Olten

Eine Heldin zieht weiter

Jennifer Papatzikakis wird zwar ihre Stammkunden vermissen, freut sich aber auf ihr Studium in Luzern.

Jennifer Papatzikakis wird zwar ihre Stammkunden vermissen, freut sich aber auf ihr Studium in Luzern.

Die Oltner Altstadt wird um ein Geschäft ärmer, denn der Laden «Zeit für neue Helden» geht zu – nicht des Geldes wegen, sondern dem Glück zuliebe.

Es gibt Läden, die man kennen muss, um sie zu finden oder auf die man per Zufall trifft. Der Concept-Laden mit Nähatelier «Zeit für neue Helden» an einer Ecke am äusseren Rand der Oltner Altstadt ist so ein Laden. Oder ab Sonntag besser gesagt war. Seine 25-jährige Geschäftsleiterin Jennifer Papatzikakis macht nach knapp drei Jahren zu. Obwohl die Rechnung Ende Monat jeweils aufging.

Vor dem Lokal steht in Richtung der Eingangstür das Schild «When nothing goes right, go left». Im Insider-Shop läuft Chillout-Musik. Wohnzimmer-Ambiente. Klebeetiketten in Neonorange an jedem zweiten Kleidungsstück, 50 Prozent auf fast alles. Eine junge Frau mit weichen Gesichtszügen bedankt sich lächelnd bei einer Frau, die mit einer vollen Zügelkiste den Laden zufrieden verlässt. «Sie hat mir fast das ganze Laden-Mobiliar abgekauft», sagt die junge Frau, die Geschäftsleiterin, dankbar, fast erleichtert.

Als sie den Laden gründete, verwirklichte die gelernte Damenschneiderin ihren Traum. Ihre Familie unterstützte sie dabei — auch finanziell. «Sie glaubten und glauben immer an mich», sagt sie. Das Geld ist diesem seltenen Fall offenbar nicht der Grund für die Schliessung, sondern eher die veränderten Zukunftspläne der jungen Shop-Inhaberin. Im September beginnt Jennifer Papatzikakis ihr Studium an der Kunsthochschule Luzern. Produktdesign mit Vertiefung Schmuck.

Sie freut sich darauf; in einem Team zu arbeiten, in einer Klasse zu sein. «Klar, im Laden kommen Kunden, Nachbarn und Freunde vorbei – aber am Schluss ist man halt einfach allein.» Das habe sie mit der Zeit belastet, manchmal so fest, dass sie nicht mehr mit derselben Motivation morgens den Laden öffnete. Dann telefonierte sie öfter mit ihrer Familie, oder Freunde kamen auf einen Kafi vorbei. «Das hat mir sehr geholfen.»

Seit sie definitiv beschlossen hat, den Laden aufzugeben, geniesse sie die Zeit im Laden. Dass jetzt vor allem wegen der Räumungsaktion mehr Kunden als üblich im Laden stehen, findet sie einen schönen Abschluss. Vermissen wird sie vor allem ihre vielen Stammkunden. Und auch diese haben sie lieb bekommen.

Eine Kundin habe schon angekündigt, dass sie nicht an den Rampenverkauf vom Samstag kommen könne, aber trotzdem noch vorbei kommen wird, um sich von Papatzikakis zu verabschieden. «Das hat mich bewegt», sagt die junge Frau, sichtlich gerührt. Der Eingangston erklingt, ein Kunde kommt, seine reservierten T-Shirts abholen. Papatzikakis hatte sie bereits liebevoll auf die Seite gelegt.

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