Zum dritten Mal nach 2011 und 2012 lud der Verkehrs- und Verschönerungsverein Hägendorf (VVH) an der Ortsgeschichte Interessierte zu einer rund dreistündigen Geschichtswanderung ein. Diesmal führte Wanderleiter Hans Sigrist eine grosse Gruppe passionierter Hobbywanderer in das Gebiet des vergessenen Berkiswil.

Vom Brunnen im Gnöd ging es auf dem oberen Richenwilweg und dem Waldweg «Feischtere Wäg» (finsterer Weg) Richtung Schlössli – ein Gebiet, dessen Name entweder von seiner abgeschlossenen Lage herrührt oder durch das Zusammenfliessen mehrerer Bäche («Wasserschloss») begründet ist. Dort erzählt Hans Sigrist die von Ida Grimm Studer (1902-1992) aufgeschriebene Sage von der alten Tanne, die am Schlössli stand und eines Tages in den Bach gerutscht sei. Da sie dort einfach wieder an- und auch weitergewachsen sei, erzählten die Leute im Dorf, die Mutter Gottes sitze mit dem Jesuskind unter der Tanne, und schmückten sie mit einem Marienbild.

Siedlungsdruck entcheidend

Anschliessend führte der Weg in das Gebiet der Berghöfe hinter dem Schlössli, das früher allerlei Namen hatte: 1261 erstmals urkundlich erwähnt und 1423 in einem Zinsverzeichnis unter dem Namen «Im Wald» geführt, wurde es seit dem 17. Jahrhundert Berkiswil genannt. Damals nahm es nahezu ein Drittel der Gemeindefläche ein. Warum die abgelegenen Berghöfe dort entstanden, weiss Hans Sigrist: Im siebten Jahrhundert wurden mit der alemannischen Einwanderung die Dörfer im Tal gegründet, auch Hägendorf.

Doch die guten Siedlungsplätze waren schon bald besetzt; durch den Siedlungsdruck in den Dörfern entstanden die Höfe im Gebiet Berkiswil, wo noch genügend Wirtschaftsraum vorhanden war: Zuerst wurde die Gwidem 1036 erstmals urkundlich erwähnt, dann Fasiswald, Spittelberg, Kambersberg, Allerheiligenberg, Sonnenberg. Der Wuesthof gehörte ursprünglich zum Allerheiligenberg; der unterhalb vom Kambersberg gelegene Gigersberg existiert nicht mehr. Er brannte 1923 ab; an seiner Stelle entstand später der Sonnenberg.

Über den steilen, alten Spittelberg-Weg stieg die Wandergruppe dann zu dem Platz auf, an dem einst der Spittelberg-Hof stand. «Dieser Hof wurde 1660 vom Spital gekauft», erzählt Hans Sigrist. Einer von Elisabeth Pfluger aufgeschriebenen Sage nach wurde in jener Zeit ein Bauernsohn vom Knecht des Hofes ermordet. Zum Andenken an dieses Ereignis wurde das Holzkreuz auf dem Weg zum Schlössli errichtet, das Ende der 1940er Jahre von der katholischen Jungmannschaft Hägendorf-Rickenbach erneuert wurde.

Der böse Geist des Mörders herrschte jedoch noch lange Zeit im Spittelberg-Hof und liess seine Bewohner nicht zur Ruhe kommen, erzählt Hans Sigrist und berichtet weiter aus der Geschichte des Hofes: Der Spittelberg wurde zwischen 1726 und 1728 abgebrochen, um einem neuen Zweckbau zu weichen. 1903 verkaufte das Spital den Hof; ab 1963 gehörte sowohl der Spittelberg-Hof als auch der Fasiswald-Hof dem Eidgenössischen Militär-Departement (EMD), das auch andere abgelegene Einzelhöfe – Kambersberg, Wuesthof, Gwidem – erwerben wollte, um militärische Einrichtungen zu schaffen.

Doch erst 1986 wurden die Höfe aus dem Denkmalschutz entlassen. Der Spittelberg-Hof wurde daraufhin komplett abgebrochen; die Gebäude des Fasiswald-Hofes wurden ersetzt, nur das Wohngebäude durfte bestehen bleiben und wurde dann auch saniert.

Rettendes Chriesiwasserbrünneli

Auf der neuen Strasse gelangte die Wandergruppe hinunter zum Fasiswald-Hof, dessen Name erst Anfang des 19. Jahrhunderts in den Akten gebraucht wurde. Im Volksmund war er jedoch schon lange vorher üblich. Anfang des 17. Jahrhunderts habe es laut einer von Ida Grimm Studer aufgeschriebenen Sage einen Sommer mit grosser Trockenheit gegeben, unter dem vor allem die Berghöfe litten.

Im Fasiswald sei damals gerade das sechste Kind geboren worden, und die verzweifelte Mutter machte sich auf den Weg ins Dorf zur Gemeindeamme, um ihr Baby zu retten. Unterwegs brach sie jedoch zusammen und wäre gestorben, wenn sie nicht am Rücken plötzlich etwas Nasses gespürt hätte: Aus dem Felsen kam lebensrettendes Wasser – heute noch bekannt unter dem Namen Chriesiwasserbrünneli. Via Schlössli gelangten die Geschichtswanderer zurück an den Ausgangspunkt.