosser Schrift: «Concursus ante Portas.» Vor den Toren Oltens nämlich.

Jenseits der politischen Stichelei: Fasnachtslaternen sind so etwas wie die Seelen ihrer Schöpfer. Einer von ihnen: Martin Heim, der für die Hilari-Zunft die Laterne malt. «Ich sage immer: die eine Seite der Laterne gehört dem Motto, die andere mir.» Der Neuendörfer mit dem klassischen Gäuer Dialekt weiss, wovon er spricht. Seit mehr als zehn Jahren malt er für die Zunft, zu der er über seinen Künstlerfreund Christoph Aerni aus Gunzgen kam. Seither gibts Arbeitsteilung unter den beiden. Aerni macht die Hilari-Schnitzelbankhelgen, Heim besorgt die Laternenmalerei. Beides zusammen sei fast nicht machbar, meint Heim. Zumal halt naturgemäss die Zeit immer etwas drängt.

Im Dezember hat Heim begonnen mit der Arbeit. Es sei auch schon vorgekommen, dass er sich erkundigen musste, wie das Motto laute. Er lacht. Aber es sei extrem unkompliziert. «In der Regel kommt jemand von der Zunft vorbei und sagt: Martin, das ist das Motto. Lass dir was einfallen.» Bislang ist Heim noch immer was eingefallen, auch zum diesjährigen Motto «Tätä – Guardia Hilari». Manchmal fallen ihm gar Dinge ein, die mit der Zunft überhaupt nicht abgesprochen waren. Dann folgt die Korrektur aus Olten. Heim lacht. Aber in der Regel sagt er, sei er frei. Auch Sprüche platziere er manchmal selbst. «Da redet mir niemand drein.»

Am Dienstag haben sie letztmals ihren grossen Auftritt, die Laternen. Beim Trommler- und Pfyfferumzug in der Altstadt, bevor sie dann ins Lager der jeweiligen Zünfte wandern und später abgerüstet werden, um frischen Ideen Platz zu machen.

Und was geschieht mit der «Haut»? Manchmal bleibe sie im Lager, und manche würden sie sich privat bei Mitgliedern der Zunft finden. Auch bei ihm, dem Schöpfer? Heim nickt.

«… drü Vaterunser bäte ond zögle uf Olte-Südwest!»

In Erlinsbach begegnen sich Solothurner und Aargauer Fasnächtler – Kostproben aus den Schnitzelbänken vom Freitagabend in der «Trotte»:

«Mir sind vo Speuz und chöme vo Speuz / Und sind au z’Speuz diheime», sangen die Erzbänkler am Schnitzelbank-Obe in der Erlinsbacher «Trotte». Aber nicht alles in ihrer Heimat will ihnen gefallen:

D Aare gniesst jetz bsund’re Schutz:
Alli Bäum müend falle!
Was git denn das? Ja gopfriedstutz!
Das cha ja keim Mensch g’falle!
Vo Schatte isch do gar kei Spur
’S isch nümm’ schön zum Spaziere!
Au jede Hund, dä frogt sich nur:
Wo cha-n-ich do markiere?

Daneben befassten sie sich auch mit der Schweizer Politik, so mit dem Präsidentenwechsel bei der SVP:

S Muschter vo Demokratie
Wählt e neue Presi.
Es söll denn scho e Gschyde sy,
Im Chopf dörf’s bitzli meh sy!
Drum säge si ganz klipp und klar
Wär isch Kandidat!
«Vorschläg mache chönd er zwar,
Doch d Röschti isch parat!»

Die Ärlispeuzer Vagabunde zur immer weniger wahrnehmbaren Kantonsgrenze in Erlinsbach:

Ärlischbach, das kenne mir au,
im Solothurn und im Aargau.
Mir mache zäme scho ganz viel Sache,
ar Fasnacht tüe mer gmeinsam lache.
Mir sind scho e riese Gmeind,
wo jetzt Bauämter zämeleid.
Eifacher wäri doch die Sach,
versetze mir de ganz Erzbach.

In der Trotte traten aber auch auswärtige Gruppen auf, so die Guggi-Sänger aus Olten und die Frauen-Schnitzelbankclique Emanze Gift aus Trimbach. Letztere schielten auf den neuen Oltner Stadtteil:

s’schlächte Gwösse plogt, drom foni afo schele
hueresiech, zom Biichte muesi jetzt i d’Chele
doch die Stroof vom Pfaff, die get mer fascht der Räscht:
drü Vaterunser bäte ond zögle uf Olte-Südwest

Nebenbei verrieten die Emanzen das Geheimrezept der Schnitzelbänkler:

Es Bett ond Stefu, Soppe, Brot ond Gruppesex
d’Stäge uf, denn rächts, s’esch alles sehr komplex
lächle, päägge ond sech denn no ineschliime
der Text esch scheissegal, es mues sech nome riime

Das Duo Hürlimaa.ch aus Oberbipp zeigte sich ebenso vertraut mit den örtlichen Gegebenheiten in Speuz wie mit den neusten Veränderungen im Niederamt:

S’hett z’Erlinsbach e Kreisel, dä isch ou ziemli chly
I der Mitti hett’s e Punkt, worum muess ächt dä sy ?
Der Erich von Däniken seit, dä Punkt isch nid für d’Chatz
Das isch in Erlinsbach der erschti UFO-Landeplatz.
E Tunnel wird jetz bouet und zwar für d’Iisebahn
Für d’Strecki Olten–Aarau, es isch der hälli Wahn
Der Eppebärg wird de der Bewiis, das säge die in Bärn
D’Soledurner und d’Aargauer hei enander gärn.

Die Rollator-Grosis aus Brugg haben erkannt, warum wir immer älter werden:

Besch emol föifesechzgi gsi,
isch es mit der Rueh verbi!
Do schlohsch d’Zytig uf,
findsch Angebot zuhuf!
Seniore-Wanderige, Velotoure,
Spielnomittäg und Antifalte-Kure
Bi däm Programm hesch kei Zyt zum Sterbe,
kes Wunder, wenn mer denn emol 150i wärde!

Auswahl: cva

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