Diese Woche liess der Oltner Stromkonzern Alpiq aufhorchen. Erstmals seit 10 Jahren wies er einen Jahresgewinn aus: 294 Mio. Franken Plus im 2016. Ein Jahr zuvor resultierte noch ein dickes Minus von 830 Mio. Franken.

Die positive Nachricht nährte in Olten bereits die Hoffnung, die Steuerschläuche in die Stadtkasse könnten bald wieder anschwellen. Erinnerungen wurden wach an jene Zeiten, in denen die Alpiq der Stadt Olten jährlich bis über 30 Mio. Franken Steuern abgeliefert hatte – bis Fukushima, Finanzkrise und Strompreiszerfall tiefe Löcher in die Kassen rissen.

Heute liegt der gesamte Steuerertrag der juristischen Personen mit rund 18 Mio. Franken weit unter dem, was die Alpiq früher alleine der Stadt Olten ablieferte.

Noch keine Rückkehr in die goldenen Alpiq-Zeiten

Leider ist mit dem Gewinn des letzten Jahres noch keine Rückkehr in die goldenen Alpiq-Zeiten mit vollen Steuerschläuchen für die Dreitannenstadt zu erwarten. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Schliesslich leidet der Oltner Stromkonzern nach wie vor unter einer grossen Schuldenlast, die immerhin in den letzten vier Jahren von fast 4 Milliarden Franken auf 856 Mio. Franken reduziert werden konnte.

Doch den Überschuss konnte Alpiq im vergangenen Jahr bloss durch den Verkauf von Familiensilber bewerkstelligen. Die Veräusserung von Unternehmensteilen und Kraftwerkbeteiligungen (Avag, Swissgrid, AEK Energie) spülte Hunderte Millionen in die Kasse.

Kraftwerkpark wird als «Bad Bank» abgesondert

Dieses Geld braucht das Unternehmen, um den Wandel vom einstigen Stromproduzenten und -händler zum umfassenden Energieversorger und –dienstleister voranzutreiben. Und das Unternehmen braucht noch mehr Geld, um seine technologiegetriebenen Investitionen tätigen zu können.

Damit die Alpiq für Investoren interessant wird, bündelt sie ihre profitablen Dienstleistungsgeschäfte in den drei Sparten Digital & Commerce (vor allem Stromhandel), Industrial Engineering (Industrieanlagen-/Kraftwerksbau, Betrieb, Rückbau, erneuerbare Energien) sowie Building Technology & Design (Gebäudetechnik). Die verlustbringende Sparte Generation Schweiz (Stromproduktion) soll hingegen nach dem Muster einer «Bad Bank» in der Finanzwelt abgesondert werden.

Wasserkraftpark der EOS zu teuer eingekauft

Die Ausgliederung der Stromproduktion aus den Kern- und Wasserkraftwerken zeigt, wo der Energiekonzern Alpiq seine Achillesverse hat. Hinsichtlich der Wasserkraft rächt sich bitter, dass bei der Bildung der Alpiq der von der Westschweizer EOS als Partnerin der damaligen Atel eingebrachte Wasserkraftpark in der seinerzeitigen Markteuphorie regelrecht vergoldet wurde.

Die hohen Amortisationskosten der überbewerteten Assets lasten auf der angeschlagenen Alpiq und machen ihr neben dem Zerfall der Strompreise zusätzlich zu schaffen. Doch die Wasserkraftwerke müssen über kurz oder lang wieder in den strategischen Kernbereich des Unternehmens zurückfinden können.

Ohne die Wasserkraft ist Energiewende nicht möglich

Die Wasserkraft darf nicht zur Verliererin, sondern muss zur Gewinnerin der Energiewende werden. Es geht nicht an, dass die «blaue Energie» durch die Subventionierung von Windenergie und Photovoltaik sowie durch ausländische Billigenergie aus CO2-produzierenden und damit klimaschädigenden Kohle- und Gaskraftwerken gefährdet wird.

Diesbezüglich ist hierzulande auch die Politik gefordert, denn mit einer Bedarfsabdeckung von rund 60 Prozent bildet die Wasserkraft das Rückgrat der Stromversorgung in der Schweiz. Ohne die Wasserkraft ist die Energiewende in der Schweiz nicht zu schaffen.

Denn alleine der beabsichtigte Ersatz der Kernenergie durch neue erneuerbare Energiearten ist eine Herkulesaufgabe. Schliesslich deckt die Kernenergie in unserem Land einen guten Drittel des Strombedarfs ab.

Roche-Tower und Gotthard-Bahntunnel

Vorerst setzt die Alpiq als gewinnorientiertes Unternehmen nun aber primär auf Digitalisierung und intelligente Vernetzung dezentraler flexibler Energiesysteme, Smart Buildings und E-Mobility, Industrieanlagenbau sowie Kernkraftrückbau. Dass das Unternehmen seine neue Rolle als Dienstleister im Energiebereich erfolgreich zu spielen vermag, hat es zum Beispiel hinsichtlich Energieeffizienz beim Bau des Roche-Towers in Basel und des grossen Coop-Verteilzentrums in Schafisheim bewiesen.

Als ausgewiesene Spezialistin für Bahntechnik ist die Alpiq bei der Ausstattung des Lötschberg- und des Gotthardtunnels zum Zuge gekommen. Bei E-Mobility profiliert sich Alpiq mit Lade-Infrastrukturen. Und im Bereich Digitalisierung hat das Oltner Energieunternehmen eine universelle Plattform für selbstlernende künstliche Intelligenz geschaffen.

Wer weiss, vielleicht vermag dereinst künstliche Intelligenz bei der Alpiq die Wasserkraftwerke wieder rentabel zu machen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Auch jene, dass der Steuerschlauch der Alpiq in die Stadtkasse früher oder später wieder anschwillt und den Oltner Fiskus zum Lachen bringen kann.